Nesli Keven hat 100 Geschenktüten für muslimische Kinder gepackt. Sie will damit auch Aufmerksamkeit für andere Kulturen und Religionen wecken. © Stefan Diebäcker
Ramadan

Studentin aus Dorsten schenkt anderen Kulturen nicht nur Aufmerksamkeit

Eine Studentin aus Dorsten wünscht sich, dass anderen Kulturen und Religionen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie selbst geht einen Schritt weiter und verteilt tatsächlich Geschenke.

Es sind nur Kleinigkeiten, die Nesli Keven in die Papiertüten gepackt hat: ein kleines Puzzle zum Beispiel, ein Duftstein, Stifte und ein Ausmalbuch, Sticker. Alles selbst gemacht oder gekauft. Die Geste dahinter ist freilich deutlich größer. „Ich möchte anderen Kulturen und Religionen Aufmerksamkeit schenken“, sagt Nesli Keven.

Etwa 150 Geschenktüten für Kinder hat die 21-jährige Dorstenerin, die in Dortmund Psychologie, Philosophie und Bildungswissenschaften studiert und ein Stipendium des Avicenna-Studienwerks bekommen hat, in den Tagen vor Ostern gepackt.

Jüdische Gemeinden waren skeptisch

Einen Teil hat sie zu Beginn der Pessah-Festes der jüdischen Gemeinde in Münster überreicht. Den Kontakt hatte ein Freund vermittelt. „Eine jüdische Gemeinde oder Institution zu finden, die Geschenktüten einer Privatperson abnimmt, ist extrem schwierig“, sagt Nesli Keven. „Viele Gemeinden wollten aus Angst, Skepsis oder Sicherheitsgründen keine Geschenke.“

Der jüdischen Gemeinde in Münster hat Nesli Keven die Geschenktüten schon in der vergangenen Woche überreicht. © privat © privat

In Dorsten war das einfacher. 100 Tüten bekommt am Freitag (9.4.) die Fatih Moschee in ihrer Heimatstadt. Denn am 13. April beginnt der Ramadan, der muslimische Fastenmonat. „Wenn noch Tüten übrig bleiben, gebe ich sie der Moscheegemeinde in Hervest“, sagt Nesli Keven, die sich ehrenamtlich in der Youngcaritas Dorsten engagiert. Was ihr besonders wichtig ist: „Mit Ehrenamt soll man nicht prahlen, aber ich möchte schon zeigen, dass auch einzelne Personen Interesse und Verständnis wecken können für fremde Kulturen und Religionen.“

Was wäre da besser geeignet, als ein Festtag der jeweiligen Kultur? Neslis Vater wurde in der Türkei geboren, sie selbst ist mit zwei Kulturen aufgewachsen. Die junge Dorstenerin hat früh erfahren, dass Kinder zu Ostern oder Nikolaus Geschenke bekommen. „Solch schöne Aktionen zu Festtagen will ich eben auch anderen Kulturen hier in Deutschland ermöglichen“, sagt sie.

Aber natürlich will sie mit dieser Aktion auch ein Stück weit auf Rassismus aufmerksam machen. Gerade erst sind die Anti-Rassismus-Wochen zu Ende gegangen, in Dorsten mit durchaus unterschiedlichen Reaktionen. „Antisemitismus, aber auch antimuslimischer Rassismus existieren heute noch, auch wenn beispielsweise in Schulen leider meist nur über Antisemitismus in der NS-Zeit gesprochen wird“, meint die Studentin.

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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