Von links: Hans-Jochen Schräjahr (Mitautor), Klaus Gudermann (Layout), Dr. Josef Ulkotte (Vorsitzender Verein für Orts- und Heimatkunde), Martin Köcher (Stadtarchivar), Christa Setzer (frühere Leiterin des Stadtarchivs Dorsten), Heinz Winter (Verein für Orts- und Heimatkunde) und Sabine Podlaha (Amtsleiterin Schule und Weiterbildung). © Michael Klein
Buch-Projekt

Spannende und informative Zeitreise in die Geschichte von Dorsten

Eine umfassende historische Zeitreise durch die Dorstener Geschichte ermöglicht ein neues Buch-Projekt: Prall gefüllt mit 200 Bildern und vielen informativ-unterhaltsamen Texten.

In ferne Orte zu reisen – das verbietet sich in diesen Zeiten aus gutem Grund. In ferne und längst vergangene Zeiten zu reisen – dies ist aber erlaubt. Und so nehmen 20 Autorinnen und Autoren in 30 Beiträgen ihre Leser mit auf eine spannende und wohl-recherchierte „Zeitreise“ in die Geschichte der Stadt Dorsten.

Und schlagen dabei immer wieder Brücken in die Gegenwart der Lippestadt – eine dramaturgische Klammer, die das Buch trotz der vielen unterschiedlichen Epochen, die darin bereist werden, wie aus einem Guss erscheinen lässt.

368 Seiten stark

368 Seiten stark ist das Werk namens „Dorsten – eine Zeitreise“, das ab sofort erhältlich ist. Prall gefüllt mit informativen und unterhaltsamen Texten, mit 200 Fotos und illustrierenden Karten. Herausgeber sind der Verein für Orts- und Heimatkunde Dorsten unter Vorsitz von Dr. Josef Ulfkotte und das Dorstener Stadtarchiv unter Leitung von Martin Köcher.

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Buchprojekt: „Dorsten – eine Zeitreise“

Beiden Historikern war es ein Anliegen, die Stadtgeschichte nicht in Gestalt einer umfassenden Chronologie zu erzählen. Sondern sie in gut dosierten Häppchen und Stadtgeschichten zu verpacken.

Viele dieser Texte dürften so manchen Dorstenern bekannt sein. Denn sie basieren auf den mehrseitigen Faltblättern, die der Verein für Orts- und Heimatkunde und das Stadtarchiv (bis vor einem Jahr führte bis zu ihrem Ruhestand Stadtarchivarin Christa Setzer dort Regie) seit 2008 noch unter dem Titel „Dorsten – einst und jetzt“ mit positivem Echo herausgegeben haben.

„Die hatten eine kleine Sammelleidenschaft entfacht“, sagt Josef Ulfkotte. So entstand die Idee, fast alle bisher erschienenen Ausgaben zusammenhängend zu veröffentlichen. Die Autoren haben dafür ihre Texte aktualisiert und überarbeitet.

Hinzu kommt ein gutes Dutzend neuer Texte, die bislang nicht erschienen waren. Dafür konnten weitere Experten gewonnen werden, die Beiträge für die Zeitreise beigesteuert haben – wie etwa Karin Jockel, die über den Schiffbau und die Lippeschifffahrt geschrieben hat. Oder Vera Konieczka, die den Spuren der Beginen in Dorsten – einer im Mittelalter entstandenen Lebensform allein stehender Frauen – nachgegangen ist.

770 Jahre alt wird die Stadt im kommenden Jahr – in dieser langen Zeit haben die Menschen hier eine Menge erlebt. Die Lippe spielte dabei eine wichtige Rolle, war Handels- und Verkehrsweg, bot Schiffbauern eine gesicherte Existenz. Zugleich war der Fluss jahrhundertelang politische Grenze, sodass Dorsten immer wieder in kriegerische Konflikte verwickelt wurde.

Revolution und Weltkriege

Solche Ereignisse streift das Buch, führt aber auch zu Ursprüngen heutiger Sehenswürdigkeiten wie Altes Rathaus und Segelflugplatz. Es erinnert an die 550 Jahre, in denen Dorsten dem Erzbischof von Köln als Landesherrn unterstellt gewesen ist, blickt zurück auf den Hexenwahn im 16./17. Jahrhundert, an Revolutionen und die beiden Weltkriege.

Und porträtiert auch damalige Zeitgenossen wie die Schriftstellerin Maria Lenzen, aber auch unsympathische Gesellen – wie etwa den Menschenfresser Franz Wahmann, der im ausgehenden 17. Jahrhundert sein Unwesen trieb und hier zum Tode verurteilt wurde.

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Mit Karten, alten Fotos und unterschiedlichen Farb-Unterlegungen der Texte (hier zum Beitrag
Mit Karten, alten Fotos und unterschiedlichen Farb-Unterlegungen der Texte (hier zum Beitrag „Revolution und Rote Armee“) ist das Buch ansprechend layoutiert. © Michael Klein © Michael Klein

Das Buch, das ohne die finanzielle Unterstützung der Vereinten Volksbank, der Kleinespel-Stiftung und des Lions Clubs Dorsten-Hanse nicht denkbar gewesen wäre, kommt in sehr ansprechendem Layout daher. Verantwortlich dafür: Klaus Gudermann, der sich dadurch in den Corona-Monaten nicht über Langeweile beklagen konnte.

Gute Lesbarkeit

„Wir haben Wert auf eine gute Lesbarkeit der Texte und ansprechende Bilder gelegt“, so Dr. Josef Ulfkotte. Gelbe Textpassagen heißt: Hier handelt es sich um die Wiedergabe einer historischen Quelle. Graue Textpassage bedeutet: Verweis auf eine (anekdotenhafte) Erzählung.

Wer in dem Buch blättert, weiß dank der Stadtarchiv-Quellen: „Hier ist gesichertes Wissen überliefert“, so Martin Köcher. Unter jedem Beitrag gibt es ein Quellen- und Literaturverzeichnis, das eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema ermöglichen soll.

Umfassende Zeittafel

Eine 30-seitige ausführliche Zeittafel mit den wichtigste Daten der Stadtgeschichte (vor allem aus der Neuzeit) rundet das Buchprojekt ab – von 890 (als die ersten Bauerschaften „Durstina“ und „Durstinon“ bezeugt wurden) über die Stadtwerdung im Jahr 1251 und die Belagerungen im Dreißigjährigen Krieg bis ins Jahr 2020, als die Corona-Pandemie das öffentliche Leben in Dorsten lahmlegte.

Bürgermeister Tobias Stockhoff betont in seinem Vorwort: Viele Autoren schicken einen „Gruß aus der Vergangenheit, die noch heute in unserem Alltag sichtbar wird“.

Das Buch hat seinen Ausgangspunkt bei der seit 2008 erscheinenden Schriftenreihe
Das Buch hat seinen Ausgangspunkt bei der seit 2008 erscheinenden Schriftenreihe „Dorsten – einst und jetzt“. © Michael Klein © Michael Klein

Beispiele: Der Beitrag über die alte Stadtmauer verweist auch auf die aktuelle Komplett-Umgestaltung der Fußgängerzone, die nach dem Krieg auf dem mittelalterlichen Grundriss wiederaufgebaut wurde. Das 375 Jahre alte Gymnasium Petrinum ist noch heute ein Grundpfeiler der Dorstener Schullandschaft. Und auch bei der Eisenbahngeschichte in Dorsten muss mit dem 10-Millionen-Euro-Bahnhofsumbau bald ein Kapitel fortgeschrieben werden.

Bewusst sei die Zeit des Nationalsozialismus ausgespart worden – weil die Jahre von 1933 bis 1945 im Fokus der Forschungsgruppe „Dorsten unterm Hakenkreuz“ und des Jüdischen Museums Westfalen stehen.

Die Schriften-Reihe „Dorsten einst und jetzt“ soll übrigens fortgeführt werden. Nächstes Thema: die ehemalige Winks Mühle im Schölzbachtal, das demnächst im Stadtumbauprogramm „Wir machen Mitte“ umgestaltet wird.

  • „Dorsten – eine Zeitreise“, ISBN-139783739512518, Verlag für Regionalgeschichte, 24 Euro, 368 Seiten, Hardcover, 100 schwarz-weiße sowie 100 farbige Illustrationen.
  • Erhältlich bei der Stadtinfo Dorsten (Recklinghäuser Straße 20), Dorstener Zeitung (Südwall 27), Buchhandlung König (Lippestraße), Vereinte Volksbank (Südwall), Stadtarchiv (Im Werth) und im online-Shop der Vereinten Volksbank www.vb-shop.de und bei Online-Portalen wie amazon. Weitere Infos über die Heraugeber im Internet unter www.voh-dorsten.de und www.stadtarchiv-dorsten.de (bei Instagram unter dem Hashtag #stadtarchivdorsten).
Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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