Prozess wegen nächtlicher Schlägerei auf dem Schützenfest in Dorsten-Wulfen

dzGericht

Vier Security-Leute müssen sich wegen körperlicher Misshandlung eines Mannes während des Schützenfestes in Wulfen verantworten. Doch stimmen die Vorwürfe? Die Angeklagten streiten dies ab.

Dorsten

, 10.04.2019, 19:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Schützenfest in Wulfen vor zwei Jahren kam es zu später Stunde zu einigen Scharmützeln unter den teils schwer angetrunkenen Gästen. Eine Schlägerei im Festzelt beschäftigt derzeit das Dorstener Schöffengericht.

Angeklagt sind der Chef einer Bochumer Sicherheitsfirma und drei seiner Mitarbeiter. Sie sollen nach der damaligen handfesten Auseinandersetzung einen Zeugen zu Boden geworfen haben, der dem Täter zu Hilfe eilen wollte. Einer der Security-Leute habe zudem seinen Fuß auf den Brustkorb des Mannes aus Wulfen gesetzt und ihm dabei Schmerzen zugefügt, so die Anklage der Staatsanwaltschaft.

„Könnten wir uns gar nicht erlauben“

Doch sind die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Sicherheitsmänner bei ihrer Schlichtung der Auseinandersetzung wirklich über das Ziel hinausgeschossen? Das ist noch gänzlich unklar. „Alles Lüge“, erklärte nämlich der Firmenchef. „Ich bin seit 2003 mit dem Unternehmen selbstständig, einen solchen Vorwurf gegen uns hat es nicht einmal gegeben“, so der 53-Jährige. „So eine Geschichte vor ein paar hundert Zeugen könnten wir uns gar nicht erlauben.“

Nach seinen eigenen Angaben ist der Security-Chef gegen 2 Uhr per Funkspruch ins Festzelt gerufen worden, weil ein 34-jähriger Schützenfestbesucher auf einen Kontrahenten eingeprügelt hatte. „Das Opfer hat stark geblutet, ich bin sofort zum Verbandskasten, habe die Blutung gestoppt und dann die Polizei und einen Krankenwagen gerufen“, so der Inhaber des Security-Dienstes. Den Täter habe man festgehalten.

„Er hat uns beleidigt“

Kurze Zeit später sei der Wulfener dazugekommen, der sich mit einer größeren Gruppe im Zelt aufhielt. „Er hat uns beleidigt, bedrohte uns mit einer Flasche und versuchte, seinen Kumpel zu befreien“, so der Angeklagte aus Bochum: „Ich habe mich nur zwischen den Mann und einen meiner Mitarbeiter gestellt.“

Einer der Security-Leute fand es seltsam, dass sie sich vor Gericht wiederfinden, während das Strafverfahren gegen den Mann, der die Schlägerei angezettelt und seinem Kontrahenten die Verletzungen zugefügt hatte, im Vorfeld eingestellt worden war. Während der Verhandlung am Mittwoch war zu hören, dass sich von dem damaligen Opfer jede Spur verloren hatte.

Nächster Gerichtstermin ist im Mai

Zum nächsten Gerichtstermin im Mai sollen nun alle Augenzeugen (Polizisten, Tatbeteiligte, Zeltgäste) geladen werden. Am gleichen Tag steht aber vorab zunächst der Wulfener, der vermeintlich von den Security-Leuten zu Boden geworfen worden war, als Angeklagter vor Gericht - weil er die Security-Leute beleidigt und bedroht haben soll.

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