Soziale Kontrolle: Warum Dorsten über einen ehrenamtlichen Ordnungsdienst nachdenkt

dzKommunaler Ordnungsdienst

Der Kommunale Ordnungsdienst in Dorsten könnte schon bald von Bürgern ehrenamtlich unterstützt werden. Die Stadt spricht von „sozialer Kontrolle“. Kritiker könnten anderer Meinung sein.

Dorsten

, 14.09.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Hausfrau, die Umweltsünder meldet. Ein Rentner, der Falschparker anschwärzt. Ein Spaziergänger, der Hundehaufen auf Gehwegen nicht länger dulden will. Das gibt es wahrscheinlich schon in Dorsten, aber nicht regelmäßig und erst recht nicht organisiert.

Doch das könnte sich ändern. Die Stadt denkt über einen ehrenamtlichen Kommunalen Ordnungsdienst nach, der die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ordnungsamtes unterstützt.

Bürgermeister Tobias Stockhoff überraschte mit diesen Überlegungen am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss, als es um einen neuen Bußgeldkatalog wegen zunehmender Ordnungswidrigkeiten ging. Gesucht werden Männer und Frauen, die vor allem abends und an Wochenenden „Dienst schieben“ und sich melden, wenn ihnen etwas auffällt, was so nicht sein darf.

Eine Freiwillige gibt es schon in Dorsten

„Die Idee ist entstanden, nachdem sich eine Frau angeboten hat, in ihrem Stadtteil einen solchen Dienst zu übernehmen“, bestätigte Stadtsprecher Ludger Böhne auf Nachfrage. „Mit der Interessentin wurden ausführliche Gespräche geführt. Die Idee war, dass sie ihre Beobachtungen unmittelbar an die Stadtverwaltung weiterleiten kann und diese hier bearbeitet werden.“

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Parallel zu diesem Test prüft die Stadtverwaltung derzeit, ob und wie nach dem Vorbild anderer Städte ein ehrenamtlicher Ordnungsdienst aufgebaut werden kann. In Eschweiler gibt es so etwas schon seit 13 Jahren. Die etwa 20 Männer und Frauen verstehen sich laut einem Bericht der Aachener Nachrichten „nicht nur als Saubermänner, sondern auch als Ansprechpartner vor Ort für ratsuchende Bürger. Mit besten Kontakten ins Rathaus.“

Soziale Kontrolle: Warum Dorsten über einen ehrenamtlichen Ordnungsdienst nachdenkt

Die Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes gehen nach Möglichkeit immer zu zweit auf Streife. Doch sie stoßen an zeitliche und personelle Grenzen. © Robert Wojtasik

Böhne bestätigt, dass es der Stadt Dorsten nicht um „Denunziantentum“ gehe, sondern um die Unterstützung des städtischen Ordnungsdienstes zum Beispiel bei Stadtfesten, an Wochenenden oder in den Abendstunden. „Die Ehrenamtlichen könnten auch gute Botschafter sein, die im Rahmen der sozialen Kontrolle in Nachbarschaften und Quartieren für die Einhaltung von Regeln werben.“

Der Einsatz von Ehrenamtlichen sei aber nur vorstellbar, wenn diese zuvor gut ausgebildet würden.

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Grundsätzlich hält es die Stadtverwaltung für wünschenswert, dass die Bürger selbst auf die Einhaltung von Spielregeln achten. Das große Stadtgebiet könne von den hauptamtlichen Kräften nicht rund um die Uhr „bewacht“ werden, meint der Stadtsprecher. „.Ein gesundes Maß an sozialer Kontrolle hilft dort weiter, wo der städtische Kommunale Ordnungsdienst an personelle und zeitliche Grenzen stößt.“

„Ehrenamtliche können auch Vermittler sein“

Die Ehrenamtlichen könnten dabei auch eine vermittelnde Rolle übernehmen in nachbarschaftlichen Konflikten um Falschparker, Hundehaufen oder illegale Müllentsorgung in Grünanlagen.

In Eschweiler scheint das zu funktionieren. Die ehrenamtlichen Helfer melden den jeweils zuständigen Stellen der Stadtverwaltung defekte Straßenlaternen, Schlaglöcher, beschädigte Verkehrsschilder, wilde Müllablagerungen, morsche Bäume. „Sie rufen den Streudienst, wenn sie im Winter auf Fußwegen Glatteisflächen sehen, und sie reden auch schon mal ein ernstes Wort mit Leuten, die ihre Hunde auf Bürgersteige koten lassen“, berichten die Aachener Nachrichten.

Für diesen Einsatz gibt es kein Geld, aber zweimal im Jahr organisiert die Stadt Eschweiler für ihre Ordnungshelfer einen Ausflug oder eine Besichtigung.

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