Startschuss für zweijährigen Umbau der Fußgängerzone in Dorsten ist gefallen

dzInnenstadt-Sanierung

4,6 Millionen Euro kostet der Umbau der Fußgängerzone in Dorsten - sie soll ein echtes Schmuckstück werden. Bis 2020 kommt aber noch einiges auf Kunden und Geschäftsleute zu.

Dorsten

, 03.09.2018, 17:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als sich die Offiziellen am Montag um 11 Uhr auf der Baustelle zum „ersten Spatenstich“ eingefunden hatten, war dieser eigentlich gar nicht mehr nötig: Der Bagger des Bauunternehmens Benning hatte da schon längst mit seiner großen Schaufel ein paar Pflasterbereiche aufgerissen und die Brocken zu einem Steinberg angehäuft. Hoffentlich ein Fingerzeig für Kunden, Passanten und Geschäftsleute dahingehend, dass die Arbeiten auch in den nächsten zwei Jahren so zügig weitergehen werden, wie sie begonnen haben.

Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft

Mit dem Abschnitt A zwischen Lippetor und Einmündung Im Kühl/Hühnerstraße fiel damit der Startschuss für die komplette Neugestaltung der baulich schwer in die Jahre gekommenen Dorstener Fußgängerzone. Die obere Lippestraße war, seitdem dort vor ein paar Monaten die Versorgungsleitungen erneuert worden waren, nur notdürftig mit einem flickenhaften Zwischenbelag versehen worden. „Das soll natürlich nicht auf Dauer so bleiben“, nahm Bürgermeister Tobias Stockhoff auf entsprechende Kommentare von einigen uninformierten Nutzern sozialer Internet-Netzwerke Bezug, die sich in den vergangenen Wochen über den Zustand der Einkaufsstraße gewundert hatten.

Im November dieses Jahres soll der Abschnitt A fertiggestellt sein. Die Planer wollen damit in Abstimmung mit der Kaufmannschaft auf das Weihnachtsgeschäft Rücksicht nehmen. Zwischen Lippetor und Im Kühl/Hühnerstraße können die Passanten in gut zwei Monaten also schon mal sehen, wie die komplette Fußgängerzone bis 2020 umgebaut werden wird.

Innenstadt wird behindertenfreundlicher

4,6 Mio. Euro (inklusive Sicherheitspoller) kostet das Projekt innerhalb des Stadtumbauprogramms „Wir machen Mitte“, zehn Prozent davon übernimmt die Stadt, der Rest stammt aus Fördermitteln von Land und EU.

Die Einkaufsstraßen werden nach Plänen des Architekturbüros „Lohaus und Carl“ (Hannover) künftig mittels unterschiedlicher Pflasterelemente dreigeteilt. In den beiden Randzonen entlang der Häuserfronten werden neben neuen Bänken, neuen Straßenlaternen, neuen Bäumen, neuen Fahrradbügeln und neuen Müllbehältern auch die Aufsteller der Geschäfte Platz finden. In der Mitte verläuft eine Bewegungszone, die komplett freigehalten wird. Getrennt werden die Zonen von grauen Pflasterstreifen, die gleichzeitig als Leitsystem für Gehbehinderte dienen. „Damit wird die Innenstadt behindertenfreundlicher“, erklärte Bürgermeister Stockhoff.

Baufirma ist auf Fußgängerzonen spezialisiert

Stadtbaurat Holger Lohse betonte, dass er mit Spannung das Ergebnis des europaweiten Ausschreibungsverfahrens für das Bauprojekt erwartet habe. Mit dem Unternehmen Benning aus Münster hätten „absolute Profis“ nicht nur das wirtschaftlichste Angebot abgegeben, sondern auch ein „sehr qualitätvolles“.

Das 1913 in Roxel gegründete Landschafts- und Straßenbauunternehmen hat sich in der jüngeren Vergangenheit einen Schwerpunkt auf die Umgestaltung von Fußgängerzonen gelegt – zum Beispiel die Kortumstraße in Bochum, Einkaufsstraßen in Wuppertal-Barmen und derzeit in Wuppertal-Elberfeld. „Eines unserer größten Projekte war seinerzeit die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes in Köln“, so Benning-Prokurist Nicolas Mienert: „Auf unserem Pflaster hat der Papst 2005 die Teilnehmer des Weltjugendtages begrüßt.“

Überwege für Fußgänger

Mienert kündigte an, dass zunächst die Laufzone in der Mitte geschottert werde. Dann kommen die Randzonen dran und werden anschließend gepflastert, bevor zu guter Letzt die Mittelzone ihr neues Pflaster erhält. Ein hoher Bauzaun wie bei den Baustellen für die Versorgungsleitungen sei nicht nötig. Für Fußgänger-Überwege von der einen zur anderen Straßenseite werde gesorgt.

Kaufleute wollen Baustellenzeit positiv begleiten

“Wer schön sein will, muss leiden“ – dieses Motto gilt auch für den Umbau der Fußgängerzone, denn auf die Geschäftsleute kommen im Zuge der Bauarbeiten einige Unannehmlichkeiten zu. „Wir wollen aber auch gegenüber unseren Kunden die Bauarbeiten positiv begleiten“, erklärte Geschäftsfrau Stefanie Dornhege, Vorstandsmitglied der „Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt“. „Wir freuen uns nämlich auf das, was nach den Bauarbeiten kommt – auf unsere neue Fußgängerzone.“

Freundlicher, funktionaler und hochwertiger: So wie hier die Lippestraße soll künftig die Dorstener Fußgängerzone aussehen.

Freundlicher, funktionaler und hochwertiger: So wie hier die Lippestraße soll künftig die Dorstener Fußgängerzone aussehen. © Lohaus und Carl

Einen ersten Kritikpunkt sprach Sibylle Eiben, Inhaberin des Fachgeschäftes Wäschemoden Gartz, am Montag aber dennoch an: „Die Wege zwischen Geschäften und Baustellen-Absperrung sind ziemlich eng“, beobachtete sie: „Wenn sich Fußgänger mit Rollatoren und mit Fahrrädern begegnen, kommen die kaum aneinander vorbei.“

Parken bald freitags nachmittags gratis?

Um den Altstadt-Kaufleuten während der Bauarbeiten entgegenzukommen, plant die Stadt nach Angaben von Bürgermeister Tobias Stockhoff zwei Maßnahmen: Die Verwaltung wird der Politik vorschlagen, dass bis 2020 freitags nachmittags das Parken im Bereich der Innenstadt kostenlos sein soll. Zudem soll die Sondernutzungsgebühr, die die Kaufleute beispielsweise für Werbeaufsteller zu entrichten haben, reduziert werden.

Im Dezember 2020 soll der Umbau fertig sein

Wenn die obere Lippestraße ein neues Pflaster bekommen hat, wandert die Baustelle weiter: Im Kühl und Hühnerstraße sind im Dezember 2018 und Januar 2019 an der Reihe, die mittlere Lippestraße dann von Januar bis März 2019, die untere Lippestraße von März bis April 2019, Platz am Franziskanerkloster und Klosterstraße von Mai bis August 2019. Anschließend wird der Marktplatz in Angriff genommen.

Und im Jahr 2020 dann Essener Straße (Januar bis März) und Recklinghäuser Straße (März bis Dezember). Monate zuvor werden (wie es derzeit in der mittleren Lippestraße passiert und in der oberen Lippestraße bereits geschehen ist) jeweils die Versorgungsleitungen erneuert. Unvorhersehbare Ereignisse wie besonders langhaltende Kälteperioden mit starkem Frost oder Starkregenereignisse könnten allerdings zu Verzögerungen im Bauablauf führen, hieß es am Montag.

Bei Fragen und Anregungen können sich Bürger und Geschäftsleute an das Stadtteilbüro „Wir machen Mitte (Gahlener Straße 9) wenden, Tel. 02362/2140540.
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