Ein ehemaliger Box-Weltmeister, der jahrelang in Dorsten lebte und trainierte, muss sich erneut wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten. © Joachim Lücke (A)
Prozess

Prozess terminiert: Profiboxer wird erneut Vergewaltigung vorgeworfen

Ein ehemaliger Profiboxer muss wegen weiterer mutmaßlicher Vergewaltigungen erneut vor Gericht. Er wird aus dem Gefängnis vorgeführt. Seine Opfer sollen minderjährig gewesen sein.

Nach monatelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Essen erneut Anklage erhoben gegen einen ehemaligen Profiboxer, der viele Jahre in Dorsten lebte und trainierte. Und wieder wird es vor dem Landgericht Essen um Vergewaltigung und Körperverletzung gehen. Der Prozess beginnt im Februar 2021, mehrere Verhandlungstage sind terminiert.

Im vergangenen Jahr war der Angeklagte bereits wegen Vergewaltigung zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Der Antrag auf Revision scheiterte, seit Herbst 2019 ist das Urteil rechtskräftig. Der ehemalige Boxer wird also aus dem Gefängnis vorgeführt.

Mutmaßliche Opfer meldeten sich nach dem Urteil

Der erste Prozess und die Berichterstattung hatten zwei inzwischen erwachsene Frauen darin bestärkt, ebenfalls Anzeige zu erstatten. Das bestätigte Tim Holthaus, Sprecher des Landgerichts Essen, bereits im März. „Die Vorwürfe liegen einige Jahre zurück, wahrscheinlich haben sie aus Scham bislang geschwiegen.“

Laut Anklageschrift soll der Boxer im Sommer 2011 ein damals 14-jähriges Mädchen vergewaltigt haben. Der Angeklagte selbst war damals 19 Jahre alt und somit aus juristischer Sicht noch Heranwachsender. Vier Jahre später soll er die junge Frau erneut getroffen und vergewaltigt haben. Zwischen diesen beiden Taten verging sich der ehemalige Profiboxer laut Anklageschrift im Mai oder Juni 2013 auf einem Parkplatz in einem Waldstück an einer damals 15-Jährigen.

Bekanntschaften aus dem Internet

Die Bekanntschaft der Mädchen hat der Angeklagte vermutlich in den sozialen Medien gemacht. Er war vor seiner Verurteilung bei Facebook sehr aktiv, hatte mehrere Accounts, teilweise wohl auch unter falschem Namen.

Zum ersten Mal war der frühere Sportstar vor vier Jahren wegen Körperverletzung verurteilt worden: 20 Monate auf Bewährung. Der Boxer hatte einen früheren Freund – angeblich aus Notwehr – zusammengeschlagen. Auch damals war die Revision erfolglos geblieben.

In früheren Gerichtsverfahren haben wir und andere Medien den vollen Namen des Angeklagten genannt, weil er zum damaligen Zeitpunkt eine Person des öffentlichen Lebens in Dorsten war. Das ist nun nicht mehr der Fall, deshalb halten wir ihn inzwischen anonym.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker
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