Geständig: der Angeklagte neben Verteidiger Iyad Nassif im Essener Landgericht. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Tatort „Atlantis“: „Das Monster muss besiegt werden“

Ein mehrfach vorbestrafter Mann gesteht einen sexuellen Übergriff auf zwei Mädchen im Dorstener Schwimmbad „Atlantis“. Vor Gericht spricht er von einem „Monster“, das in ihm schlummere.

Erst sammelte er kinderpornografische Bilder und Videos, dann suchte er selbst den Kontakt zu kleinen Mädchen: Am Essener Landgericht hat am Mittwoch ein Prozess gegen einen bereits vorbestraften Mann begonnen. Einer der Tatorte war das Schwimmbad „Atlantis“ in Dorsten.

Zum Prozessauftakt wollte der Angeklagte die Taten auch gar nicht leugnen. „Das Monster in mir hat viele schlimme Taten begangen“, sagte er den Richtern. „Unverzeihliche Taten, die sich nie wiederholen dürfen.“

Über 6000 Kinderporno-Dateien

Bei der letzten Durchsuchung seiner Oberhausener Wohnung sind über 6000 kinderpornografische Dateien gefunden worden. Viele zeigen unfassbare Taten. An den Händen gefesselte Säuglinge, die missbraucht werden, zum Beispiel. Eins hat sogar noch einen Schnuller im Mund. Auch ein geknebeltes Kleinstkind ist dabei, ein gerade achtjähriges Mädchen muss ein Brautkleid tragen.

Laut Anklage hat sich der 45-Jährige immer wieder in Chatgruppen getummelt, in denen diese und andere Bilder hin- und hergeschickt wurden. „Ich hatte mir anfangs immer eingeredet, dass ich nicht so pädophil bin, wie andere“, heißt es in seiner Erklärung vor der 5. Strafkammer. „Ich habe mir die Bilder ja nur angeschaut.“ Doch dabei sei es nicht geblieben.

„Habe sie nur aufgefangen“

Im Herbst 2019 ist er laut Anklage dazu übergegangen, seine Fantasien auch in die Tat umzusetzen. Dazu soll er unter anderem die Tochter einer Freundin benutzt haben, auf die er häufig aufgepasst hat. Mit ihr suchte er nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft immer wieder Orte auf, an denen sich andere Kinder tummelten.

Das „Atlantis“ war auch so ein Ort. Hier soll er sich im Oktober 2019 vor zwei kleinen Mädchen nicht nur unter Wasser entblößt, sondern sie auch im Intimbereich angefasst haben. Was er allerdings bestreitet. „Die Kleine wollte mir zeigen, wie toll sie klettern kann“, sagte er den Richtern. Als sie abgerutscht sei, habe er sie nur aufgefangen. „Da waren meine Hände natürlich unter ihr.“ Von sexueller Absicht könne aber keine Rede sein. „Ich habe sie nirgendwo angefasst, wo ich es nicht durfte. Schon gar nicht unter dem Badeanzug.“

Bereits zweimal vorbestraft

Auch im Spielplatz-Bereich des Rhein-Ruhr-Zentrums in Mülheim soll er sich kleinen Mädchen gezeigt haben. Was er auch zugibt.

„Ich bauche Hilfe“, so der 45-Jährige im Prozess. Das „Monster“ müsse im Zaum gehalten werden. Inzwischen wisse er auch, dass er durch den Konsum kinderpornografischer Bilder und Videos zum Missbrauch vieler Mädchen beigetragen habe. „Das tut mir unendlich leid“, so der Angeklagte.

Zweimal ist er wegen des Besitzes von Kinderpornografie schon verurteilt worden. Gestoppt hat ihn das nicht.

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