Christian Joswig (l.) und Karim Laiquddin (r.) vom Rockforum Dorsten präsentieren die nagelneue Doppel-LP mit Songs von 21 Dorstener Bands. © Michael Klein
Rockforum

Rockforum Dorsten lässt mit mächtigem Vinyl-Doppelalbum aufhorchen

21 Bands, 21 Songs - und ein klangvoller Impfstoff gegen den Corona-Blues in der Stadt: Die Dorstener Rockmusik-Szene hat ein streng limitiertes Doppel-Vinyl-Album eingespielt.

Vinyl-Freunde sollten sich sputen, denn diese Veröffentlichung ist streng limitiert. Nicht mehr als 300 Exemplare sollen unters musikalische Volk gebracht werden. „Ein wertiges Sammlerobjekt“, sagt Christian Joswig. „Hängt es an die Wand und ladet die Songs online herunter“ – diesen Tipp gibt Karim Laiquddin den Musikfans.

Ersterer ist Leiter zweier städtischer Begegnungszentren in Dorsten, der Zweite ein Dorstener Profimusiker, Studio-Inhaber und Produzent. Gemeinsam leiten sie das Rockforum Dorsten, das nach 17 langen Jahren mal wieder ein großes Album-Projekt mit lokalen Bands auf die Beine gestellt hat.

Alle Bands, alle Songs © Privat © Privat

Ein gleichermaßen musikalisches wie zeithistorisches Dokument – das steht schon jetzt fest. Denn das Album ist nichts Geringeres als der musikalische Impfstoff gegen den Dorstener Corona-Blues. Der Schriftzug „Baam!“ prangt leuchtend gelb und fett über rotem Virus-Rundkörper auf dem Cover. Darüber: „Mit Abstand – Die Besten“, der offiziöse Dorstener Slogan seit Beginn der Coronakrise.

21 Bands, 21 Songs

21 Songs von 21 Bands. Dorstens Musikszene gibt damit trotz des Lockdowns und der erzwungenen Live-Auftrittspause ein mächtiges Lebenszeichen von sich – und das ganz klassisch auf audiophilem und 180 Gramm schweren Vinyl gepresst.

Das ist auch mit ein Grund dafür, warum das Album-Projekt nicht wie geplant noch vor Weihnachten erscheinen konnte. „In der Corona-Zeit nehmen die Musiker so viele Platten auf, dass es in dem Presswerken zu langen Lieferzeiten kommt“, erzählt Karim Laiquddin.

Wer das limitierte Album kauft, erhält zugleich einen Download-Code für den digitalen Musikgenuss. Und als Schmankerl vier weitere Songs. Von den Bands nämlich, die es aus Platzgründen nicht mehr auf die beiden schwarzen Scheiben geschafft haben: Shaky Brothers, Grass is Green, Still Waters und Farbenkeller.

Hoch infektiöse Musik

Die Albummusik: hoch infektiös. Die Bands: generationsübergreifend. Von Jungspunden wie Luca Leon, Youth in Retrospect und Odyssey (mit dem schönen Stück „Fiesta“) bis hin zu alten Haudegen der hiesigen Rockmusiker-Zunft wie Flametree, Blondinbootz oder Reverse.

„Und mit Werner Althoff von den Funk Soul Brothers ist sogar ein Musiker dabei, der in der Band Ares schon bei der 1. Dormi-LP mitgespielt hat“, sagt Karim Laiquddin. 1981 war das, zu jener Zeit also, als Corona noch ein Toyota-Automodell war.

„Die Resonanz der Musiker auf den Aufruf war enorm“, betont Christian Joswig. Auf dem geplanten Album wurde ein Doppelalbum und das Maximum von etwa 21 Minuten Spielzeit pro Schallplattenseite komplett ausgereizt – insgesamt bietet „BAAM!“ also über 80 Minuten „Sound of Dorsten“.

Mal mehr, mal weniger ernst

Das LP-Programm setzt sich ausschließlich aus Eigenkompositionen zusammen. Viele der Songs sind Auskopplungen aus neuesten Veröffentlichungen der Bands, andere wurden ganz neu für das Vinyl-Projekt geschrieben. Und in manchen Stücken geht es mal mehr, mal weniger ernst um das Thema „Corona“.

Auch eine Karikatur von Rainer Krause ist auf dem Album-Cover zu finden. © Privat © Privat

Zum Teil augenzwinkernd wie in „Wir werden das schon schaffen“ von Vertikal, mal kritisch wie ihn „Money“ von „3 D“ oder „Alkohol („Antivirus“) von den Strutters. Ganz neu getextet und neu arrangiert präsentiert sich „Unsere Stadt“ von „Töle und Kareem“ – es ist die Rockforum-Version der Dorstener Corona-Hymne „Ein Dorsten“ von Andreas Hoppe, Michael Bellina und Michael Vospohl.

Positives Heimatgefühl

„Nicht nur dieser Song auf dem Doppel-Vinyl-Album ist geprägt von „positivem Heimatgefühl und Gemeinschaftssinn“, betont Christian Joswig. Auch die Ruhrgebiets-Ode „Mein Pott“ von Alfred Fortkamp und der herrlich coole Rausschmeißer „Dorsten-Blues“ von „Wwwoollff“ Olland betonen die Schönheit und Solidarität an Emscher und Lippe.

Das Duo „Odyssey“ ist zwar nicht auf dem Innencover erwähnt, ist aber trotzdem mit dem schönen Stück „Fiesta“ beim LP-Projekt dabei. © Privat © Privat

In der Tradition der Tonträgerveröffentlichungen des Rockforums Dorsten steht normalerweise eine würdige Konzert-Veranstaltung mit Live-Auftritten der einzelnen Akteure. Das wird Corona-bedingt in naher Zukunft nicht zu verwirklichen sein.

Christian Joswig: „Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Es wird definitiv ein großes Release-Konzert geben, sobald sich die Lage wieder normalisiert hat.“ Vielleicht dann schon im neu gestalteten Treffpunkt Altstadt.

Platte ist Martin Kesten-Cosanne gewidmet

Dann wäre ganz sicher auch Martin Cosanne-Kesten dabei gewesen, dem diese Platte gewidmet ist. Der frühere Mit-Organisator des Wulfener Festivals „Umsonst und in den Wiesen“ hatte stets mit seiner Tontechnik-Firma „Pink Frosch Audio“ die Veranstaltungen des Rockforums begleitet, ist aber im Frühjahr 2020 leider viel zu früh von uns gegangen. „Er bleibt für immer ein Teil der Dorstener Musikszene. Rock on Martin!“, heißt es in den Album-Credits.

Das Doppelalbum „BAAM! – Mit Abstand die Besten“ wird zum Preis von 18 Euro verkauft. Ab 1. März ist es bei diesen Verkaufsstellen (sofern geöffnet) erhältlich: Plattenladen „Plattenbau“ Hervest, Freiligrathstraße 19, Vinylcafe „Schwarzes Gold“, Fürst-Leopold-Allee 3, Stadtinfo Dorsten, Recklinghäuser Straße 20.

Am „Leo“ auch abholbereit

Wer die limitierte Ausgabe haben möchte, kann aber auch schon ab Montag (22. Februar) sich ein Exemplar im Stadtteilzentrum „Das Leo“, Fürst-Leopold-Allee 70 sichern (das Abholfenster wird täglich zwischen 9 und 17 Uhr geöffnet). Das „Leo“ verschickt auch Platten, wenn eine Abholung nicht möglich ist. Infos telefonisch unter 02362/9540404 oder per E-Mail an vinyl@treffpunkt-altstadt.de

Mit dabei sind folgende Musiker und Bands: Reverse, Youth In Retrospect, Benno Dirks, Vertikal, Mohito Royal, Töle & Kareem, 3D, Blondinbootz, For Our Sons, the colour of desert, Alfred Fortkamp, Luca Leon, WWoollff Olland, Dipsomania, The Strutters, Flametree, On Purpose, KMPNEI , Funk Soul Brothers, Odyssey und Killin‘ Jane.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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