Im Notfall müssen Rettungswagen binnen weniger Minuten am Unfallort sein. Dorsten schneidet in einem Städtevergleich gut ab, aber optimal ist die Versorgung noch nicht. © Guido Bludau
Rettungseinsätze

Schnelle Hilfe im Notfall: Dorsten will noch besser werden

Wenn ein Rettungswagen zu einem Notfall gerufen wird, können Sekunden über Leben und Tod entscheiden. In einem Städtevergleich schneidet Dorsten gut ab, doch beruhigend ist das nicht.

Zwölf Minuten – mehr Zeit sollte zwischen dem Notruf und dem Eintreffen des Rettungswagens nicht vergehen. Zumindest nicht in 95 Prozent der Fälle. Das hat das Land Nordrhein-Westfalen festgelegt. Dorsten schneidet in einem Städtevergleich gut ab, die Zahlen, die das Institut der Deutschen Wirtschaft kürzlich veröffentlicht hat, sind allerdings mit Vorsicht zu genießen.

Zwei Zeitfresser wurden nicht berücksichtigt

„Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat nur die reine Fahrzeit der Rettungswagen verglichen“, sagt der Leiter der Hauptfeuer- und Rettungswache in Dorsten, Andreas Fischer. Nicht berücksichtigt wurden zwei andere Zeitfresser: zum einen die Zeit zwischen dem Eingang des Notrufs und der Alarmierung des Rettungswagens (Dispositionszeit), zum anderen die Zeit zwischen Alarmierung und Abfahrt des Rettungswagens (Ausrückzeit).

Gleichwohl sind die Unterschiede, die sich in der so entstandenen interaktiven Karte ablesen lassen, beträchtlich. In Dortmund beispielsweise beträgt die verglichene Zeitspanne 7,9 Minuten, in Haltern am See nur 5,8 Minuten. In Dorsten dauert es demnach in 95 Prozent der Fälle maximal 7,6 Minuten, bis die Helfer vor Ort sind. Die Unterschiede scheinen gering zu sein, am Ende aber können genau sie es sein, die dafür sorgen, dass jemand gerettet wird oder aber nicht.

Dritte Rettungswache soll nach Lembeck

Dorstens Feuerwehr rechnet allerdings anders, und zwar auf Grundlage des Rettungsdienstbedarfsplanes. Gerade im Norden von Dorsten kann es schon mal eng werden, spätestens nach zwölf Minuten vor Ort zu sein. Deshalb hat der Kreis Recklinghausen vor einem Jahr entschieden, in Lembeck eine dritte Rettungswache einzurichten, die rund um die Uhr besetzt ist. Bisher gibt es solche Stützpunkte nur in Wulfen und an der Hauptfeuerwache.

Ob es einen Neubau gibt oder Kapazitäten am Lembecker Feuerwehrgerätehaus geschaffen werden, ist auch ein Jahr nach der Grundsatzentscheidung offen. „Es gibt mehrere Optionen, die Grundstücksverhandlungen laufen noch“, bestätigte Stadtsprecher Christoph Winkel auf Anfrage.

Doch nicht nur kurze Wege können im Ernstfall Leben retten. Wichtig ist auch, dass diese Wege frei sind. Immer wieder, bestätigt Andreas Fischer, komme es vor, dass parkende Autos oder andere Hindernisse die Rettungswege blockieren.

Nach einem Unfall zwischen Wulfen und Lippramsdorf suchten die Einsatzkräfte Ende April den Ort des Geschehens.
Nach einem Unfall zwischen Wulfen und Lippramsdorf suchten die Einsatzkräfte Ende April den Ort des Geschehens. © Guido Bludau (A) © Guido Bludau (A)

Die Fahrtroute zu den Einsatzstellen schickt die Kreisleitstelle auf die Navigationssysteme der Notarzt-, Rettungs-, und Krankenwagen. Doch auch das bietet keine letzte Sicherheit, dass die Helfer auf schnellstem Wege am Ort des Geschehens sind. Viele Minuten suchten Einsatzkräfte Ende April eine Unfallstelle auf der B 58 zwischen Wulfen und Lippramsdorf, weil die Angaben von Zeugen wohl etwas ungenau waren.

Bedenken gegenüber globalem Adresssystem

Um solche Fälle zu verhindern, nutzen mittlerweile auch einige Feuerwehren vor allem im süddeutschen Raum das globale Adresssystem „What3words“. Die Idee: Mit nur drei Worten lässt sich jeder Ort nahezu exakt bestimmen. Für die Rettungskräfte in Dorsten kommt das aber wohl nicht infrage. Stadtsprecher Ludger Böhne nannte damals „datenschutzrechtliche Bedenken“.

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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