Verteidiger Ralf Ufermann neben dem Angeklagten im Essener Landgericht © Jörn Hartwich

Supermarkt-Überfälle: Sechs Jahre Haft für 24-jährigen Schermbecker

In Dorsten wird zweimal derselbe Rewe-Markt überfallen. Die Richter haben keinen Zweifel, wer der Täter war. Ein Geständnis gab es allerdings nicht.

Nach zwei Überfällen auf einen Rewe-Markt in Dorsten ist ein 24-jähriger Mann aus Schermbeck am Freitag zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. In das Urteil ist auch noch ein weiterer Überfall auf einen Netto-Markt mit eingeflossen. Der Angeklagte selbst hatte bis zuletzt auf einen Freispruch gehofft.

Für die Richter am Essener Landgericht waren es am Ende einfach zu viele Indizien. Vor allem die DNA-Spuren an einer Sechserpackung Kinderjoghurt seien belastend. Der Täter hatte den Joghurt damals aufs Kassenband gestellt und dann eine Pistole gezückt. Dabei trug er keine Handschuhe.

DNA-Spuren am Joghurt

Eine DNA-Gutachterin hatte im Prozess erklärt, dass die sichergestellten Spuren an der Joghurt-Packung mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit vom Angeklagten stammen. „Die Spuren sind plausibel zu erklären, weil sie der Täter sind“, befand auch Richter Andreas Labentz. „Eine andere Erklärung fällt uns gar nicht ein.“

Außerdem gebe es Videoaufzeichnungen, auf denen der Täter eine Jacke trage, die in genau dergleichen Ausführung später auch beim Angeklagten gefunden worden sei.

Der Rewe-Markt an der Händelstraße war am 15. Mai 2019 und später noch einmal am 10. August 2019 überfallen worden. Die Beute: rund 4.000 Euro.

In beiden Fällen war es sogar derselbe Kassierer, der um kurz vor 22 Uhr plötzlich in den Lauf einer Pistole blickte.

Sogar die Mutter bestohlen

Hintergrund der Tat ist laut Urteil die extreme Drogenabhängigkeit des Angeklagten. Der 24-Jährige soll schon im Alter von zehn Jahren erstmals Marihuana geraucht haben. Später kamen Amphetamin und Kokain hinzu. Ein Psychiater hatte von einer extrem ausgeprägten Kokainabhängigkeit gesprochen. „Das ist vergleichbar mit einer Heroinabhängigkeit“, so der Gutachter im Prozess.

Der Suchtdruck soll teilweise so hoch gewesen sein, dass er angeblich sogar seine eigene Mutter bestohlen hat.

Der 24-Jährige war im Dezember 2019 festgenommen worden, nachdem er in Schermbeck einen Netto-Markt überfallen hatte. Diese Tat hatte er in einem späteren Prozess am Landgericht Duisburg gestanden.

Bis zuletzt geschwiegen

Im aktuellen Prozess hat er sich dagegen nicht zu den Vorwürfen geäußert. Was sein gutes Recht ist. Die Richter hielten das am Ende allerdings für die falsche Strategie, weil sie von der Schuld des Schermbeckers überzeugt sind. „Man hätte gewinnen können, wenn man mit eigenen Worten erklärt, was damals war“, so Labentz. „Wenn man die Karten auf den Tisch legt und sich entschuldigt.“

Einen Teil der Strafe muss der Schermbecker in einer geschlossenen Therapieeinrichtung verbringen, um seine Drogensucht in den Griff zu bekommen.

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Gerichtsreporter