Sparkasse Vest kündigte reihenweise Prämien-Sparverträge

dzNach BGH-Urteil

Als eine der ersten NRW-Banken hat die Sparkasse Vest Recklinghausen vielen Prämiensparern die Verträge gekündigt. Ein Experte verrät, was Betroffene tun sollten. Sogar ein Nachschlag winkt.

Dorsten

, 04.10.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Sparkassenkunden in ganz Deutschland erlebten in den vergangenen Monaten eine unangenehme Überraschung. Ihre Prämien-Sparverträge wurden von den Sparkassen reihenweise gekündigt. Als eine der ersten NRW-Banken ganz vorne dabei: die Sparkasse Vest Recklinghausen.

Beim Prämiensparen zahlen Kunden einen monatlichen Betrag auf ihr Sparkonto ein. Die anfangs niedrige Verzinsung steigt dabei im Laufe der Jahre an. Üblicherweise wird nach 15 Jahren die höchste Prämie von 50 Prozent Verzinsung auf neue Beiträge erreicht. So lukrativ manch alter Vertrag für die Sparer sein kann, so teuer wird er für die Banken. Deshalb kündigen diese die gut verzinsten Altverträge.

Dabei berufen sie sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus Mai. Dieses hatte die Kündigung eines Vertrages ohne festgelegte Laufzeit für rechtmäßig erklärt.

Fünf Prozent der Verträge betroffen

Die Sparkasse Vest reagierte schnell: Schon im Juli kündigte sie Prämien-Sparverträge ihrer Kunden. Wie viele Kündigungen es genau waren, will Pressesprecher Stefan Fokken auf Nachfrage nicht verraten. Rund fünf Prozent der Verträge seien betroffen.

Große Kündigungswellen seien nun nicht mehr zu erwarten, so Sparkassen-Sprecher-Fokker. „Aber wenn die höchste Stufe erreicht wird, kündigen wir weiterhin.“

Verbraucherschützer sehen die derzeitige Kündigungswelle kritisch. „Es ist keineswegs so, dass die Sparkassen nun alle Prämiensparverträge kündigen dürfen“, klärt Banken-Experte Christian Urban von der Verbraucherzentrale NRW auf. Dies besage auch das BGH-Urteil nicht. Eine Kündigung seitens der Bank sei etwa unzulässig, wenn eine vereinbarte Laufzeit noch nicht erreicht sei. „Oder wenn vor Erreichen der im Vertrag vereinbarten höchsten Prämienstufe gekündigt wird.“

Banken-Experte rät in jedem Fall zur Prüfung

Die Sparkasse Vest sei von dieser „bundesweiten Aufregung“ allerdings nicht betroffen, betont Sprecher Stefan Fokken. Stattdessen habe man ausschließlich unbefristete Verträge gekündigt, die die Höchstprämie erreicht hätten. „Wir haben sauber geprüft, welche Verträge durch das Urteil gedeckt sind“, so Fokken. Nur „eine Handvoll“ Widersprüche habe es gegeben.

Experte Urban rät dennoch grundsätzlich zur Prüfung des Vertrags - und gegebenenfalls zum Widerspruch. Man müsse „in jedem Einzelfall prüfen, ob die Sparkasse tatsächlich kündigen darf.“

Und nicht nur für die von der Kündigung betroffenen Sparer hat er noch einen weiteren Tipp parat: „Neben dem Thema Kündigung sollte man auch die Zinsberechnung prüfen, weil auch da möglicherweise was zu holen ist.“ Erkenntnisse aus anderen Bundesländern hätten gezeigt, „dass die Verbraucher oft zu wenig Zinsen erhalten haben.“

Bei Zinsen ist ein dicker Nachschlag möglich

Hintergrund: Viele alte Verträge aus den 90er und 2000er-Jahren enthalten unzulässige Klauseln zur Zinsanpassung. In mehreren Fällen hat der BGH solche für unwirksam erklärt. Betroffen seien laut Verbraucherzentrale viele Prämiensparverträge und Riester-Banksparpläne mit Namen wie

  • „Prämiensparen flexibel“ (Sparkasse)
  • „VorsorgePlus“(Sparkasse)
  • „Vermögensplan“ (Sparkasse)
  • „VRZukunft“ (Volksbank)
  • „Vorsorgeplan“(Sparkasse)
  • „Scala“(Sparkasse).

Wer so einen Vertrag hat, sollte jetzt aktiv werden und die Zinsen nachberechnen lassen, raten die Verbraucherzentralen. Informationen und Musterbriefe gibt es online und in den Beratungsstellen vor Ort. Und so gibt es vielleicht einen dicken Nachschlag: Bei alten Verträgen geht es teilweise um einige Tausend Euro.

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