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Sula Peci verkauft in Dorsten 50 Sorten Tomaten

Auf dem Wochenmarkt

Behutsam nimmt Sula Peci eine Schoko-Dattel-Tomate aus einem der zahlreichen Körbchen und legt das dunkle, ovale Gemüse auf die Waage seines Marktstandes in der Altstadt. In dieser kleinen Frucht liegen nicht nur 20 Jahre Erfahrung und Forschung, sondern auch das ganze Herzblut des 54-jährigen Botanikers aus dem Kosovo.

Dorsten

, 12.09.2016 / Lesedauer: 3 min
Sula Peci verkauft  in Dorsten 50 Sorten Tomaten

Sula und Hajrije Peci verkaufen ihre außergewöhnlichen Tomatensorten auf dem Wochenmarkt.

Über 300 alte Tomatensorten baut Sula Peci in Wesel an der Schermbecker Landstraße an, zusammen mit seinem 21-jährigen Sohn Kushtrim. 50 davon verkauft er auf dem Markt. Schon die Namen "Herz von Bagdad", "Ananastomate" oder "Black Plum" lassen einem das Wasser im Mund zusammen laufen. "Für mich zählt nur der Geschmack, den ich seit 20 Jahren bewahre", schätzt Sula Peci seine Arbeit. "Die Leute nenne mich Geschmackshüter. Das freut mich jedes Mal." Angefangen hat er vor 20 Jahren mit etwa 20 verschiedenen Tomatensorten, einige Jahre nachdem er mit seiner Frau Hajrije nach Deutschland gekommen ist.

Ungesundes Fastfood

"Zu der Zeit wurden Fastfood-Ketten aus den USA in Deutschland populär und viele Leute legten schnell an Gewicht zu. Ich wollte etwas für die Gesundheit tun und begann mit dem Anbau von Tomaten und Kräutern", erinnert sich der leidenschaftliche Züchter. Seitdem ist das Sortiment stetig gewachsen. "Ich kenne Züchter in Spanien, Australien, Texas, Asien und Russland, von denen ich Samen beziehe. Ich versuche aber auch, eigene Pflanzen zu züchten, indem ich sie kreuze", erklärt der Tomatenkenner seine Recherchearbeiten. Besonders in Russland gebe es viele alte Tomatensorten. "Die Wirtschaft dort ist schlechter als in der EU, deshalb gibt es auch keine strengen Richtlinien zum Aussäen der Tomaten." Diese Richtlinien in der EU stellen in den Augen von Sula Peci aber ein großes Problem für den Geschmack dar.

"Der Industrie ist es nur wichtig, dass die Tomaten schön aussehen und lange gelagert werden können. Der Geschmack ist da nebensächlich", bedauert der 54-Jährige diese Entwicklung. Dabei gebe es so viele verschiedene Geschmacksrichtungen. Der "persuanische Beutel" schmecke besonders saftig, wohingegen sich das "Herz von Bagdad" besonders für Soßen eigne. Die "Reisetomate" sieht mit den vielen Knubbeln etwas merkwürdig aus. "Das ist eine praktische Tomate aus dem Mittelalter. Die einzelnen Knubbel kann man separat abtrennen, ohne dass der Rest austrocknet", erklärt Sula Peci. "Eine Naschtomate sozusagen."

Süß und lecker

Besonders süß und lecker schmecke aber die Schoko-Dattel-Tomate. "Den Geschmack kann ich durch die Art der Düngung beeinflussen. Aus vielen verschiedenen der 1500 Kräuter, die ich anbaue, koche ich einen Sud, mit dem ich die Pflanzen gieße", verrät der studierte Botaniker und Wirtschaftswissenschaftler. Für einen süßlichen Geschmack der Schoko-Dattel-Tomate spiele zum Beispiel das Süßkraut eine große Rolle. Heute auch bekannt als Stevia-Pflanze. "Wie ich es genau einsetzte, bleibt aber mein Geheimnis."

Leben kann der leidenschaftliche Botaniker vom Tomatenanbau jedoch nicht. Bei einem Verkaufspreis von einem Euro pro 100 Gramm werden gerade einmal die Herstellungskosten gedeckt. Nur der Verkauf von Kräutern und Dienstleistungen im IT-Bereich in den Wintermonaten ermöglichen Sula Peci diese Leidenschaft. "Wir haben unser Ziel erreicht, denn die Menschheit geht zurück zur Natur. Viele junge Leute kaufen bei mir Kräuter und Tomaten, um selbst zu kochen. Das ist toll."

Sula Peci bietet seine Tomaten am Donnerstagvormittag und Samstag auf dem Wochenmarkt in der Altstadt an. Die Verkaufshütte an der Schermbecker Landstraße hinter dem Evangelischen Krankenhaus Obrighoven öffnet täglich von 10 bis 20 Uhr und am Sonntag von 11 bis 16 Uhr ihre Pforten.

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