Stadt Dorsten bleibt auf 473.000 Euro sitzen, weil Eltern nicht für ihre Kinder zahlen

dzUnterhaltsvorschuss für Kinder

843 Kinder und Jugendliche in Dorsten haben Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Wenn ein Elternteil nicht zahlt, springt die Stadt ein. Ein neues Gesetz hat die Situation verschärft.

Dorsten

, 08.12.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Unterhaltsvorschuss für Kinder hat sich einiges geändert. Am 1. Juli 2017 trat eine Gesetzesänderung in Kraft. Dadurch hat sich die Zahl der Kinder um eine beträchtliche Zahl von Heranwachsenden in Dorsten erweitert, die Anspruch auf Unterhaltsvorschuss haben.

Befristung brachte Alleinerziehende in Not

Zuvor war diese Form der finanziellen Zuwendung befristet: Maximal 72 Monate und nur bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres gab es Geld von Vater Staat. Dadurch gerieten viele Alleinerziehende in finanzielle Not. Das ist jetzt anders.

2019 bekamen in Dorsten immerhin 843 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren Unterhalt aus der Stadtkasse. Für sie wurden insgesamt 2,16 Millionen Euro aufgewendet. Das teilt die Stadt auf Anfrage mit.

Vor Inkrafttreten der Gesetzesänderung zum Stichtag 1. Juli 2017 habe die Stadt Dorsten 424 laufende Fälle gehabt, so Stadtsprecher Ludger Böhne. Die Zahl sei nach Änderung der Rechtslage durch Anträge von Betroffenen bis zum Jahresende auf 620 angewachsen.

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„Der erneute Anstieg im Jahr 2018 ist aber weniger darauf zurückzuführen, dass immer mehr unterhaltspflichtige Eltern keinen Unterhalt bezahlen, sondern dass auch in 2018 noch Anträge nach neuer Rechtslage gestellt wurden“, sagt Ludger Böhne.

Steigende Fallzahlen, höhere Entlastung

2017 bezahlte die Stadt 1,279 Millionen Euro für 620 junge Dorstener, 2018 waren es 2,13 Millionen Euro für 771 Kinder und Jugendliche und jetzt eben 2,16 Millionen Euro. Auf einem Teil der Kosten bleibt Dorsten trotz der im Vergleich zu früher höheren Entlastung durch das Land aber sitzen.

Das Land übernimmt 70 Prozent der Vorschusskosten, die Stadt hat den Rest von aktuell 648.000 Euro zu tragen. Diesen Betrag versucht die Kommune, von den Eltern einzutreiben. Denn der staatliche Vorschuss heißt natürlich nicht, dass die Eltern sich leichtfertig aus der Verantwortung stehlen können.

473.000 Euro bleiben offen - da ist nichts zu holen

Mithilfe der Stadtkasse und der gesetzlich erlaubten Zwangsmaßnahmen konnten so immerhin noch 350.000 Euro aus säumigen Väter oder Müttern „herausgekitzelt“ werden. „Davon mussten aber wieder 50 Prozent an das Land abgeführt werden“, erklärt der Stadtsprecher. Bleiben 473.000 Euro offen. Auf diesem Betrag bleibt die Stadt sitzen, weil bei den Eltern beim besten Willen nichts zu holen ist.

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