Zahnärzte schlagen Alarm: Schutzmasken fast 1000 Prozent teurer

dzCoronavirus

Viele Zahnärzte in Dorsten haben sich wegen der Corona-Krise eine Zwangspause verordnet. Der Schutz von Mitarbeitern und Patienten steht im Vordergrund. Das ist auch eine Frage des Geldes.

Dorsten

, 02.04.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dr. Swantje Engels hat ihre Praxis in Wulfen für 14 Tage geschlossen und wird wohl auch Kurzarbeit anmelden müssen. „Wir dürfen nur noch dringend erforderliche Behandlungen vornehmen. Die so wichtige Prophylaxe ist derzeit nicht möglich“, erklärt sie.

Viele Kollegen in Dorsten machen es notgedrungen genauso, „aber die zahnärztliche Versorgung in Dorsten ist natürlich sichergestellt“, betont die Sprecherin der Zahnärzte-Vereinigung. „Wir haben uns sehr gut abgesprochen.“

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Schon vor der Corona-Krise mussten in den Praxen strenge Hygienevorschriften eingehalten werden. „Dieser teilweise enorme Aufwand, der weit über das plakative Tragen von Schutzkleidung und Aufstellen von Desinfektionsspendern hinausgeht, zahlt sich jetzt aber aus“, glaubt Swantje Engels. „Der Hygienestandard der Praxen, die sich im Verein Dorstener Zahnärzte zusammengeschlossen haben, ist zuverlässig.“

Preise für Schutzmasken sind explodiert

Die persönliche Schutzausrüstung (Maske und Schutzkleidung) ist derzeit allerdings nur eingeschränkt verfügbar. Die Zahnarztsprecherin berichtet von horrenden Preisen. „Für 200 zertifizierte Masken sollte ich 1800 Euro bezahlen“, sagt sie. Das sind neun Euro für eine Maske, die sonst nicht einmal einen Euro kostet - eine Steigerung von fast 1000 Prozent.

Zahnärztin Swantje Engels hat ihre Praxis für 14 Tage geschlossen.

Zahnärztin Swantje Engels hat ihre Praxis für 14 Tage geschlossen. Sie beklagt die teilweise horrenden Preise für Schutzartikel. © Guido Bludau (A)

Mit der Bestellung wäre sie etwa einen Monat über die Runden gekommen. Die Wulfener Medizinerin und ihre Kollegen haben jetzt einen anderen Weg für eine Sammelbestellung gefunden - zu deutlich besseren Konditionen.

Jede geplante Behandlung wird kritisch überprüft

Aber die vergleichsweise hohe Ansteckungsgefahr, die von dem neuen Virus ausgeht, erfordert weitere Vorsichtsmaßnahmen. So wird zurzeit kritisch bei jeder Behandlung geprüft, ob sie zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist. „Eine Vermeidung von möglicherweise infektiösen Aerosolen durch den Verzicht auf entsprechend risikoreiche Behandlungen wird mit den Patienten besprochen - und das Verständnis der Patienten ist beeindruckend“, sagt Swantje Engels.

Zur Sache

Maske ist nicht gleich Maske

Ärzte nutzen bei ihrer Arbeit zertifizierte FFP2-Schutzmasken. Selbst genähte Masken dürfen hingegen nicht als „Schutz“ bezeichnet werden. Der Fernsehsender n-tv hat berichtet, dass Abmahnanwälte sich offenbar die Bezeichnung „Mund-Nase-Schutz“ (MNS) vorgenommen haben: Der Begriff „Schutz“ sei demnach eine Widmung, die Medizinprodukten vorbehalten sei, also Masken, die klinisch bewertet wurden. Das ist bei selbst genähten Stoffmasken nicht so. Unproblematisch seien Begriffe wie Mundbedeckung, Mund- und Nasen-Maske oder Behelfsmaske.

Um volle Wartezimmer oder größere Ansammlungen im Rezeptionsbereich zu vermeiden, werden die Patienten in allen Zahnarztpraxen aufgefordert, nur nach telefonischer Vereinbarung zu kommen. „Auch diese Einschränkung wird in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle mitgetragen, und so kann die Sicherheit vor einer gegenseitigen Ansteckung deutlich erhöht werden.“

Video-Sprechstunde bei Dr. Schlotmann

Für die Zahnmedizinische Tagesklinik Dr. Schlotmann hat sich der Alltag laut einer Mitteilung nur geringfügig verändert. Trotz des schon hohen Hygienestandards seien intern alle Hygienemaßnahmen noch weiter verschärft worden.

Die Zahnmedizinische Tagesklinik Dr. Schlotmann hat schon vor Wochen ausreichend Schutzartikel für die nächsten Monate eingekauft.

Die Zahnmedizinische Tagesklinik Dr. Schlotmann hat schon vor Wochen ausreichend Schutzartikel für die nächsten Monate eingekauft. © privat

Als besondere Maßnahme ist eine Video-Sprechstunde eingeführt worden. Sie ermöglicht den Patienten, Besprechungstermine per Videocall bequem von Zuhause wahrzunehmen. Zum Schutz der Patienten und der Behandlerteams tragen Zahnärzte und Assistenzen bei Behandlungen OP-Schutzhauben und Schutzkittel, Gesichtsvisiere sowie FFP2-Masken.

„Schon vor Wochen wurden die Lager mit ausreichend Schutzartikeln für die nächsten Monate gefüllt“, sagt Luca Schlotmann. Die Schutzvisiere werden mit Hilfe des 3D-Druckers selber hergestellt. Luca und Lennart Schlotmann betonen, dass „unsere Hygienemaßnahmen höher sind als vom Robert-Koch-Institut vorgeschrieben. Viele Patienten sind uns so dankbar, dass wir gerade jetzt für sie da sind und keine Panik verbreiten.“

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