Dorsten hat unterschiedliche Gesichter. Die Stadtagentur machte sich auf den Weg, sie in einer Zukunftsvision zu einem Gesamtbild zu vereinen. © Montage: Leonie Sauerland
Stadtmarketing

Studie gibt erste Hinweise: Was Dorsten in Zukunft alles sein könnte

„Heimat-Werkstatt“ heißt ein Projekt der Stadtagentur. Es soll Hinweise geben, wie Dorsten für Bürger und Touristen zukünftig attraktiver werden kann. Eine Studie gibt nun erste Aufschlüsse.

Kunst- und Naturprojekte im Stadtsfeld. Eine Plakataktion samt Broschüre, in der einige Dorstener von „Schlüsselmomenten“ in ihrer Stadt erzählen. Ein Image-Video, das die schönsten Seiten der Stadt zeigt. Dazu Workshops und Gespräche, in denen die Bürger mögliche Perspektiven für ihr Umfeld entwickeln durften: „Heimat-Werkstatt“ heißt das vom Land geförderte Projekt, das die Stadtagentur Dorsten seit zwei Jahren umsetzt.

Es soll nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern, sondern auch mithelfen, ein Gesamtbild von Dorsten zu zeichnen, in dem sich die Stadtteile mit ihren gewachsenen Strukturen wiederfinden und mit dem Dorsten nach außen werben kann.

Auf dem Weg zur Zukunftsvision

Jetzt liegen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung der „Heimat-Werkstatt“ vor. Das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung an der Uni Duisburg-Essen war bei den Bürgerbeteiligungsprozessen dabei. Der Titel seiner Studie: „Auf dem Weg zu einer Zukunftsvision für Dorsten“.

Darin gibt Verfasser Dr. Hans Uske Anstöße, in welche Richtung sich Dorsten bei den in den Workshops von den Bürgern als besonders wichtig definierten Themenbereichen „Kultur“, „Stadt am Wasser/im Grünen“, „Vielfalt der Stadtteile“ und „Bürgerengagement“ entwickeln könnte, um die Lebensqualität der Bürger zu steigern und Dorsten für auswärtige Besucher attraktiver zum machen.

Ortsteilcheck hinzugezogen

Weil Corona-bedingt im Vorjahr in nicht allen Stadtteilen die vorgesehenen Gesprächsrunden stattfinden konnten, hat das Institut auch die Ergebnisse des „Ortsteilchecks“ herangezogen, den die Dorstener Zeitung 2019 unter ihren Lesern durchgeführt hatte.

Auch das Respekt-Kunstwerk im Stadtsfeld ist Teil des
Auch das Respekt-Kunstwerk im Stadtsfeld ist Teil des „Heimatwerkstatt-Projekts“. © Robert Wojtasik (A) © Robert Wojtasik (A)

Was könnte Dorsten in Zukunft alles sein? Die Wissenschaftler nehmen sechs Themen in den Blickpunkt, in denen die Stadt ihre Stärken ausspielen will und könnte, zeigen aber auch die Defizite in diesen Bereichen auf.

1. Stadt der Vielfalt

Dass Dorsten sich zum Ruhrgebiet und zum Münsterland bekenne, könne eine Ressource für die Zukunft sein. Dass es zwischen den Stadtteilen noch historisch bedingte Bruchlinien gibt, müsse kein Hindernis sein.

„Auch Geschichten von der Überwindung solcher Grenzen und von der produktiven Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden können Bestandteile einer Zukunftsvision werden“, heißt es.

2. Die Bürgerstadt

Das bürgerschaftliche Engagement sei bereits hoch, vielfältig. Aber sicherlich auch ausbaufähig. „Es gibt allerdings ein paar Hindernisse“, so die Studie. Kirchen und Vereine als wichtige Institutionen hätten in städtischen Bereichen immer geringeren Einfluss. „Es kommt also sehr darauf an, ob man solche Prozesse in Dorsten verhindern kann und ob bürgerschaftliches Engagement auch in anderen Formen präsenter werden kann.“

Sabine Fischer, Leiterin der Stadtagentur Dorsten
Sabine Fischer, Leiterin der Stadtagentur Dorsten © Stadt Dorsten © Stadt Dorsten

Auch bei der Beteiligung von Jugendlichen sowie bei der Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Verwaltung sehen die Wissenschaftler Nachholbedarf.

3. Stadt von Natur und Kultur

Nach innen hin seien Natur und Kultur gute Argumente, um sich in Dorsten wohlzufühlen und ein Zeichen von Lebensqualität. Als Tourismus-Werbung „sieht die Sache etwas anders aus“, heißt es: Schöne Natur gibt es auch woanders und ein vielfältiges Kulturangebot ist auch kein Alleinstellungsmerkmal.“ Um Touristen nach Dorsten zu holen, bedürfe es zusätzlicher Argumente.

4. Stadt am Wasser

Dinge, die für Dorstener als auch für Touristen attraktiv sein könnten, sind Wasserstraßen und Seen, über die Dorsten reichlich verfügt. „Dorsten – Die Stadt am Wasser“ könnte daher ein guter Baustein bei der Formulierung der Zukunftsvision sein.

Auch hier gibt es allerdings Hindernisse: Der Kanal sei nicht zum Baden da, einige Seen seien nicht zugänglich und auch die Infrastruktur lasse zu wünschen übrig.

5. Die Fahrradstadt

Fahrradfahren in der Natur, am Wasser, für die täglichen Erledigungen, das seien Gründe für die hohe Lebensqualität in Dorsten. Der zunehmende Fahrradverkehr ist aber auch eine starke Ressource für Entwicklungen im Bereich Tourismus.

Auch die Plakataktion
Auch die Plakataktion „Schlüsselmomente“ wurde über die Plakataktion gefördert. © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

Es besteht allerdings Verbesserungsbedarf. Kritisiert werden das mangelhafte Radwegenetz, zu enge Radwege und Hauptstraßen ohne Fahrradwege.

6. Stadt der außergewöhnlichen Events

In Dorsten gibt es sie nicht, die „großen Locations“ – dafür kann man bequem ins nahe Ruhrgebiet fahren. Dennoch gibt es hier außergewöhnliche Highlights, klein, aber fein, skurrile Dinge für ausgesuchte Szenen, ausgewählte Veranstaltungen, die es sonst nicht gibt. Eisstockschießen in der Innenstadt, das jährliche Mofa-Rennen in Östrich. Damit nach außen zu werben und weitere zu finden, gehöre auch zur Zukunftsvision für Dorsten.

Sabine Fischer betont, dass das, was die Bürger in den Workshops als Ziele für die Stadt erarbeitet haben, von dem Universitätspapier „inhaltlich bekräftigt“ worden sei. Für die Leiterin der Dorstener Stadtagentur sind die Ergebnisse ein Fingerzeig, wie sich Dorsten noch besser aufstellen könne. „Es ist eine gute Unterfütterung für alle weitere Aktivitäten in Sachen Kultur, Stadtmarketing und Tourismus“, sagt sie. „Auch für Gespräche innerhalb der Verwaltung.“

Die wissenschaftlichen Ergebnisse sollen Mitte Mai der Politik vorgestellt werden. Womöglich schon mit ersten Handlungsempfehlungen. „Alles ist im Fluss“, sagt Sabine Fischer: „Mit vielen kleinen Dingen“ – die irgendwann ein großes Ganzes bilden sollen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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