Die Litfaßsäulen in Dorsten - mal mit Werbung beklebt, mal nicht behängt. © Grafik: Westnews

Stadt macht neues Konzept für Außenwerbung: Was wird aus Litfaßsäulen?

Die Stadtverwaltung entwickelt ein neues Konzept für die Außenwerbung an den Straßen in Dorsten. Welche Auswirkungen hat das für die Litfaßsäulen? Sind sie eigentlich noch zeitgemäß?

Sie gehören so sehr zum alltäglichen Stadtbild, dass kaum jemand größere Gedanken an sie verschwendet. Nur wenn Litfaßsäulen nach Sturm und Regen mal unansehnlich und schwer zerfleddert sind, fallen sie ins Auge. CDU-Ratsherr Franz-Josef Gövert zum Beispiel wies die Stadtverwaltung in einer Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses unlängst auf den schlechten Zustand zweier Säulen mit zerfetzten Plakaten in Hervest hin.

Als Werbeträger überlebt?

Inzwischen sehen die Werbeträger längst wieder ordentlich aus. Zwei Fragen beschäftigen Franz-Josef Gövert aber weiterhin: „Haben sich Litfaßsäulen in heutiger Zeit nicht längst überlebt? Könnten sie deshalb an einigen Standorten in Dorsten nicht entfernt werden?“

Er nennt Beispiele: An der Glück-Auf-Straße in Hervest kleben an zwei Litfaßsäulen jeweils nur ein, zwei kleinere Plakate. „Und die weisen auf Veranstaltungen hin, die schon längst vorbei sind.“

An frequentierten Straßen beklebt

An der gut frequentierten Straßen sieht es besser aus: an der Gahlener Straße etwa, wo großformatig Tabakwerbung hängt. Oder an der Säule am Treffpunkt Altstadt, die komplett von einer Supermarktkette genutzt wird, die auf den Standort ihrer Innenstadtfiliale hinweist. Auch am Ostwall: die Säule voll beklebt.

Wie die Stadtverwaltung gegenüber der Redaktion erklärt, ist im Rathaus damit begonnen worden, ein „zukunftsfähiges Konzept“ für die kommunale Außenwerbung zu erarbeiten. Dabei geht es auch um die Litfaßsäulen. Hintergrund seien finanzielle und stadtplanerische Aspekte.

Vertrag mit der Firma „Moplak“

Zurzeit hat die Stadt eine Vertrag mit dem Düsseldorfer Unternehmen Moplak. Damit ist die Firma berechtigt, Werbetafeln und Plakate nicht nur an Bushaltestellen und auf Plakatwänden, sondern auch auf Litfaßsäulen zu betreiben und zu vermarkten. Dafür bekommt die Stadt ein jährliches Entgelt.

So sah die Litfaßsäule im Dorf Hervest vor ein paar Wochen aus, bis CDU-Ratsherr Franz-Josef Gövert sich bei der Stadt beschwert hat.
So sah die Litfaßsäule im Dorf Hervest vor ein paar Wochen aus, bis CDU-Ratsherr Franz-Josef Gövert sich bei der Stadt beschwert hat. © Franz-Josef Gövert © Franz-Josef Gövert

Künftig soll sich Außenwerbung nach Willen der Stadt optisch besser ins Umfeld des jeweiligen Standorts anpassen, zudem haben Veranstalter, wie zum Beispiel die städtischen Einrichtungen Treffpunkt Altstadt und Leo, Wünsche für ihre Werbung geäußert – bislang hängen sie die Veranstaltungsplakate vor allem an Laternenmasten auf.

Im Zuge des neuen Außenwerbungskonzepts werden die bestehenden Moplak-Werbeträger aus stadtplanerischer Sicht deswegen danach bewertet, „ob sie erhalten, versetzt oder zurückgebaut werden müssen“, so die Stadt.

37 Litfaßsäulen in der Stadt

Das gilt auch für die 37 Litfaßsäulen, die derzeit über das gesamte Stadtgebiet verteilt auf städtischen Grundstücken stehen. „Über deren Fortbestand ist aber noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden“, so die Stadt. Wenn das Konzept fertig ist, soll es potenziellen Werbedienstleistern vorgelegt werden, „um auszuloten, wer die Vorgaben der Stadt weitestgehend erfüllen kann.

Die Säulen sind nach dem Hofdrucker Ernst Litfaß benannt, der am 15. April 1855 die erste Säule in Berlin-Mitte errichtete. Auch heute seien sie „auch als analoges Medium ein attraktiver Werbeträger“, betont Moplak-Geschäftsführer Thomas Meyer.

Für jeweils zehn Tage können Litfaßsäulen gebucht werden. Dass einige Standorte derzeit nicht so gut mit Plakaten bestückt seien, habe vor allem mit den Corona-Beschränkungen zu tun. Wichtige Kunden, wie Veranstaltungsagenturen und Kinos, seien derzeit weggebrochen. Thomas Meyer hofft, dass sein Unternehmen auch weiterhin seine Litfaßsäulen auf städtischem Grund und Boden aufstellen kann.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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