1949 schalteten Einzelhändler noch fleißig Werbung in der Zeitung für ihren „Goldenen Sonntag“. © Stadtarchiv Dorsten
Geschichte

Shoppen an drei Adventssonntagen – Archivfunde zeigen: Früher ging das

Einheitliche Regelungen zu den Ladenöffnungszeiten gibt es seit 1957. Der Kupferne Sonntag zählte einst zu den verkaufsstärksten Tagen. Der Wandel lässt sich durch Archivfunde nachzeichnen.

Diskussionen um Ladenöffnungszeiten gab es immer schon, auch in Dorsten. Ab Oktober 1989 durften Geschäfte statt bis 18.30 Uhr länger öffnen, nämlich bis 20.30 Uhr. Der lange Donnerstag war aber mäßig erfolgreich in Dorsten. Ein Zeitungsbericht lässt am 18. Januar 1990 Einzelhändler zu Wort kommen.

Der lange Donnerstag – „nicht so erfolgreich, wie erhofft“

„Erste Geschäfte ab 18.30 Uhr wieder dunkel“ titelt die Zeitung. „Wir haben noch nicht einmal den Strom rausgekriegt“, wird die Buchhandlung König zitiert.

Der heute 85-jährige Heinz Kleine-Voßbeck kann sich auch noch an den „SchLaDo“ erinnern. Als Juwelier im Lippetor-Center habe er „vielleicht ein halbes Jahr“ sein Geschäft donnerstags länger geöffnet, aber gelohnt habe es sich nicht. „Es war nicht so erfolgreich, wie erhofft“, rekapituliert er die Phase des langen Donnerstags.

Mit der Lockerung der Ladenöffnungszeiten ab 1. November 1996 entfiel der lange Donnerstag, Geschäfte durften wochentags bis 20 Uhr und samstags bis 16 Uhr öffnen.

Vor 1957 durfte an den Adventssonntagen noch geshoppt werden

Stadtarchivar Martin Köcher hat bei seiner Recherche aber noch ganz andere Schätze gehoben. Shoppen am Adventssonntag ist mitnichten eine Entwicklung unserer modernen, durchkommerzialisierten Gegenwart. Schon 1949, das belegen zeitgenössische Anzeigen, öffneten in Dorsten an den letzten drei Adventssonntagen die Geschäfte ihre Pforten. Am Kupfernen, Silbernen und Goldenen Sonntag konnten die Dorstener erste Weihnachtsbesorgungen machen.

Nach kurzem Überlegen kann sich auch Heinz Kleine-Voßbeck an die Zeit erinnern. „Das muss doch in den goldenen 50ern gewesen sein.“

Ganz falsch liegt er mit seiner Einschätzung nicht. Jedoch wurden die Sonntage mit Einführung des Ladenschlussgesetzes just zu Zeiten des Wirtschaftswunders, und zwar 1957, abgeschafft.

Bezahlen mit Kupfermünzen

Ein Zeitungsartikel (3.12.1955) gibt Aufschluss über die Wort-Herkunft des Kupfernen Sonntags. „Am dritten Sonntag vor Weihnachten pflegte man früher“, heißt es dort, „die ersten Einkäufe zu erledigen, Kleinigkeiten zu kaufen, die man mit Kupfermünzen bezahlen konnte.“

Der Leser erfährt auch, dass es bereits 1955 eine Debatte über die verkaufsoffenen Sonntage gab. In machen Städte werde es dieses Jahr keinen „Kupfernen“ geben, „weil der Bundestag der Ansicht war, daß zwei verkaufsoffene Sonntage vor Weihnachten genügten.“ Den Bundesrat habe das Gesetz aber nicht rechtzeitig passiert, weshalb die Gemeinden 1955 nochmal eigenständig hätten entscheiden dürfen. Dass der Bundesrat dem Gesetz nicht zustimmen würde, konnten die Verfasser des Artikels damals noch nicht wissen.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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