In der Bottroper Dieter-Renz-Halle trafen sich die SPD-Delegierten aus Dorsten, Gladbeck und Bottrop, um ihren gemeinsamen Bundestagskandidaten zu wählen. © Petra Berkenbusch
Michael Hübner scheitert

SPD schickt Michael Gerdes im September erneut ins Bundestagsrennen

Es brauchte zwei Wahlgänge, bis Michael Gerdes sich über eine erneute Bundestagskandidatur für die SPD freuen durfte. Eine überzählige Stimme sorgte für Spannung.

Michael Gerdes wird bei der Bundestagswahl zum vierten Mal für die SPD ins Rennen gehen. Mit einem deutlichen Vorsprung setzte er sich am Dienstagabend bei der Wahlkreisdelegiertenkonferenz Bottrop/Gladbeck/Dorsten gegen seinen Gladbecker Gegenkandidaten Michael Hübner durch.

SPD-Wahlkreisdelegiertenkonferenz Dieter-Renz-Halle Bottrop
Michael Gerdes warf seine jahrelange Berlin-Erfahrung in die Waagschale. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Das von vielen Beobachtern zuvor erwartete knappe Ergebnis gab es nicht. Dabei hätte Hübner zumindest rechnerisch eine Chance gehabt – trotz des Heimspiels von Michael Gerdes vor 28 Bottroper Delegierten. Allerdings gelang es Hübner nicht, die zehn Delegierten aus Dorsten und die 19 Parteifreunde aus Gladbeck geschlossen hinter sich zu bringen.

Gladbecker wollen schon lange einen eigenen Kandidaten

Dabei hatten die Dorstener durchaus mit einem neuen Kandidaten geliebäugelt: Michael Gerdes lasse sich zu selten in Dorsten blicken, hatten sie kritisiert. Und die Gladbecker Sozialdemokraten sehnen sich seit Hans Wuwers Abschied 1980 ohnehin nach einem Bundestagsabgeordneten aus ihren Reihen und haben schon mehrfach (vergeblich) an eine Vereinbarung zur Abwechslung beim Nominierungsrecht erinnert.

Michael Hübner war der Gegenkandidat.
Michael Hübner war der Gegenkandidat. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Sie werden sich weiter gedulden müssen, denn nun geht der 60-jährige Gerdes noch einmal ins Rennen. „Ich bin in der Bundespolitik noch nicht fertig“, sagte er am Dienstagabend bei seiner Vorstellungsrede. Gern würde er in Berlin im Ausschuss Arbeit und Soziales weiterhin seinen Schwerpunktthemen nachgehen und das Ziel verfolgen, Arbeitsplätze und die soziale Sicherheit zu erhalten. Am liebsten natürlich mit Olaf Scholz als Kanzler.

Verteilungsgerechtigkeit, betriebliche Mitbestimmung, gerechte Löhne – mit diesen Begriffen triggerte er die sozialdemokratischen Delegierten-Herzen, offenbar nicht nur die aus Bottrop.

Zügige Parteiveranstaltung unter Corona-Regeln

Zehn Minuten hatte jeder Kandidat für die Vorstellungsrunde, die ebenso diszipliniert ausfiel wie die gesamte Wahlkreisdelegiertenkonferenz. Die hätte durch einen Vortrag von Michelle Müntefering, der SPD-Bundestagsabgeordneten im Wahlkreis Herne-Bochum II, gekrönt werden sollen, aber wegen Corona wurde am Dienstagabend auf jegliches „Beiprogramm“ verzichtet.

Dennoch ging es nicht so zügig voran, wie Parteichefin Sonja Voßbeck gehofft hatte: Im ersten Wahlgang landete kurioserweise ein Abstimmungszettel mehr in der Wahlurne, als Delegierte anwesend waren. Im zweiten Versuch lief dann alles glatt, vor allem für Michael Gerdes: 57 abgegebene Stimmen, 34 für ihn.

In seinem Schlusswort appellierte an die Geschlossenheit der Partei in allen drei Städten. „Heute gibt es noch keinen Gewinner, sondern erstmal nur einen Kandidaten. Gewinnen wollen wir dann im September.“ Ausdrücklich bedankte er sich auch für den Vertrauensbeweis der Dorstener Genossen, denen er versprach, auch die Probleme ihrer Stadt im Blick zu haben.

Parteien dürfen Präsenzveranstaltungen durchführen

  • In sozialen Netzwerken gab es heftige Kritik für eine Präsenz-Parteiveranstaltung in Coronazeiten. Das sei ein klarer Verstoß gegen die Coronaschutzverordnung und nicht zeitgemäß, wenn gleichzeitig den Bürgern Kontaktbeschränkungen auferlegt seien.
  • Die Stadt Bottrop hat dazu mitgeteilt, dass die Corona-Schutzverordnung es in §13.2.2. Parteien ausdrücklich erlaubt, insbesondere zu Aufstellungsversammlungen zu Wahlen zusammenzukommen. Das Presseamt: „Weil die in der Verordnung genannten Voraussetzungen vorliegen und die Hygienemaßnahmen eingehalten wurden, hat die Veranstaltung völlig legal stattgefunden.
  • Die Einzeltische der Delegierten standen in großen Abständen, und es galt durchgehend Maskenpflicht (außer am Rednerpult).
Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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