Eine zusätzliche Impfstofflieferung ermöglicht es im Kreis Recklinghausen einigen über 80-Jährigen, ihren Impftermin vorzuverlegen. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Senioren verzweifeln: Keine frühere Impfung ohne Buchungscode?

Es gibt gerade mehr Impfstoff und deshalb den Appell an über 80-Jährige, ihre Termine einfach vorzuverlegen. Soweit die Theorie. Die Praxis an der Hotline sah zunächst ganz anders aus.

Die Aussicht, den erst für Ende April vereinbarten Impftermin deutlich vorziehen zu können, weil der Kreis Recklinghausen kurzfristig eine größere Menge Biontech-Impfstoff zusätzlich bekommen hat, weckte große Hoffnungen bei einer 94-jährigen Dorstenerin. Sollte sie tatsächlich bis zum 95. Geburtstag gegen Corona geimpft sein?

Nach dem frühen Studium der Donnerstags-Zeitung setzte sich die alte Dame direkt ans Telefon. Wie vom Kreis Recklinghausen empfohlen, wählte sie die Hotline-Nummer der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Ihr Sohn meldete sich anschließend verärgert in der Redaktion der Dorstener Zeitung: „Meiner Mutter wurde am Telefon mitgeteilt, dass es solche vorgezogenen Termine nicht gibt.“ Die gleiche Erfahrung wie Familie Kaschel machte auch das Ehepaar Heinze. Alle fühlten sich veräppelt – von einer vermeintlichen Falschmeldung der Zeitung.

1. Hürde: Ein Fehler im Computerprogramm der KVWL

Die Redaktion fragte beim Kreis nach. Pressesprecherin Svenja Küchmeister konnte berichten, dass im Computerprogramm der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) am Morgen noch ein Fehler bestanden habe, der sei inzwischen ausgemerzt und die Termin-Verlegung nun problemlos genauso möglich, wie es in der Zeitung gestanden habe.

Familie Kaschel versuchte es also erneut – und scheiterte aus dem gleichen Grund wie vor ihnen auch schon die Heinzes: Sie hatten ihren Impftermin vor einigen Wochen telefonisch vereinbart und anders als die Online-Bucher keinen Buchungscode bekommen. Ohne Buchungscode sei eine Verlegung des Termins allerdings nicht möglich, wurde ihnen an der Hotline beschieden.

2. Hürde: Ohne Buchungscode keine Terminverlegung

Am Mittag dann konnte Andreas Daniel, Leiter des Stabsbereichs Strategie und Grundsatzfragen der KVWL, Entwarnung geben: „Ab sofort können über 80-Jährige Umbuchungen auf frühere Termine auch ohne Buchungs-Code vornehmen.“ Das gilt, solange der Vorrat an Impfstoff und freien Terminen reicht.

Für die Unannehmlichkeiten und die vergeblichen Anrufe am Donnerstagvormittag könne er sich im Namen der KVWL nur entschuldigen, erklärte Daniel. Er warb aber gleichzeitig auch um Verständnis dafür, dass bei einem Buchungssystem für 800.000 bereits vereinbarte Termine nicht immer alles glatt laufe: „Leider ist unser System nicht so flexibel, wie man es sich angesichts schnell wechselnder Lagen manchmal wünschen würde.“ Man sei zu Beginn der Impfkampagne nicht davon ausgegangen, dass das Buchungssystem auch im größerem Umfang Umbuchungen erlauben müsse.

3. Hürde: Gibt es kurzfristig noch freie Termine?

Fazit: Über 80-Jährige, die ihren Impftermin vorziehen wollen, sollten das unter der Rufnummer (0800) 11611702 schnell versuchen. Noch seien Termine frei und alle Hotline-Mitarbeiter entsprechend unterrichtet, verspricht Andreas Daniel.

Vielleicht bekommt Frau Kaschel doch eine Impfung als Geburtstagsgeschenk.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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