Seniorin überfallen: Falsche Polizisten wurden jetzt verurteilt

dzLandgericht Essen

Eine 82-jährige Frau wird nachts aus ihrem Bett geholt, bedroht und ausgeraubt. Am Dienstag sind die Täter verurteilt worden.

Dorsten/ Essen

, 01.10.2019, 14:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Tat muss der absolute Albtraum gewesen sein. Anfang des Jahres wurde eine 82-jährige Frau aus Wulfen mitten in der Nacht aus ihrem Bett geholt, mit einem Messer bedroht und ausgeraubt. Jetzt müssen die Täter – eine Frau und ein Mann – ins Gefängnis.

Das Essener Landgericht hat den 30-jährigen Dorstener zu acht Jahren und zehn Monaten Haft verteilt. Seine 32-jährige Ex-Freundin kam mit sieben Jahren und neun Monaten Haft davon.

Beide hatten damals zunächst auf den „Falsche-Polizisten-Trick“ gesetzt. Sie waren im Auftrag einer internationalen Bande bei der 82-Jährigen aufgetaucht. Ein Anrufer, der sich als Kriminalbeamter ausgegeben hat, hatte der Seniorin zuvor erzählt, dass sie ganz oben auf der Liste einer Einbrecherbande stünde. Deshalb würde eine Polizistin vorbeikommen, um die Wertgegenstände in Empfang zu nehmen und so in Sicherheit zu bringen.

Täter kamen nachts um drei

Die Wulfenerin war jedoch auf Zack. Als die Angeklagte kurz nach dem Anruf bei ihr auftauchte, verlangte sie erstmal den Dienstausweis. Als ihr der nicht gezeigt werden konnte, verschloss sie die Tür.

Nur wenige Tage später war die 32-jährige Angeklagte jedoch wieder da. Diesmal kamen sie und ihr Ex-Freund um drei Uhr in der Nacht. Erst brachen sie die Eingangstür auf, dann die Schlafzimmertür, die ebenfalls verschlossen war. Die Seniorin musste sich im Esszimmer auf einen Stuhl setzen, während ihre Wohnung auf den Kopf gestellt wurde.

„Es ist irgendwie alles aus den Fugen geraten“, sagte Verteidiger Andreas Kabut, der im Prozess den 30-jährigen Dorstener vertrat. „Das war so nicht geplant.“ Eigentlich sei man davon ausgegangen, dass niemand zu Hause sei. Die Angeklagten seien Einbrecher und Betrüger, aber keine Räuber.

Richter: „Völlig skrupellos“

Das sahen die Richter jedoch anders. Die Tat sei „völlig skrupellos gewesen“, hieß es im Urteil. „Wo soll man einen Menschen mehr verletzten, als im eigenen Schlafzimmer?!“ Die Angeklagten hätten sich bewusst eine „wehrlose Frau“ ausgesucht. „Viel schlimmer geht es nicht."

Die Angeklagten selbst hatten im Prozess Geständnisse abgelegt und die Seniorin um Entschuldigung gebeten. Zu ihren Opfern hatten auch noch weitere Senioren gehört, bei denen der „Falsche-Polizisten-Trick“ sofort funktionierte. Einmal erbeuteten sie 8000 Euro, ein anderes Mal Schmuck im Wert von 30.000 Euro. In Wulfen belief sich die Beute auf 1000 Euro und Schmuck. Außerdem ging es im Prozess um Einbrüche in Spielhallen und Büros. Hintergrund war die Drogenabhängigkeit der beider Angeklagten.

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