Gemeinsame Konzerte, wie hier bei einem Klassenvorspiel Ende 2019, wünschen sich die Schüler der Musikschule. Im Lockdown ist derzeit Distanzunterricht angesagt. © Barbara Seppi (A)
Coronavirus

So kommt die Dorstener Musikschule durch die Corona-Zeit

Digitaler Geigen- oder Schlagzeugunterricht: Die Dorstener Musikschule hat frühzeitig Instrumentalstunden auf Distanz eingeführt. Die Erfahrungen könnten auch in Zukunft wichtig werden.

Wolfgang Endrös ist ziemlich zufrieden. „Es läuft nicht so, wie gewohnt, aber es läuft“, fasst der Leiter der Musikschule die aktuelle Situation zusammen. Mitte März habe die Musikschule bereits ihre Lehrer gebeten, Möglichkeiten auszuloten, wie der Instrumentalunterricht digital weitergeführt werden kann. „Wir brauchten etwas Zeit, um zu gucken, welche Plattform sinnvoll ist und wie man die Stundenpläne gestaltet“, blickt Wolfgang Endrös zurück. Während der Einzelunterricht weiterhin sinnvoll gestaltet werden konnte, lief der Unterricht für Gruppen und Ensembles nicht wie gewohnt weiter. „Der Online-Unterricht hat auch technische Grenzen“, haben der Musikschulleiter und seine Kollegen schnell festgestellt.

Viele positive Rückmeldungen

Im ersten Lockdown kam der Musikschule bei einer flexiblen Gestaltung der Unterrichtszeiten entgegen, dass sich die Kinder zu Hause befanden und zu dieser Zeit kaum Online-Unterricht in den Schulen stattfand. „Das mit dem digitalen Unterricht hat natürlich nicht überall gleich gut geklappt. Wir mussten alle unsere Erfahrungen machen“, räumt Wolfgang Endrös ein. Allerdings habe die Musikschule vonseiten vieler Eltern eine positive Rückmeldung erhalten, die sich über die schnelle Reaktion und einen festen Termin in der Tagesstruktur freuten.

Ab Mai konnte die Musikschule dann wieder Präsenzunterricht anbieten. Dabei gab es Unterschiede zwischen den einzelnen Instrumenten. „Bei Blasinstrumenten können die Schüler keinen Mundschutz tragen. Deshalb mussten wir gemäß der Corona-Schutzverordnung größere Abstände einhalten, häufiger lüften und längere Pausen zwischen den Gruppen machen“, berichtet Wolfgang Endrös. Auch im Jekits (Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen)-Unterricht in der Grundschule konnten Klangstäbe und Triangeln nicht wie sonst einfach weitergereicht werden.

Dieses Klassenvorspiel Ende 2019 war eine der letzten Veranstaltungen vor der Pandemie. © Musikschule © Musikschule

Vor- und Nachteile im zweiten Lockdown

Auf den Lockdown ab November war die Musikschule dann eingestellt. „Komplizierter war die Situation mit den Stundenplänen durch den verstärkten Online-Unterricht in den Schulen“, nennt Wolfgang Endrös einen wichtigen Aspekt. Der Einzelunterricht habe sich eingependelt, man erreiche einen großen Prozentsatz der Schüler. Die Schüler, die üblicherweise am Gruppenunterricht teilnehmen, erhalten anteilig entsprechend der Unterrichtszeit der Gruppe Einzelunterricht. Teilweise gebe es unter anderem durch die Fördergelder der Jekits-Stiftung Kapazitäten, um diese Zeit zu verlängern.

Der eigentlich für vergangenen April geplante Tag der offenen Tür musste im Lockdown ebenfalls ausfallen. „Gerade für die Jekits-Kinder, die in der zweiten Klasse ein Instrument wählen, ist es wichtig, verschiedene Instrumente auszuprobieren“, erläutert Wolfgang Endrös. Aufgrund der Unterstützung durch die Dorstener Grundschulen sei es dennoch gelungen, viele Kinder für das zweite Jekits-Jahr zu begeistern.

Wolfgang Endrös ist Leiter der Dorstener Musikschule.
Wolfgang Endrös ist Leiter der Dorstener Musikschule. © Bastian Becker © Bastian Becker

„Wir hatten natürlich etwas weniger Anmeldungen, aber bewegen uns angesichts der Situation auf einem guten Niveau“, stellt der Musikschulleiter fest. Auch in diesem Jahr gestaltet sich der Jekits-Unterricht in der ersten Klasse, der aus einer wöchentlichen Musikstunde im Klassenverband besteht, schwierig. „Wir hoffen darauf, dass irgendwann der Präsenzunterricht wieder möglich ist und wir dann den Jekits-Unterricht etwas intensiver gestalten können“, sagt Wolfgang Endrös.

Musikschule will digitale Erfahrungen in Zukunft nutzen

Doch auch die Musikschule muss in Pandemie-Zeiten vereinzelte Abgänge verzeichnen. „Es bleibt nicht aus, dass einige die Lust verlieren. Das ist ein Problem in der ganzen Gesellschaft. Auch in Sportvereinen wird der eine oder andere nicht wiederkommen“, ordnet das Wolfgang Endrös ein. Gerade für jüngere Kinder seien teilweise auch soziale Kontakte Motivation für den Musikunterricht.

Generell will die Musikschule die Erfahrungen mit dem Digitalunterricht in der Zukunft nutzen. „Sinnvoll für die Zukunft ist sicherlich eine Art Hybridmodell. Man sollte die Erfahrungen nicht in der Schublade verschwinden lassen, sondern gezielt und sinnvoll einsetzen“, glaubt Wolfgang Endrös. Wenn Präsenzunterricht nicht möglich ist, zum Beispiel bei einem Schüleraustausch, könne man auf digitalen Unterricht ausweichen. Außerdem habe sich gezeigt, dass man bei jungen Schülern im Digitalunterricht die Eltern gut einbeziehen kann. „Manche Eltern kriegen jetzt mit, was im Unterricht gemacht wird, und können den Kindern helfen“, so Wolfgang Endrös. Diese Möglichkeit könnte in Zukunft weiter genutzt werden, um Eltern zu zeigen, was im Unterricht passiert.

Ensembles wie das Sinfonieorchester können im Moment nicht gemeinsam proben. © privat © privat

Hoffnung auf ein Ende der Ungewissheit

Gerade die Honorarkräfte und freien Mitarbeiter unter den Lehrern hätten sich gefreut, weiter Geld verdienen zu können. „Der Unterricht läuft aus unserer Sicht oft sehr gut, aber es gibt immer wieder Schwierigkeiten“, berichtet Wolfgang Endrös, selbst Cellolehrer. Diese sind nicht nur technischer Natur. Was passiert etwa, wenn ein Instrument verstimmt oder eine Saite gerissen ist? Bei manchen Instrumenten, wie dem Schlagzeug, mache sich auch der klangliche Unterschied bemerkbar.

Was aber allen Musikern fehlt, ist die Motivation durch das Ziel eines eigenen Auftritts. „Das müssen wir irgendwie kompensieren. Wir sind an einem Punkt, an dem es mit dem Warten wirklich kritisch wird“, hofft Wolfgang Endrös auf ein baldiges Ende der Ungewissheit.

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Bastian Becker

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