Zum Teil werden die Schaufenster der leer stehenden Ladenlokale in der Fußgängerzone von Dorsten für kleine Ausstellungen genutzt - wie hier die ehemalige Kloster-Apotheke. © Michael Klein
Fußgängerzone

Stadt will Leerstände bekämpfen: Förderprogramm ist „eine Revolution“

Einige Leerstände in der City von Dorsten sollen bald der Vergangenheit angehören. Dank Fördergeldern will die Stadt selbst Ladenlokale an- und weitervermieten. Bei dreien wird es konkret.

Die Innenstadt von Dorsten wirkt derzeit an manchen Tagen wie ausgestorben, viele Geschäfte sind geschlossen. Und nach dem Lockdown sind weitere Leerstände zu befürchten – weswegen die Stadt nun aktiv Einfluss auf die Entwicklung in der Fußgängerzone nimmt. Dass dafür vom Land NRW Fördermittel bereitgestellt werden, nennt Christoph Krafczyk (City-Manager im Stadtteilbüro „Wir machen Mitte“) nicht weniger als „eine Revolution“.

350.000 Euro Fördermittel

Waren den Städten bisher weitgehend die Hände gebunden, verfügen sie nämlich nun über ein Instrument und die nötigen Mittel, um neue Geschäfte in die Citys zu locken. Auch Dorsten profitiert mit einem Zuschuss in Höhe von rund 350.000 Euro von dem Landes-Sonderprogramm, mit dessen Hilfe die Stadt übergangsweise für die Dauer von zwei Jahren selbst einige Ladenlokale an- und weitervermieten kann.

Mit 14 möglichen Leerstands-Möglichkeiten hatte sich die Stadt im vergangenen Jahr beworben, sieben darf sie nun konkret ins Visier nehmen. Nach den ersten Öffentlichkeitsarbeitsmaßnahmen und Gesprächen mit Eigentümern und interessierten Nutzern zieht Christoph Krafczyk ein positives Fazit: „Ich bin zufrieden, es gibt viele Interessenten.“ Bei drei Ladenlokale gebe es schon konkrete Ideen und Verhandlungen und Ideen, sagt er. „Mit einem ersten Mietvertragsabschluss rechne ich in ein paar Wochen.“

Auch Gastronomie dabei

Um welche Ladenlokale es sich handelt, will er öffentlich erst dann bekannt geben, wenn die Unterschriften geleistet sind. Ein bisschen verrät aber doch. Bei einem Objekt geht es „um eine gastronomische Nutzung“, bei dem zweiten um die „Wiederaktivierung eines klassischen Einzelhandelsgeschäfts“.

In diesem Bereich der Lippestraße gibt es viele Leerstände.
In diesem Bereich der Lippestraße gibt es viele Leerstände. © Michael Klein © Michael Klein

Und drittens um einen „Unverpacktladen mit zum Teil regionalen Produkten“ – ein Konzept, das mit seinem Umweltschutzgedanken seiner Meinung nicht nur gut zur gesellschaftlichen Entwicklung passt. Sondern auch zur Kundenstruktur der Dorstener Innenstadt, deren Besucher laut Befragungen zur Hälfte zu Fuß oder mit dem Rad die Fußgängerzone ansteuern.

Arbeit wird erleichtert

Das Thema „Leerstandsmanagement“ gehört eh zum Aufgabenbereich des Stadtumbau-Programms „Wir machen Mitte“. Dass es nun Fördermittel gibt, erleichtert die Arbeit von Christoph Krafczyk.

Und so funktioniert es: Die Stadt mietet leer stehende Ladenlokale an, sofern sich die Vermieter darauf einlassen, auf 30 Prozent der zuletzt eingenommenen Miete zu verzichten. „Aber erst dann, wenn wir selbst einen entsprechenden Ladenbetreiber als Untermieter für den jeweiligen Standort gefunden haben.“

Auch Läden in der Franziskaner-Passage stehen leer.
Auch Läden in der Franziskaner-Passage stehen leer. © Michael Klein © Michael Klein

Bei der Weitervermietung kann die Stadt dann ihrerseits die Altmiete um bis zu 80 Prozent reduzieren – die Differenz wird aus den bewilligten 350.000 Euro Fördermittel vom Land gedeckt. Bei der Stadt verbleibt ein Eigenanteil von zehn Prozent. Die förderfähige Mietfläche soll auf 300 Quadratmeter, die Laufzeit der Mietverträge auf zwei Jahre begrenzt werden.

Ziel: dauerhaftes Mietverhältnis

Ziel ist es möglichst, die Läden nach Ablauf des Förderprogramms in ein dauerhaftes Mietverhältnis zu überführen. „Dafür ist auch Vertrauen und Wertschätzung füreinander wichtig“, sagt Christoph Krafczyk. Und natürlich die Frage, wie tragfähig die Konzepte der neuen Nutzer sind, die übrigens auch aus dem Dienstleistungs-, Sozial- und Kulturbereich kommen können.

Das gilt auch für die Gespräche für die weiteren vier möglichen „Fördermietverträge“. „Da brauchen wir aus unterschiedlichen Gründen noch etwas Zeit“, sagt Christoph Krafczyk. Bis Ende des Jahres können sich die jeweils drei beteiligten Parteien (Eigentümer, Stadt, Untermieter) Zeit lassen, um in den vollen Genuss der Landesförderung zu kommen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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