Eine Zöllnerin hält sichergestelltes Marihuana in ihrer Hand (Symbolbild). © picture alliance / Stefan Puchner/dpa
Gerichtsprozess

Syrischer Flüchtling als Drogenkurier: „Brauchte Geld fürs Spielcasino“

Bei einer Fahndung entdeckte die Polizei in Dorsten bei einer Autokontrolle zufällig 4,5 Kilo Drogen. Ein syrischer Flüchtling kam dafür vor Gericht mit mehr als nur einem blauen Auge davon.

Eigentlich fahndeten die Beamten der Polizeiwache Dorsten am 27. Oktober 2020 nach einem Räuber, der in der Martin-Luther-Straße in Holsterhausen sein Unwesen getrieben hatte. Zufällig gingen ihnen gegen 21.40 Uhr auf dem Parkplatz vor der Bonifatiuskirche jedoch zwei andere dicke Fische ins Netz.

Die Polizisten kontrollierten nämlich zwei Männer, die dort in der Dunkelheit in einem abgestellten VW Passat saßen. Einer der beiden Verdächtigen sprang aus dem Auto, rannte weg und konnte zunächst entkommen. Später wurde er ermittelt. Der andere, ein 40-jähriger Asylbewerber aus Syrien, blieb an dem auf seinen Namen zugelassenen Wagen stehen.

Marihuana und Haschisch

Als die Beamten das Auto durchsuchten, fanden sie auf und hinter der Rückbank eine ganze Menge Drogen: Drei schwarze müllsackgroße Tüten mit Marihuana, zusammen vier Kilo schwer. Dazu ein 350-Gramm-Paket Haschisch.

Am Mittwoch begann vor dem Dorstener Schöffengericht der Strafprozess in dieser Sache. Zunächst gegen den Syrer, der vor gut fünf Jahren nach Deutschland geflüchtet war und inzwischen seine Ehefrau und die zwei Kinder nachgeholt hat.

Er hatte sich bislang nie etwas zuschulden kommen lassen, aber ein Problem: seine Spielsucht. „Ich bin gerne ins Casino gegangen“, ließ er über seinen Dolmetscher ausrichten.

„Anjad, der Marokkaner“

Und dafür brauchte er Geld. Mehr, als er vom Sozialamt und an finanzieller Unterstützung von seinem in Dubai lebenden Bruder bekam. Da passte es gut, dass er in der Wohnung eines Bekannten einen 29-jährigen Dorstener kennen lernte: „Anjad, den Marokkaner“.

Der sollte sich später als Tunesier mit ganz anderem Vornamen herausstellen, hin und wieder gab er sich aber auch als Wassim aus Algerien aus.

Der vermeintliche „Anjad“ machte dem Angeklagten ein verlockendes Angebot. Er solle ihm als Kurier zum Festpreis von 400 Euro Drogen nach Dorsten transportieren. Doch die Fahrt ging in die Hose: Die Polizeibeamten nahmen den 40-Jährigen in Dorsten fest, seitdem saß er in U-Haft.

Reue unter Tränen

Diese sechs Monate hinter Gittern hatten augenscheinlich eine Menge Eindruck auf den Mann gemacht. „Ich konnte kaum schlafen, habe immer wieder meine Kinder vor Augen gehabt“, sagte er reuevoll unter Tränen.

Sowohl Staatsanwältin als auch Schöffengericht sahen die Tat als „einmaligen Fehltritt“ an und drückten mehr als nur ein Auge zu: zwei Jahre auf Bewährung hieß es am Ende. Eine der Bewährungsauflagen lautet: Er soll nachweisen, dass er endlich die deutsche Sprache lernt.

Ob sein Auftraggeber, der falsche „Anjad“, bei seinem für Juni terminierten Gerichtstermin auch mit einem blauen Auge davonkommt, ist mehr als fraglich: Gegen ihn stehen noch weitere Vorwürfe im Raum.

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Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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