Rundgang „Denk mal!“ richtete den Blick auf die Denkmäler der Stadt

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Denkmäler und Stolpersteine: Bei einer Führung durch die Altstadt wurde der Blick auf das gelenkt, was im Alltag häufig untergeht.

Dorsten

, 23.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler“, schrieb der Schriftsteller Robert Musil einst. Das Zitat nahm Dr. Norbert Reichling, Vorsitzender des Trägervereins des Jüdischen Museums, zum Anlass, den Teilnehmern an der Führung „Denk mal!“ am Wochenende an der frischen Luft die Dorstener Stadtgeschichte näherzubringen.

Ein wichtiger Bestandteil des Rundgangs waren die Dorstener Geschichtsstationen. Seit 2001 bilden diese ein verteiltes Denkmal in Dorsten. Gestaltet wurden sie vom Lions Club und formuliert durch einzelne Schülergruppen, etwa vom Gymnasium Petrinum. „Die Bürgerschaft ist somit auch Teil eines Denkmals“, sagte Reichling. Die Denkmäler verbinden Ort- und Heimatgeschichte mit der Weltgeschichte.

„Deutsche Geschichte hat mehr zu bieten als Nationalsozialismus“

Wichtig war dem Tourguide: „Die deutsche Geschichte hat mehr zu bieten als den Nationalsozialismus. Wir müssen uns nur umschauen.“ Es ging aber auch um Denkmäler, die nicht mehr zu sehen sind, wie zum Beispiel der abgebaute Tisa-Brunnen auf dem Marktplatz.

Bei der Führung ging es auch um Dorstener Familiengeschichten, wie zum Beispiel die der Familien Reifeisen oder Ambrunn. Meist sind diese durch „Stolpersteine“ verewigt. Zu finden sind die „Stolpersteine“ auf der Lippestraße. Sie bilden ein dezentrales Denkmal und sind europaweit vertreten.

Die "Stolpersteine" sind ein dezentrales Denkmal, das es in ganz Europa gibt. In Dorsten sind sie auf der Lippestraße zu finden.

Die "Stolpersteine" sind ein dezentrales Denkmal, das es in ganz Europa gibt. In Dorsten sind sie auf der Lippestraße zu finden. © Laura Pollmann

Dabei geht es um die Würdigung individueller Schicksale jüdischer Familien. Den Teilnehmern wurde bewusst, dass es sich bei Denkmälern um Lernprozesse handelt. Auch das Geschichtsbewusstsein kann im Laufe der Zeit Erinnerungszeichen verändern. Deswegen werden sie manchmal umgebaut, erweitert oder sogar abgerissen.

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Es ging nicht nur um die Denkmäler, sondern auch um die verwendete Sprache oder Inschriften. Sie machen oft gesellschaftliche Probleme durch einzelne Redewendungen deutlich.

Die Erzählungen führten bei den Teilnehmern zu regen Diskussionen. Es fand auch ein Austausch über eigene Erfahrungen statt. Und es wurde auch Neues entdeckt: „Man läuft täglich an wichtigen Denkmälern vorbei, ohne sie zu beachten oder ihre Bedeutung zu kennen“, sagte eine Teilnehmerin. Die Tour der Dorstener Geschichtszeichen regte die Teilnehmer zum Nachdenken an.

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