So lernen Beatmungspatienten wieder selbstständiges Atmen

St.-Elisabeth-Krankenhaus

Nicht zuletzt die Corona-Pandemie lehrt uns: Künstliche Beatmung rettet Leben. Doch häufig verlernen Patienten dadurch das Luftholen. Ihnen fällt es schwer, sich vom Gerät zu entwöhnen.

Dorsten

27.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Freuen sich mit ihrem Team und dem medizinischen KKRN-Geschäftsführer Dr. Andreas Weigand (12. v. l.) über die erfolgreiche Zertifizierung des Weaning-Zentrums: Chefärztlicher Leiter Dr. Lars Heining (8. v. l.), Dr. Norbert Holtbecker (10. v. l.) und Dr. Hermann Thomas (11. v. l.), Chefärzte der Lungenklinik Ruhrgebiet Nord, und Dr. Stefan Matzko (5. v. l.), stellvertretender Leiter des Zentrums sowie leitender Oberarzt.

Freuen sich mit ihrem Team und dem medizinischen KKRN-Geschäftsführer Dr. Andreas Weigand (12. v. l.) über die erfolgreiche Zertifizierung des Weaning-Zentrums: Chefärztlicher Leiter Dr. Lars Heining (8. v. l.), Dr. Norbert Holtbecker (10. v. l.) und Dr. Hermann Thomas (11. v. l.), Chefärzte der Lungenklinik Ruhrgebiet Nord, und Dr. Stefan Matzko (5. v. l.), stellvertretender Leiter des Zentrums sowie leitender Oberarzt. © Ralf Pieper

Diesen Patienten dabei zu helfen, hat sich der Chefarzt der Lungenklinik Ruhrgebiet Nord, Dr. Lars Heining, gemeinsam mit seinen Chefarzt-Kollegen Dr. Norbert Holtbecker und Dr. Hermann Thomas, zur Aufgabe gemacht.

Unter der Leitung von Dr. Heining wurde das Weaning-Zentrum zur Beatmungsentwöhnung im Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus und Halterner St.-Sixtus-Hospital zertifiziert – von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Damit gehört der KKRN-Klinikverbund zu den zwei einzigen Weaning-Zentren in Deutschland, die über eine Zertifizierung an zwei Standorten verfügen.

Patienten mit Risiko

Doch welche Patienten benötigen überhaupt eine künstliche Beatmung? „Vorrangig Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD“, berichtet der Chefarzt. „Aber auch Menschen, die durch Alter oder Krankheit geschwächt sind, gewöhnen sich nach einer OP oder einen Unfall schnell daran“, weiß der 44-Jährige. Dann folgt auf die Gewöhnung eine Entwöhnung.

Atmen trainieren

Bei der Beatmungsentwöhnung tastet sich das Team um Dr. Heining gemeinsam mit dem Patienten langsam vor: „Damit wir den Patienten nicht überfordern, fangen wir an, ihn erst einmal minutenweise wieder selbst atmen zu lassen – das nennt sich Spontanatmung. Diese Intervalle dehnen wir nach und nach kontrolliert aus. Das erfordert Zeit und die nehmen wir uns für den Patienten“, erklärt Dr. Heining den Prozess.

Interdisziplinär erfolgreich

Dafür braucht es ein multiprofessionelles Team: von geschulten Pflegekräften, Fachärzten, Atmungs-, Physio- und Ergotherapeuten über Logopäden bis hin zu Psychotherapeuten und Seelsorgern. Denn die Muskeln erschlaffen beim Liegen und manch ein Patient verlässt zwischendurch der Mut. Da braucht es ein interdisziplinäres Team, das Hand in Hand arbeitet, um den Beatmungspatienten von der maschinellen Unterstützung zu entwöhnen.

Verbesserte Versorgung

Mit der geprüften Qualität der zertifizierten Weaning-Abteilung schließt der KKRN-Klinikverbund, zu dem die Lungenklinik Ruhrgebiet Nord gehört, eine Lücke in der regionalen sowie überregionalen Versorgung. „Vor allem in Richtung Nordwesten gab es bisher kein solches Zentrum und somit keine Plätze zur Entwöhnung von einer Langzeitbeatmung“, erläutert der Chefarzt. Patienten mussten oft viele Kilometer weit verlegt werden. Das war nicht nur für sie selbst, sondern auch für Angehörige belastend. „Es herrschte also dringender Bedarf, den wir bereits seit geraumer Zeit an unseren beiden Klinikstandorten abdecken“, ergänzt der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbundes, Dr. Andreas Weigand.

Dadurch, dass den Patienten insgesamt 13 Beatmungsplätze in der hochmodernen Dorstener und Halterner Abteilung zur Verfügung stehen, werden zusätzlich die Wartezeiten verkürzt.

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