Rathaus-Anbau in Dorsten: Über Geld spricht derzeit niemand

dz40-Millionen-Projekt

Bis zu 40 Millionen Euro sollen die Sanierung des Rathauses in Dorsten und ein Anbau kosten. Doch von Geld spricht derzeit niemand öffentlich. Es geht jetzt um Planer, Pläne und Personal.

Dorsten

, 03.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Mienen der Beteiligten waren ernst, als die Stadtspitze und die Sprecher der Ratsfraktionen vor ziemlich genau einem Jahr ihre Grundsatzentscheidung hinter verschlossenen Türen wortreich erklärten. Das Thema ist schließlich nicht ohne Brisanz.

Dorsten rüttelt an einem Denkmal und will das geschützte Gebäude an der Halterner Straße für viel Geld nicht nur sanieren, sondern die Verwaltungszentrale auch erweitern. Das muss man den Menschen in Zeiten knapper Kassen erst mal plausibel machen.

Rathaus-Anbau in Dorsten: Über Geld spricht derzeit niemand

Ernste Mienen: Stadtspitze und Fraktionssprecher erklärten vor einem Jahr, warum neben der Sanierung des Rathauses auch ein Neubau richtig ist und wirtschaftlich vertretbar. © Stefan Diebäcker

Bürgermeister Tobias Stockhoff hält das Projekt für „wirtschaftlich möglich und vertretbar“, Kämmerer Hubert Große-Ruiken ergänzte vor einem Jahr, dass die Stadt „langfristigen Bedarf selbst im Portfolio haben sollte“.

Ein Jahr später lässt sich sagen: Die offensichtliche Sorge vor einem Sturm der Entrüstung war bisher weitestgehend unbegründet. Der Protest blieb überschaubar und verschwand ziemlich schnell aus der öffentlichen Diskussion. Debattiert wird aber trotzdem, zum Beispiel am Dienstag in der gemeinsamen Sitzung von Bau- sowie Umwelt- und Planungsausschuss.

Rathaus-Anbau in Dorsten: Über Geld spricht derzeit niemand

Eine mögliche Variante: ein Neubau hinter dem Windor-Gebäude. © Stadt Dorsten

Da ging es um Planer und Bau-Varianten – von Geld war in der mehrseitigen Vorlage nicht die Rede. Die Verwaltung fokussiert sich bereits auf zwei von vier Anbau-Varianten, die Politik will das im September noch mal erklärt bekommen und diskutieren. Weitgehend einig waren sich die Fraktionen, es bei einem Generalplaner zu belassen, der sich um die Sanierung des alten und den Bau des neuen Gebäudes kümmert. Tenor: Das spart Zeit und Geld. Nur die Grünen enthielten sich da der Stimme.

Beirat mit Bürgern geplant

Und die Bürger? Sie sollen ja neben den Mitarbeitern der Stadtverwaltung die großen Profiteure des Millionenprojektes sein. Deshalb wird nach Angaben des Bürgermeisters zu einem späteren Zeitpunkt ein Beirat aus Bürgern und Verwaltungsmitarbeitern installiert. Der darf zwar nichts entscheiden, aber zumindest mitreden – etwa wenn es um die Frage geht, ob die neuen Büros eine Klimaanlage bekommen oder wie der Empfangsbereich aussehen könnte. Es sollen sich schließlich alle Dorstener wohlfühlen im „Rathaus 4.0“.

Moderieren darf das vermutlich der neue Geschäftsführer für die interne „Projektgruppe Rathaussanierung“, den die Stadt gerade sucht. „In der Planung und Umsetzung dieses Projektes soll eine enge Partizipation der Bürger, der Kommunalpolitik und der Belegschaft als Nutzer des Rathauses erfolgen“, heißt es in der Stellenausschreibung.

Der Mann oder die Frau muss also nicht nur organisieren, sondern auch gut kommunizieren können. Und sollte sich am besten auch mit Finanzen ganz gut auskennen.

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