Steeven Theivendram (32) erzählt: Wie aus einem Mann ein Vater wird

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Wie geht‘s dir? Das werden Frauen in der Schwangerschaft ständig gefragt. Aber wie geht es dem werdenden Papa? Welche Sorgen und Freuden hat er? Wir haben vor und nach der Geburt zugehört.

Dorsten

, 25.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Es war ein Sonntag. Das weiß Steeven Theivendram noch genau. Beim morgendlichen Kaffeetrinken eröffnete ihm seine Frau Maike: „Wir bekommen ein Baby.“ Und dann war für den 32-Jährigen nichts mehr wie zuvor. „Ich habe Freudensprünge gemacht. Alles andere ist für mich sofort in den Hintergrund getreten und ich dachte nur: Jetzt fängt das Leben richtig an.“ Als er beim Frauenarzt das erste Mal den Herzschlag seines Kindes hörte, „da musste ich weinen“.

Dass Kinder zu ihrem Leben gehören, das wussten Steeven und Maike schon immer. „Ich habe einen ausgeprägten Familiensinn. Mein Hobby ist die Familie“, sagt der Halterner. Aber das Paar wollte nichts überstürzen, erst einmal reisen, Zeit zu zweit genießen, als Zweiradmechaniker und Einzelhandelskauffrau arbeiten, sich etwas aufbauen. Zwölf Jahre sind vergangen, seit sie sich beim Public Viewing zur WM 2006 kennenlernten. „Das war unser Sommermärchen“, sagen die beiden lachend. Und 2018 entschieden sie: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind. „Und dann hat es auch sofort geklappt“, erzählen die beiden beim ersten Besuch im Sommer 2018 strahlend.

Steeven Theivendram (32) erzählt: Wie aus einem Mann ein Vater wird

Im Sommer war das Zimmer noch eine Baustelle. © Jennifer Uhlenbruch

Die Freude über die gute Nachricht wurde jedoch schnell getrübt. Maike hatte – bevor sie von der Schwangerschaft etwas wusste – eine schlimme Grippe, Medikamente genommen, war geröntgt worden. „Was hat das mit unserem Baby gemacht?“ Die beiden machten sich große Sorgen. „Du stehst da wie ein kleines Kind, hast Angst und denkst nur: Hoffentlich ist da nichts passiert“, erinnert sich Steeven an schlaflose Nächte. Die Ärzte beruhigten die werdenden Eltern. „Wenn es etwas gemacht hätte, wäre das Baby nicht geblieben“, sagten sie. „Es ist ein richtiger Kämpfer. Ich werde nach der Geburt erst einmal fragen: Welche Superkräfte hast du?“, sagt Steeven.

Nach der schwierigen Phase verlief die Schwangerschaft problemlos. Maike hat beim Besuch im Sommer nur leichte Rückenschmerzen, keinen großen Bauch. Immer wieder legt Steeven seine Hände darauf, fühlt die Bewegungen seines Sohnes, wie er zu diesem Zeitpunkt weiß. „Ich würde ihm den Kleinen so gerne mal in seinen Bauch abgeben, damit er richtig spürt, wie er sich bewegt. Das ist total faszinierend.“ Steeven würde sich das wünschen. Auch um Maike zu entlasten. „Ich sage immer: Jetzt trägst du ihn Tag für Tag und wenn er dann da ist, dann werde ich ihn auf Händen tragen.“

Steeven Theivendram (32) erzählt: Wie aus einem Mann ein Vater wird

Maike und Steeven im Sommer vor der Entbindung in freudiger Erwartung. © Jennifer Uhlenbruch

Gerne hätte er es gesehen, dass sein Sohn in Haltern zur Welt kommt. „Ich bin in Haltern geboren und hätte es gut gefunden, wenn mein kleiner Junge auch hier geboren wird. Aber natürlich wird er auch so ein echter Halterner Junge.“

Bei der Geburt im Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus möchte er auf jeden Fall dabei sein. „Ich will keine Minute verpassen.“ Und auch Maike will auf ihren Partner nicht verzichten. „Auf keinen Fall. Er gehört an meine Seite, auch wenn er sich vielleicht das ein oder andere gefallen lassen muss.“

“Früher war die Geburt Frauensache“

Dass der Partner bei der Geburt dabei ist, wünschen sich mittlerweile die meisten Paare, erzählt Claudia Müffler, Leitung des Hebammenteams im Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus. Das war nicht immer so. „Früher war eine Geburt Frauensache. Mitte der 80er-Jahre wurde es immer selbstverständlicher, dass die Männer im Kreißsaal dabei sind“, sagt die erfahrene Hebamme. Eine Entwicklung, die sie sehr begrüßt. „Männer bieten den Frauen während der Geburt Sicherheit, sind ihre Fürsprecher. Sie sind enge Vertraute und kennen ihre Frauen sehr gut.“

Auch für die Partnerschaft ist eine Geburt ein prägendes Erlebnis: „Die Männer erleben Frauen in einer Extremsituation und haben danach oft großen Respekt vor ihren Frauen. Wenn sie dieses Ereignis miteinander durchstehen, schweißt das Paare auch zusammen.“ Die Männer müssten nur draußen bleiben, wenn ein schneller Kaiserschnitt gemacht werden muss, wenn Mutter und Kind schnell versorgt werden müssen. „Ansonsten beziehen wir Männer in die Geburt mit ein. Sie bekommen kleine Aufgaben, gehen mal einen Lappen oder was aus dem Zimmer holen, bringen Wasser. Sie sind nicht im Weg, sie sind eine Hilfe für die Frau“, stellt Müffler klar.

Steeven Theivendram (32) erzählt: Wie aus einem Mann ein Vater wird

Claudia Müffler ist Hebamme im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten. „Auch nach 29 Jahren gibt es das noch, dass ich ein Tränchen am Kreißbett verdrücke, wenn ich das Paar mit ihrem Kind sehe, das gemeinsam so gekämpft hat.“ © Jennifer Uhlenbruch

Trotz aller Selbstverständlichkeit von Männern im Kreißsaal: Es muss nicht für jedes Paar die richtige Entscheidung sein. „Es hat sich so ein Druck entwickelt: ‚Wie du gehst nicht mit in den Kreißsaal?‘ werden Väter dann gefragt“, weiß Claudia Müffler. „Ich sage meinen Paaren im Geburtsvorbereitungskurs immer: Sie als Paar entscheiden, was richtig für Sie ist.“ Auch religiöse Traditionen seien zu respektieren. „In muslimischen Familien geht der Mann oft nicht mit in den Kreißsaal. Da darf dann aber eine Ersatzvertrauensperson mitgebracht werden.“

Männer teilen die Perspektive der Frauen

Wichtig sei nur, dass nicht Angst den Mann vom Kreißsaal fernhalte. Oder kursierende Mythen: „Ich habe in 29 Jahren erst drei Väter gehabt, die umgekippt sind. Die Angst davor, Blut zu sehen, kann ich ihnen meist nehmen. Es ist keine so blutige Angelegenheit und die Männer sitzen ja nicht da, wo wir sitzen, sondern teilen die Perspektive ihrer Frauen“, sagt Claudia Müffler.

Angst vor dem Kreißsaal hat Steeven nicht. Eher eine gespannte Neugierde. „Ich kann es kaum erwarten, dass er endlich da ist.“

Und dann ging alles sehr schnell.

Eines Nachts Ende Oktober weckte Maike Steeven: „Da macht sich jemand auf den Weg. Wir sollten uns auf den Weg nach Dorsten machen.“ Steeven erinnert sich: „Da war ich schon ein bisschen aufgeregt. Obwohl: Das ist ein bisschen untertrieben. Ich war richtig aufgeregt.“ Da half es auch nicht gerade, dass sich die Abstände zwischen den Wehen im Auto stark verkürzten. „Als wir einstiegen, waren es acht Minuten. Und als wir am Krankenhaus ankamen, waren es drei. Den Fünf-Minuten-Abstand, der eigentlich dazwischen liegt, den gab es nicht.“

So voller Schmerzen hatte Steeven Maike noch nie gesehen. „Sie ist eigentlich hart im Nehmen. Sie sagt immer, es gehe ihr gut.“ Auf dem Parkplatz des Dorstener Krankenhauses war das dann nicht mehr so. „Da hab ich sie gepusht und gesagt: Wir machen das jetzt.“ Dabei war er selbst von seinen Gefühlen überwältigt: „Ich wusste: Wir gehen da jetzt rein und wenn wir rauskommen, sind wir den Rest unseres Lebens zu dritt.“

Im Kreißsaal verlor er das Zeitgefühl

Im Kreißsaal verlor er das Zeitgefühl. „Wir waren bestimmt einige Stunden drinnen, aber es fühlte sich nicht so an. Eher wie Minuten.“ Wenn er daran denkt, wie er das Köpfchen des Kleinen sah, wie die Schwestern ihn Maike auf die Brust legten, wie überrascht „sein kleiner Spatz“ in dem Moment geschaut hat, kommen ihm auch zwei Monate später noch die Tränen. „Es ist einfach unglaublich.“

Nach einigen Tagen wieder arbeiten zu gehen, war für den frischgebackenen Familienvater hart. „Ich will natürlich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie verbringen. Zum Glück ist er abends ja noch wach, weil er noch keinen Rhythmus hat. Und das Baden des Kleinen lass ich mir nicht nehmen. Das ist meine Aufgabe.“

Wie will ich meinen Sohn erziehen?

Was für ein Vater will ich sein? Diese Frage stellt sich Steeven derzeit immer wieder. „Einerseits will ich ihn auf Händen tragen. Andererseits finde ich es wichtig, dass strenge Regeln herrschen, auch wenn ich mir gerade gar nicht vorstellen kann, jemals streng mit ihm zu sein. Er soll sich behaupten können, wenn die Welt hart zu ihm ist.“ Ganz wichtig ist ihm aber auch, genauso wie seiner Frau. „Er soll ein guter Mensch mit einem großen Herzen werden.“

Wer sein Kind in Dorsten bekommen möchte, kann sich auf der Homepage des St.-Elisabeth-Krankenhaus informieren.
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