Die rund 100 Zuhörer auf dem Platz der Deutschen Einheit hielten sich überwiegend an die Abstands- und Maskenregel. © Petra Berkenbusch
Friedliche Kundgebung

Querdenker sehen sich wegen „Corona-Grippe“ ihrer Grundrechte beraubt

Prof. Drosten ist ihr Lieblingsfeind, die Regierung die Räuberin ihrer Grundrechte: Die „Querdenker“ haben am Samstag ihre Meinung gesagt - und den Verlust der Meinungsfreiheit beklagt.

Friedlicher Protest wird in Deutschland verboten. Wir entwickeln uns von einer Demokratie zu einer Diktatur.“ Als ein „Querdenker“ auf der Bühne am Platz der Deutschen Einheit diesen Vorwurf erhob, war die friedliche Kundgebung seiner Organisation schon gut eineinhalb Stunden alt, hatten schon mehrere Redner das Podium erklommen und ihre Abneigung gegen die Corona-Maßnahmen, die Bundesregierung und ihren Lieblingsfeind, den Virologen Prof. Christian Drosten, frei heraus kritisiert. Wer nicht ganz quer denkt, nennt das auch Meinungsfreiheit.

Sie waren in friedlicher Absicht gekommen, das machten die „Querdenker“ gleich zu Beginn ihrer Veranstaltung klar, die dank Bürgermeister Tobias Stockhoff von einem Umzug durch die Innenstadt zu einer statischen Kundgebung geworden war.

Ihm war ein Marsch durch die Fußgängerzone an einem Samstagmorgen zur besten Wochenmarkt-Zeit zu heikel gewesen. Er hatte ihn im Sinne des Infektionsschutzes verboten.

Querdenker Demo Dorsten 28.11.2020
Bürgermeister Stockhoff (gelbe Weste) war am Samstag wieder mit dem Kommunalen Ordnungsdienst unterwegs und sprach Maskenverweigerer an. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Veranstalter mahnten zu Maskenpflicht und Abstandwahrung

Auf dem Platz der Deutschen Einheit kontrollierte der Kommunale Ordnungsdienst die Einhaltung der Maskenpflicht. Obwohl die Veranstalter die Besucher immer wieder zum Abstandhalten und Maskentragen aufforderten, waren einige Menschen geradezu aufreizend auffällig ohne Mund-Nasen-Bedeckung unterwegs und forderten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes so regelrecht zu Diskussionen heraus, um dann schließlich ein ärztliches Attest über die Befreiung von der Maskenpflicht aus der Tasche zu ziehen.

Querdenker Demo Dorsten 28.11.2020
Die „Querdenker“ 2361 Vest Recklinghausen hatten die Kundgebung angemeldet. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Die Polizei teilte im Anschluss an die Kundgebung mit, es sei vereinzelt zu Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung gekommen, weil Teilnehmer keinen Mund-Nasen-Schutz getragen hätten. Das Ordnungsamt habe vier Ordnungswidrigkeitsanzeigen geschrieben und zwei Platzverweise ausgesprochen.

20 Minuten lang läuten die Kirchenglocken

Das waren aber auch schon die einzigen ordnungsbehördlichen Eingriffe an diesem Samstagmittag in der Innenstadt, wo nicht nur die 100 „Querdenker“ zusammengekommen waren, sondern auch eine Gegenveranstaltung, die nach Angaben der Polizei etwa 70 Teilnehmer anlocken konnte. Die vertraten am Südwall die Gegenposition und skandierten immer wieder „Wir sind hier, wir sind laut, Abstand halten, Maske auf.“

Die „Querdenker“ hatten offenbar nicht bedacht, dass parallel zum Beginn ihrer Veranstaltung das traditionelle Angelusläuten der St. Johanneskirche stattfindet. Etwa 20 Minuten läuteten die Glocken und die Pandemie-Skeptiker waren kaum zu verstehen. Das Läuten fiel wahrscheinlich auch deshalb etwas länger aus, weil am Morgen bekannt geworden war, das zwei Dorstener gestorben sind, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Querdenker Demo Dorsten 28.11.2020
Die Gegendemonstranten versammelten sich am Südwall. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Die „Querdenker“ knöpften sich derweil auf ihrer Bühne das Infektionsschutzgesetz vor, übten Kritik an jedem einzelnen Absatz. Die Kontaktbegrenzungen „bedeuten, dass man uns einsperren kann“, interpretierte ein Redner. Die Schließung von Bildungseinrichtungen stelle die „Untersagung von Bildung“ dar, die Corona-Warn-App bedeute, dass es „keinen Datenschutz mehr“ gebe – lauter schwerwiegende Eingriffe in Grundrechte. Und wie gesagt, die Meinungsfreiheit ist auch untersagt.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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