SPD will Ruhrkulturgarten zur „Landmarke“ machen, ohne mit dem Eigentümer zu sprechen

dzRuhrkulturgarten Dorsten

Zu einer „Landmarke der besonderen Art“ will die Dorstener SPD den Ruhrkulturgarten in Altendorf-Ulfkotte machen, so ein Antrag. Kurios: Eigentümer Ludger Dalhaus wusste davon nichts.

Altendorf-Ulfkotte

, 17.09.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während Gladbeck und Gelsenkirchen prächtig gedeihen, wirkt Dorsten eher kümmerlich. Ausgerechnet der für Dorsten stehende Apfelbaum der Sorte „Freudenberger Nützerling“ im Ruhrkulturgarten verspricht Anfang Oktober keine reiche Ernte.

Elf Jahre ist es inzwischen her, dass die Streuobstwiese mit 53 heimischen Apfelbäumen auf dem Gelände von Landwirt Ludger Dalhaus gepflanzt wurde - anlässlich des Kulturhauptstadt-Jahres 2010 in maßstabsgetreuer Form des Ruhrgebiets. Jeder Baum steht für eine Ruhrgebietsstadt. Auch zur kulturellen Begegnungsstätte sollte der Garten werden, mit Kunst und Veranstaltungen - als Teil des „Gahlenschen Kohlewegs“.

SPD will Ruhrkulturgarten zur „Landmarke“ machen, ohne mit dem Eigentümer zu sprechen

Eher kümmerlich verglichen mit den Nachbarn wirkt ausgerechnet der Dorstener Baum (im Hintergrund). © Falko Bastos

Doch in der Zwischenzeit ist der Garten etwas in Vergessenheit geraten. Die vergilbten Schilder sind kaum noch lesbar, eine der Skulpturen zerfällt zusehends. Grund genug für die Dorstener SPD, sich des Themas anzunehmen. Deshalb hat die Fraktion nun einen Antrag gestellt, der am Mittwoch im Dorstener Rat behandelt wird.

Nicht nur „ertüchtigen“ will die SPD den Garten, sondern diesen gar „zu einer Landmarke der besonderen Art“ weiterentwickeln, so der Antrag. Neben der „gärtnerischen Rekonstruktion“ sollen „die ökologischen und kulturellen Potenziale des Gartens unter pädagogischen Aspekten sichtbar gemacht werden“ und die Wiese zu einem Biogarten erweitert werden.

Landwirt wusste nichts von seinem Glück

Unter anderem solle die Beschilderung erweitert werden, etwa um die Möglichkeit, Informationen mit dem Smartphone abzurufen. Als „Naturgarten Lippe“ könne der Garten unter touristischen Gesichtspunkten mit der Lippe-Fähre und dem ehemaligen Zechengelände in Verbindung gebracht werden. So könne der Lipperaum zusätzliches Gewicht erlangen, „indem Kunst, Kultur und Umwelt im Lipperaum stärker verknüpft werden.“

Der Garten habe sich „quasi zu einem öffentlichen Gut weiterentwickelt“, so der Antrag, doch er steht auf Privatgelände. Kurios: Obwohl der Antrag bereits Ende August verfasst wurde, wusste Grundstückseigentümer Ludger Dalhaus lange nichts von seinem Glück. Von dem SPD-Antrag erfuhr er erst durch die Nachfrage unserer Redaktion.

Nur einmal im Frühjahr sei Fragemann mit dem SPD-Ortsverband Buer auf dem Hof zu Gast gewesen, so Dalhaus. Dabei seien lose Ideen geäußert worden, den Garten auszubauen. Seitdem habe er nichts weiter gehört. „Ein Kommunikationsfehler, das ist schiefgelaufen“, räumt der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Friedhelm Fragemann auf Nachfrage ein.

SPD will Ruhrkulturgarten zur „Landmarke“ machen, ohne mit dem Eigentümer zu sprechen

Die Skulptur im Garten hat schon bessere Zeiten gesehen. © Falko Bastos

Auch beim Verein Virtuell-Visuell weiß man von nichts. „Es ist das erste Mal, dass ich davon höre“, sagt die Vorsitzende Sabine Bachem. Der Verein hatte zum Start des Projekts Ende 2008 die Projektträgerschaft übernommen und wird auch im aktuellen SPD-Antrag als Kooperationspartner für die Erneuerung genannt. Aus Sicht von Fragemann „ein normaler Vorgang.“ Nicht alle Beteiligten habe er vorher gefragt. „Das ist auch nicht meine Aufgabe“, so Fragemann. Schließlich werde im Falle eines Beschlusses die Verwaltung beauftragt, Kontakt zu möglichen Partnern aufzunehmen.

„Wichtig, dass sich einer kümmert“

Ludger Dalhaus hat naturgemäß wenig Einwände gegen eine Attraktivitätssteigerung des Gartens: „Das wäre eine Win-Win-Situation.“ Für eine pädagogische Nutzung durch Schulklassen sei er sehr aufgeschlossen. „Wir wollen ja Hürden abbauen.“ Völlig unklar ist noch, was das Projekt kosten würde. „Ohne Geld wird es nicht gehen“, sagt Fragemann nur.

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Für Kamp-Lintfort sieht es nicht gut aus. © Falko Bastos

Ein mögliches Problem sieht Dalhaus aber doch noch. „Es ist wichtig, dass sich einer kümmert.“ Für eine aufwendige Pflege des Gartens habe er keine Zeit. Bereits jetzt übernimmt er die Pflege der Apfelbäume in Eigenregie. Ab und zu falle ein Baum den Mäusen zum Opfer, die das Wurzelwerk abfressen. Der werde dann erneuert. So offenbar auch der Dorstener Baum. Immerhin geht es anderen schlechter: Kamp-Lintfort hat Schlagseite und alle Blätter verloren, das Schild liegt umgekippt im Gras.

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