19 Corona-Patienten werden aktuell im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten behandelt. © Claudia Engel
Coronavirus

Sechs Mitarbeiter des St. Elisabeth-Krankenhauses sind mit Corona infiziert

Im Marler Marien-Hospital werden ab sofort geplante Operationen verschoben. So weit ist man in den Kliniken in Haltern und Dorsten noch nicht. Aber auch hier ist die Arbeit kräftezehrend.

Die Haltung von Guido Bunten zu den Bürgern, die sich mitten in der Corona-Pandemie ohne Masken zu Demonstrationen für die Freiheit treffen, wie beispielsweise gerade in Dorsten geschehen, ist eindeutig. „Von ihnen arbeitet wohl keiner in einem Krankenhaus und versorgt Corona-Patienten“, sagt der Prokurist des Krankenhausverbundes Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord (KKRN) mit Standorten in Haltern, Dorsten, Marl und Westerholt.

Die Pflege dieser Patientengruppe sei ein „hartes Geschäft“, das unter anderem durch das notwendige Tragen von Schutzausrüstung inklusive Atemmasken erschwert werde. Die Lage an allen vier Klinikstandorten des Verbundes sei angespannt. Guido Bunten betonte allerdings auch, dass man die Lage nach wie vor im Griff habe.

Große Anstrengungen notwendig

Dies ist aber nur aufgrund von großen Anstrengungen möglich. Dazu gehören nicht nur Maßnahmen von der Schaffung von Corona-Stationen bis hin zu Hygieneregeln, sondern auch die Tatsache, dass schon Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt werden mussten, um den Betrieb aufrecht zu halten.

Aufgrund des erhöhten Arbeitsaufkommens und der durch Quarantäne verschärfen Personalsituation müsse man in Einzelfällen auf Mitarbeiter aus Zeitarbeitsfirmen zurückgreifen. Sie würden vor allem im Ärztlichen Dienst und im Pflegedienst eingesetzt.

Zusätzlich wendet das KKRN die vom RKI erklärte Möglichkeit an, Personal einzusetzen, das direkten Kontakt zu Covid-Patienten hatte und als Kontaktperson der Kategorie 1 eigentlich 14 Tage in Quarantäne müsste. In Ausnahmefällen sei ein Arbeitseinsatz bei Kranken- und Pflegekräften möglich, so das RKI.

Die Landesregierung veröffentlichte erst kürzlich (20.11) Zahlen zu dem Thema. Demnach wurde im Kreis Recklinghausen zwischen April und dem 27.10. in 222 Fällen von der Regelung Gebrauch gemacht.

Vor allem Mitarbeiter der Pflege habe man im St.-Elisabeth-Krankenhaus vereinzelt einsetzen müssen, obwohl sie als Kontaktperson der Kategorie 1 ermittelt wurden. Guido Bunten betont, dass die Tätigkeitsaufnahme freiwillig sei und nur nach einem negativen POC und PCR-Test, ohne Krankheitssymptome, „bei einer Systemrelevanz unter erhöhtem Schutzaufwand“ – etwa dem verpflichtendem Tragen einer FFP2-Maske – erfolgte. Von der Quarantäne entbunden, seien die Mitarbeiter dann trotzdem nicht.

Die nackten Zahlen zeigen, wie ernst die Lage ist

Wie viele emotionale Belastungen für alle Beteiligten mit der aktuellen Krisensituation verbunden sind, kann man angesichts der nackten Zahlen vom Donnerstag (3. Dezember) nur erahnen.

  • Dorsten: Von 650 Mitarbeitern im St. Elisabeth-Krankenhaus sind sechs mit Corona infiziert. 19 Covid-19-Patienten werden betreut, vier befinden sich auf der Intensivstation.
  • Haltern: Von 340 Mitarbeitern im Sixtus-Hospital sind zwei mit Corona infiziert. Es werden zwei Corona-Patienten versorgt, einer davon auf der Intensivstation.
  • Marl: Von 750 Mitarbeitern im Marien-Hospital sind 39 positiv auf Corona getestet. 18 Corona-Patienten liegen in diesem Krankenhaus, drei auf der Intensivstation.
  • Westerholt: Von 220 Mitarbeitern im Gertrudis-Hospital sind acht positiv getestet. 13 Corona-Patienten werden betreut. Bisher musste von ihnen keiner auf die Intensivstation umgelegt werden.

Seit dem 18. November müssen sich Besucher testen lassen, bevor sie einen Patienten besuchen. Bis zum Monatsende (30.11.) haben die Mitarbeiter 234 Antigen-Schnelltests bei Besuchern in Dorsten durchgeführt. „Alle Tests waren negativ“, so Guido Bunten.

Auch die Mitarbeiter können sich alle 14-Tage testen lassen, in besonderen Bereichen, wie Intensivstationen und Isolierbereichen, sogar noch häufiger. Bei Symptomen sei ein Schnelltest grundsätzlich direkt möglich. In Dorsten wurden bis Ende November 361 Mitarbeiter getestet. Eines der Testergebnisse war positiv.

In Marl werden Operationen verschoben

Aufgrund der verschärften Infektionslage sieht sich das Marler Marien-Hospital in Absprache mit dem Gesundheitsamt des Kreises Recklinghausen gezwungen, alle geplanten Operationen abzusagen und auch das Notfallprogramm einzuschränken. Absolute Notfälle wie beispielweise Herzinfarkte oder auch die Versorgung der Dialysepatienten seien von dieser Maßnahme nicht betroffen.

„Wir hoffen, dass der Impfstoff jetzt schnell kommt“, sagt Guido Bunten. Dreimal pro Woche trifft sich der Krisenstab des KKRN, um flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren. Mit einiger Sorge sieht man hier der Zeit um Weihnachten und dem Jahreswechsel entgegen. „Wir sind vorbereitet“, sagt Guido Bunten.

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Redaktion Haltern
Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen und hinter jeder Zahl steckt eine ganze Welt. Das macht den Journalismus für mich so spannend. Mein Alltag im Lokalen ist voller Begegnungen und manchmal Überraschungen. Gibt es etwas Schöneres?
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Silvia Wiethoff
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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