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LEG-Mieter müssen sich auf was gefasst machen: LEG will Häuser in Barkenberg verkaufen

dzLEG Wohnen

Eigentlich wollte die Nachbarschaft „Dimker Wiese“ nur wissen, ob die LEG wohl ein Grundstück an der Dimker Allee verkaufen würde. Die Antwort der LEG überraschte nicht nur den Verein.

Wulfen-Barkenberg

, 15.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Hansjürgen Rosenkranz ist Vorsitzender der Nachbarschaft „Dimker Wiese“. Am Montag informierte SPD-Landtagsabgeordneter Michael Hübner den Vereinsvorstand in einer Mail darüber, dass er ein Antwortschreiben von der LEG bekommen habe.

Hübner hatte nämlich für den Verein bei der LEG nachgefragt, wie die Immobilien AG der LEG den Wert des Grundstücks an der Dimker Allee beziffert und ob sie gegebenenfalls bereit wäre, das Grundstück oder einen Teil des Grundstücks in der Nachbarschaft der „Schwarzen Finnstadt“ an die Stadt Dorsten zu veräußern.

„Die LEG hat geantwortet, dass sie grundsätzlich bereit ist, das gesamte Flurstück an die Stadt Dorsten zu verkaufen, nicht aber Teile davon.“ Sie habe dann aber gesagt, „dass sie sich derzeit in fortgeschrittenen Gesprächen zur Veräußerung des Siedlungsbestandes in Wulfen-Barkenberg befindet“, so Michael Hübner.

LEG-Mieter müssen sich auf was gefasst machen: LEG will Häuser in Barkenberg verkaufen

Zu Füßen der „Schwarzen Finnstadt“ (Gebäude Bildmitte) in Barkenberg liegt das Grundstück Dimker Allee. Auf dieser Wiese stand einst der Y-Bau. © Guido Bludau

„Das konnte man fast ahnen“, meint Hansjürgen Rosenkranz. Denn die LEG habe sich auf Anfragen des Nachbarschaftsvereins stets „zurückhaltend bis abschlägig verhalten“.

Die LEG hat 1.197 Wohnungen in Barkenberg

Laut Schreiben der LEG an Michael Hübner deutet aktuell alles darauf hin, dass sich die LEG nicht nur von diesem Grundstück, sondern von ihrem gesamten Bestand von 1.197 Wohnungen in Barkenberg trennen möchte. Sie schreibt nämlich von einer „Veräußerung des Siedlungsbestandes in Dorsten-Wulfen“ und davon, „sich aus strategischen Gründen aus dem Standort Dorsten-Wulfen zurückziehen“ zu wollen: „Derzeit sind wir in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem Kaufinteressenten, der den Standort als langfristiges Investment weiterentwickeln möchte“, so die LEG.

Mischa Lenz, einer der Unternehmenssprecher der LEG, wollte konkrete Nachfragen der Dorstener Zeitung vorerst nicht beantworten: „Ich bitte Sie um Ihr Verständnis, dass wir uns aktuell dazu noch nicht äußern können. Wir befinden uns derzeit in laufenden Gesprächen und können daher noch keinerlei Angaben machen.“

Der Bürgermeister wurde persönlich informiert

Neben dem von der LEG im Schreiben an Hübner genannten „ebenso zuverlässigen wie solventen“ Kaufinteressenten hat sich auch die Stadt Dorsten ins Spiel gebracht. Laut LEG-Angaben im Hübner-Schreiben wurde Bürgermeister Tobias Stockhoff im persönlichen Gespräch über die Absichten der LEG informiert.

„Die Verwaltungsleitung der Stadt Dorsten wurde aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit - verständlicherweise unter der Bedingung der strikten Vertraulichkeit - im Dezember darüber informiert, dass die LEG sich von ihrem Wohnungsbestand in Barkenberg trennen möchte“, antwortet Pressesprecher Ludger Böhne auf unsere Anfrage, wann die Stadt von den Verkaufsabsichten der LEG erfahren hat.

Die Stadt habe dann gegenüber der LEG zum Ausdruck gebracht, „dass es ihr wichtig ist, die Politik frühzeitig über die Verkaufsabsichten zu informieren. Hier vertrat die LEG eine andere Auffassung“, sagt Ludger Böhne. Darüberhinaus habe die Verwaltungsleitung betont, „dass es der Stadt Dorsten wichtig ist, dass ein Käufer des Immobilienbestandes sich der sozialen Verantwortung für die Mieterinnen und Mieter im Quartier stellt und auch die für Barkenberg seit vielen Jahren bestehende und bewährte Siedlungsvereinbarung fortführt. Die LEG hat zugesagt, einem Käufer dies nahezulegen.“

Stadt interessiert sich für Teilflächen, nicht fürs Gesamtpaket

Gleichzeitig habe die Stadt im Gespräch mit der LEG Interesse an unbebauten Teilflächen in Barkenberg gezeigt, „nicht aber am Wohnungsbestand“. Um welche Flächen es konkret geht? „Darüber äußert sich die Stadt öffentlich nicht, weil die Gespräche letztlich nicht abgeschlossen sind und um ihre Verhandlungsposition zu wahren.“

Hintergrund: „Es gibt ein grundsätzliches Interesse der Stadt, als mögliche Eigentümerin städtebauliche Entwicklungen auf Freiflächen stärker beeinflussen zu können, als es nur über das Planungsrecht möglich wäre.“ Deshalb sei für die Abrissflächen an der Dimker Allee bereits die Aufstellung eines Bebauungsplanes mit Veränderungssperre beschlossen worden. „Die Gespräche über unbebaute Teilflächen sind leider bis heute unverbindlich geblieben, da die LEG über einen Verkauf des Gesamtpaketes verhandelt“, so Böhne.

LEG konnte sich Verkauf von Einzelflächen nicht vorstellen

Die im Antwortschreiben an Michael Hübner signalisierte „grundsätzliche Bereitschaft der LEG, einzelne Flächen an die Stadt Dorsten zu verkaufen“, hat die Stadt in persönlichen Gesprächen nicht wahrgenommen. In Gesprächen habe die LEG gegenüber der Stadt sogar deutlich gemacht, „dass sie sich einen Verkauf von Einzelflächen losgelöst vom Wohnungsbestand nicht vorstellen kann“. „Wir werden allerdings nachfragen, ob sich die Position geändert hat“, sagt Ludger Böhne.

Die Stadt sieht die Gespräche mit der LEG als nicht abgeschlossen an. Der aktuelle Stand der Dinge könne aber möglicherweise „überholt werden vom Verkauf des Gesamtpaketes“.

Rita Zachraj, LEG-Mieterbeirätin, hat ebenfalls von den Verkaufsabsichten der LEG gehört. Sie sieht das Ganze „mit sehr gemischten Gefühlen“. Größte Sorge der LEG-Mieterbeirätin: dass eine „Heuschrecke“ den LEG-Wohnungsbestand kauft.

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