Das Landgericht Essen: Hier entscheidet sich die Zukunft des Angeklagten aus Barkenberg. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Schwert und Drogen in der Wohnung: Angeklagter kann trotzdem aufatmen

Die Anklage hatte es in sich: Einem Mann aus Wulfen-Barkenberg war Drogenhandel mit Waffen vorgeworfen worden. Mindeststrafe: fünf Jahre Haft. Doch jetzt könnte alles ganz anders kommen.

Das Marihuana lag in einem Eimer, versteckt im Schlafzimmerschrank. Nach einer Razzia in einer Wohnung in Wulfen-Barkenberg muss sich ein 27-Jähriger seit der vergangenen Woche in Essen vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Drogenhandel mit Waffen. Die Ermittler hatten nämlich auch noch ein Schwert, einen Teleskopschlagstock und vier Messer gefunden. Mindeststrafe: fünf Jahre Haft. Doch jetzt kann der Angeklagte aufatmen.

Keine Hinweise für Drogenverkauf

Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen nur noch von Drogenbesitz aus. Der Handel könne nicht nachgewiesen werden. „Es wurde nichts gefunden, was darauf hindeutet“, so der Ankläger am Mittwoch. „Kein Verpackungsmaterial, keine Waage, kein Bargeld in kleiner Stückelung.“

Auch die Auswertung der Handys habe nichts ergeben. Sein Strafantrag: anderthalb Jahre Haft auf Bewährung.

Für die Verteidigung ist aber auch das noch zu hoch. Aus ihrer Sicht könne man es auch bei einer Geldstrafe belassen. Schließlich seien keine riesigen Mengen Marihuana gefunden worden, sondern nur rund 80 Gramm.

Der Angeklagte hatte sich das Rauschgift am zweiten Verhandlungstag zwar zurechnen lassen, weil es in seiner Wohnung gefunden worden ist. Gekauft und konsumiert haben will er es aber nicht.

Wohnung war ein Shisha-Treff

„Seine Wohnung wurde von einer Vielzahl von Personen genutzt“, so Verteidiger Hans Reinhardt. „Sie war ein regelrechter Sisha-Treff.“ Deshalb habe es sogar schon massive Beschwerden des Verwalters gegeben. Den Richtern wurden sogar Fotos präsentiert, auf denen zahlreiche Personen beim gemeinsamen Rauchen zu sehen sind. Der Zugang zur Wohnung soll über einen der Brüder des Angeklagten erfolgt sein.

Der 27-Jährige selbst will nach eigenen Angaben überhaupt keine Drogen konsumiert haben. Grund sei unter anderem eine chronische Darm-Erkrankung. Auch sonst hatten es der Angeklagte und seine neun Geschwister angeblich nicht leicht. Der Vater wurde in die Türkei abgeschoben, die Mutter ist vor sieben Jahren gestorben.

Zukunft im Objetzschutz

Trotzdem hat der 27-Jährige sein Leben inzwischen angeblich in den Griff bekommen. Der Tiefpunkt seiner Erkrankung liegt offenbar hinter ihm. Jetzt bemüht er sich um einen Job im Objektschutz. Die entsprechende Ausbildung hat er bereits absolviert, die ersten Bewerbungsgespräche stehen angeblich unmittelbar bevor. Außerdem ist er verlobt und will demnächst heiraten.

Seine Verlobte muss allerdings demnächst ebenfalls vor Gericht – weil auch in ihrer Wohnung Marihuana gefunden wurde. Dieser Prozess soll allerdings am Amtsgericht in Dorsten stattfinden.

Im aktuellen Verfahren am Essener Landgericht soll das Urteil am Freitag gesprochen werden.

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