Zwei Pflanzenkübel, umgeben von Schotter: Diese Form der Vorgartengestaltung, wie hier in Holsterhausen, ist rechtswidrig. © Claudia Engel
Novelle Landesbauordnung

Schluss mit Schotterbeeten: Rechtswidriges Treiben wird beendet

Schotterbeete sind rechtswidrig. Das schert viele Hauseigentümer aber nicht. Die NRW-Bauministerin hat jetzt eine Novelle zur Landesbauordnung vorgelegt. Sie macht Steinwüsten ein Ende.

Bruno Lindemann aus Dorsten ist kein Freund von Schotterwüsten vor Häusern. Oder von asphaltierten Vorgärten, die Stellplätzen für Kraftfahrzeuge geopfert werden. „Ist es nicht sinnvoller, wenn die Versiegelung schon bei der Baugenehmigungsvergabe vermieden wird, statt nach der umweltschädlichen Fertigstellung?“

Diese Frage stellte Lindemann aufgrund unseres Berichtes über den auch in Dorsten feststellbaren Trend, wonach immer mehr Hauseigentümer graues Gestein statt grün-bunte Gartenzier bevorzugen. NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) hat die Frage von Bruno Lindemann diese Woche unverhofft beantwortet. Sie sagte bei der Vorstellung der Novelle der Landesbauordnung, dass ab 2021 Maßnahmen gegen Schottergärten greifen sollen. „Dem Grunde nach sind sie heute schon nicht zulässig“, betonte die Ministerin. Jetzt schon sei vorgeschrieben, nicht überbaute Flächen zu begrünen und wasseraufnahmefähig zu gestalten.

Bauämter ahnden Verstöße häufig nicht

Verstöße, so die Ministerin, würden aber häufig nicht geahndet – etwa wegen mangelnder Kapazitäten oder anderer Prioritäten der kommunalen Behörden. Künftig soll die Prüfung, wie die Vorschriften regelgerecht umgesetzt werden, schon im Baugenehmigungsverfahren verankert werden, kündigte die Ministerin für 2021 an. Am 1. Juli des kommenden Jahres soll die neue Landesbauordnung in Kraft treten.

Umweltausschussvorsitzender Friedhelm Fragemann kennt die Diskussion um die „Gärten des Grauens“. Er fordert, dass Eigentümer in Dorsten „härter angegangen werden müssten“. Gleichzeitig müsse man die Menschen dazu bewegen, „Grün mehr Lebensraum zu gewähren“. In der kommenden Umweltausschusssitzung (15.12.) will er das Thema unter Bekanntgaben aufs Tapet bringen.

Sorge um Artenvielfalt, um Vögel und Insekten

Die Eheleute Bardelle in Dorsten sorgen sich angesichts der zunehmend durch Steine ruinierten Flächen um die Artenvielfalt. Insekten oder Vögel können in solchen „Lebensräumen“ nicht mehr gedeihen. „Wir müssen erkennen, dass die Anzahl unser heimischen und Zugvögel permanent sinkt. Das dies auch mit den Schotter- und Steingärten – den ökologischen Wüsten unserer Vorgärten – im Zusammenhang steht, wird zu wenig thematisiert“, schreibt uns Ulrich Bardelle.

Nicht allein die Aufheizung der Städte durch die Wärme speichernden Steine mache allen Lebewesen zu schaffen. „In den naturfernen Schottergärten können Insekten und Würmer nicht leben. Vögel finden deshalb immer weniger Nahrung bzw. einen gesunden Lebensraum für sich, in dem sie auch Brüten könnten. Und unsere bestäubenden Insekten, wie beispielsweise die Bienen, brauchen Blüten und keine Gärten des Grauens“, sagt Bardelle.

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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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