Ein New Yorker Feuerwehrmann fordert 10 weitere Rettungskräfte auf, sich einen Weg in die Trümmer des World Trade Center in New York City zu bahnen. 20 Jahre danach sind die Terrorangriffe vielen Dorstenern noch gut im Gedächtnis. © picture alliance/dpa/U.S. Navy
20 Jahre 9/11

Terror in den USA: Dorsten war geschockt, aber nicht gelähmt

20 Jahre ist es her, dass ein Terroranschlag in den USA die Welt veränderte. Auch bei vielen Dorstenern hat sich der 11. September 2001 ins Gedächtnis eingebrannt - ein Rückblick.

Karl-Erich Lutterbeck war an diesem 11. September 2001 mitten im Konfirmandenunterricht. „Plötzlich erzählte einer der Schüler, dass ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen ist“, erinnert sich der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Dorsten.

Mit der Info habe er zunächst nicht viel anfangen können, erst am Abend wurde ihm klarer, was da wirklich passiert war. „Der Tag hat viel verändert. Er hat diffuse Terrorängste bei vielen geschürt und menschliche Abgründe offenbart, die unvorstellbar waren“, so der Pfarrer.

„Niemand wusste, was sich noch verändern würde“

Das sieht auch Lambert Lütkenhorst so, der zur Zeit der Anschläge Bürgermeister in Dorsten war. „Mich hat das damals sehr geschockt. Und da konnte ich ja noch nicht wissen, was sich alles verändern würde und wie viele Menschen durch die Kriege, die die Anschläge auslösten, noch sterben würden“, erzählt er.

Dorsten habe er zwar geschockt erlebt, man habe aber gemerkt, dass die persönliche Betroffenheit fehlte, da niemand aus Dorsten oder der Region in New York ums Leben gekommen sei.

„Hunderte Bürger wollen ein Zeichen für aktives Gemeinwesen setzen. Das darf nicht denen geopfert werden, die das friedliche Miteinander der Menschen bekämpfen.“

Organisatoren der TheaterZeitReise

Das mag auch der Grund gewesen sein, warum die sogenannte „TheaterZeitReise“ damals nicht abgesagt wurde. „Hunderte Bürger wollen ein Zeichen für aktives Gemeinwesen setzen. Das darf nicht denen geopfert werden, die das friedliche Miteinander der Menschen bekämpfen“, hieß es. Lambert Lütkenhorst bat indes bei der Eröffnung um ein stilles Gedenken für die Opfer des Terrorangriffs.

Mit Fassungslosigkeit und einem Totengeläut, aber ohne zentralen Trauergottesdienst reagierten die Kirchengemeinden in Dorsten auf das, was im 6.000 Kilometer entfernten New York, in Washington und Pittsburgh geschehen war. „Wir beten zu Gott, die US-Regierung möge keine vorschnellen Entscheidungen treffen“, schrieb Superintendent Detlef Mucks-Bücker den befreundeten Kirchengemeinden in Seattle und Dallas.

Kondolenzbuch wurde nach Washington gebracht

Die Caritas sagte in den Folgetagen ein Betriebsfest ab, angehende Abiturienten von St. Ursula verzichteten auf eine der obligatorischen Vorfeten. Im Alten Rathaus wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt, das Bürgermeister Lütkenhorst vier Wochen später auf dem Weg in die polnische Partnerstadt Rybnik der US-Botschaft in Berlin überreichte.

Bürgermeister Lambert Lütkenhorst überreichte im Oktober 2001 in Berlin der US-Botschaftssekretärin Nancy Flintrop das Kondolenzbuch aus Dorsten sowie ein Friedenstransparent. © Stadt Dorsten (Archiv) © Stadt Dorsten (Archiv)

Es erhielt dem Vernehmen nach, neben anderen Beileidsbekundungen aus aller Welt, einen Ehrenplatz nicht in New York, sondern in der US-Hauptstadt Washington, ebenso ein Friedenplakat, das beim Weltkindertag in Dorsten entstanden war. Später bekam die Stadt Dorsten eine Karte: „Für die Anteilnahme und Unterstützung, die der Botschafter der USA in Berlin im Zusammenhang mit den tragischen Ereignissen vom 11. September 2001 aus Deutschland erhalten hat, bedankt sich Botschafter Daniel R. Coats herzlich.“

Iris Koczwara, Inhaberin des Hervester Restaurants Cookie’s Veggies, erinnert sich noch daran, dass in dem Laden, in dem sie damals arbeitete, am Nachmittag des 11. September keine Kunden waren. „Alles war wie ausgestorben – das war sehr unheimlich“, erzählt sie.

Ihr Mann sei noch panisch sein Auto tanken gefahren, weil alle plötzlich Angst vor einem möglichen nächsten Weltkrieg hatten. „Es fühlt sich nicht so an, als ob das schon 20 Jahre her ist. Für mich ist in diesen Jahren auch nichts vergleichbar Gravierendes passiert“, so Koczwara.

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Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge
Redaktionsleiter in Dorsten
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