Profi-Musiker Karim Laiquddin - seit Jahren die „Rock-Instanz“ in Dorsten - hat mit „Killin´ Jane“ sein Lieblingsprojekt gefunden. Am Samstag gibt es ein Release-Konzert in der Heimatstadt.

Dorsten

, 07.02.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

Unser Interview-Termin wird von einem wichtigen Telefonanruf unterbrochen. Ob er sich vorstellen könne, mit seiner Band im Sommer 2019 für einen Gig im Vorprogramm des berühmten Pink-Floyd-Schlagzeugers Nick Mason und seiner Gruppe „Saucerful of Secrets“ aufzutreten?

Ein Angebot, dass der Dorstener Musiker und Multi-Instrumentalist Karim Laiquddin natürlich nicht ausschlagen würde. Läuft also grad ziemlich gut bei ihm. Und läuft grad alles bestens bei seiner siebenköpfigen Band namens „Killin´ Jane“.

Grad mal anderthalb Jahre existiert die Formation - und in dieser Zeit haben die Musiker um Frontfrau und Sängerin Jane Garber eine Menge überraschender und überaus erfolgreicher Momente erlebt. Im Sommer 2018 zwei Auftritte als Vorgruppe für die Superstars Sting und Shaggy vor jeweils 8000 Zuschauern. Mit „Adrenalin“ und „Jealousy“ kürten die Hörer der WDR 2-Sendung „Pop! - Szene im Westen“ im vergangenen Jahr zwei Killin´ Jane-Songs zu Wochensiegern. Und mit „Apocalypse Callin“ hat die Band im Juli 2018 ihr erstes Album eingespielt.

Profi-Musiker Karim Laiquddin ist mit „Killin´ Jane“ in der Erfolgsspur

Killin´ Jane-Auftritt vor 8000 Menschen in Füssen. © Privat

Dass „Killin´ Jane“ derzeit so durchstartet, freut Karim Laiquddin zutiefst. „An der Band hängt mein Herzblut“, sagt er. Kürzlich hat der Dorstener Profi-Musiker seinen 50. Geburtstag gefeiert - und an diesem Tag beschlossen, „genau dieses Projekt zu forcieren und damit noch mal richtig Gas zu geben“.

Denn endlich hat er die richtige Besetzung gefunden, um komplett von Jane Garber und ihm selbst getextete und komponierte Songs zu präsentieren. „Bislang habe ich ja zu 80 Prozent in Cover-Bands gespielt“, sagt der am Schlagzeuger, Bass und an der Gitarre gleichermaßen versierte Musiker, „aber die eigenen Sachen im Radio zu hören, das ist noch mal ein ganz anderes Ding“.

„Ehrliche Rockmusik“

Während sich Karim Laiquddin in Tribute-Bands wie „Live Wire“ oder „The Fantabulous Blues Brothers“ musikalisch eher zwischen den Polen „Hardrock“ und „Blues“ bewegt, lässt sich „Killin`Jane“ dem Pop-Rock-Genre zurechnen. Erwachsenen-Musik, die bestens auf WDR 2 aufgehoben und durchaus stadiontauglich ist. „Internationale, ehrliche Rockmusik mit Einflüssen von Sting bis Black Sabbath“, so charakterisiert der Band-Gründer den Sound.

In diesen Tagen ist von der Band, die vor allem aus Mitgliedern der aufgelösten Gruppe „Lay down a dime“ hervorgegangen war, pressfrisch eine Vinyl-Ausgabe des „Apocalypse Callin“-Album erschienen. Die limitierte Auflage enthält zehn Songs, unter anderem eine bisher unveröffentlichte Akustik-Version von „Side By Side“.

Geschnitten wurde der audiophile Leckerbissen vom 24-Bit-Master auf 180g-schweres Vinyl. Das Release-Konzert von Jane Garber (Vocals), Karim Laiquddin (Bass, Vocals), Bene Hülsmann (Guitar), Nils Bloch (Drums), Peter Allion (Keyboards), Roland Körner (Blues Harp) und Tim Cleve (Percussion) findet am Samstag ab 20 Uhr (Eintritt: acht/zehn Euro) im eher intimen Rahmen des Vinyl-Cafes“ im Creativ-Quartier Fürst Leopold statt. Im Vorprogramm: Joe Alesko.

Profi-Musiker Karim Laiquddin ist mit „Killin´ Jane“ in der Erfolgsspur

© Der Dorstener Profi-Musiker präsentiert

Dass er im Sommer noch vor 8000 Zuschauern spielte und am Samstag kaum mehr als 80 Gäste im Laden auf dem Hervester Zechengelände Platz finden werden, ficht Karim Laiquddin nicht an. „Ich bin in der Vergangenheit auch schon mal mit den Florians vor 70.000 Leuten in der Arena auf Schalke aufgetreten, und am nächsten Tag mit Catfever waren es nur 20, 30 Mann in der Schmiede in Marl.“

In um die 20 Bands mitgespielt

Florians, Catfever, Live Wire, Surgeon, Strutters, Safer Seven, Fantabulous Blues Brothers, Bad Influence, Checked, Madrugada, dazu die Duos mit den Sängern Frank Theresiak und Linda Traber: „Ich habe nie nachgezählt, in wie vielen Bands ich bereits gespielt habe“, sagt Karim Laiquddin: „Das müssen so um die 20 sein.“ Safer Seven hieß die erste („wir haben sogar eine obskure Kassette aufgenommen“), seine Bühnen-Live-Premiere feierte er aber mit „Surgeon“ 1985, „beim Schulfest des Gymnasium Petrinum“. Und im gleichen Jahr ging es mit den „Florians“ los, zu denen der Drummer noch immer gehört und die inzwischen fest zum musikalischen Inventar des Fußballvereins Schalke 04 gehören.

Profi-Musiker Karim Laiquddin ist mit „Killin´ Jane“ in der Erfolgsspur

Mit Sänger Arnd Kotlenga (rechts) hat Karim Laiquddin Band „Florians“ gegründet, die mit dem Song „Königsblauer S 04“ berühmt geworden ist. © Privat

„Königsblauer S 04“ heißt nämlich eine Hymne, die seit 25 Jahren zu jedem Heimspiel gespielt wird, früher im Parkstadion, jetzt in der Veltins-Arena. An der Komposition mitbeteiligt, die zum 90-jährigen Bestehen des Vereins entstand, war auch Karim Laiquddin. „Über einen befreundeten Werbemanager bekamen wir die Chance, den Song zum letzten Heimspiel der Saison 1994/1995 den Fans zu präsentieren“, so der Dorstener.

Seitdem läuft er bei den Königsblauen in Dauerschleife. Die dazugehörige CD wurde 50.000-mal verkauft. 1999 durften die Florians im Vorprogramm von Whitney Houston in Coburg auftreten. Organisiert wurde das Konzert von der großen Veranstaltungs-Agentur „Mama Concerts“, bei der Karims Schwester Shamma Laiquddin beschäftigt war. „Die eigentlich geplante Vorband hatte kurzfristig abgesagt, sodass wir einspringen durften.“

„Ganz normal beworben“

Auch die beiden Shaggy- und Sting-Konzerte im vergangenen Jahr hatte Shamma Laiquddin organisiert. „Dafür mussten wir uns mit Killin´ Jane aber vorher ganz normal bewerben“, betont der Dorstener. „Um so stolzer waren wir, dass wir gebucht worden sind.“

Die Bühnencrew der beiden Superstars habe sich rührend der ihr unbekannten Band aus der Dorstener Provinz angenommen. „Die haben sogar ein Kabel von uns zum zweiten Konzert mitgebracht, das wir beim ersten Mal auf der Bühne vergessen haben.“

Karim Laiquddin lebt die Musik, er lebt aber auch von der Musik. In die Wiege gelegt wurde ihm das nicht. Zwar bekam er bereits im Alter von zehn Jahren Klavierunterricht, ein Jahr später kam das Schlagzeug hinzu, Gitarre- und Bassspielen brachte er sich selbst bei.

Vor allem ein Jazzrock-Live-Konzert der Band „Glatter Wahnsinn“, das er im Alter von zwölf Jahren mit seiner Mutter im VHS-Forum besuchte, war der Auslöser, selbst Drummer in einer Band sein zu wollen. Nach dem Abitur studierte er zunächst Elektrotechnik und Physik, brach das Studium ab, als er merkte, dass man auch als Rock-Musiker sein Geld verdienen kann.

Aufnahmestudio im Keller

Das Klischee des Rockmusikers erfüllt der 50-Jährige aber ganz und gar nicht. „Ich bin eher bodenständig, das war schon immer so.“ Seit 19 Jahren lebt Karim Laiquddin mit seiner Ehefrau und seinen zwei Söhnen ganz bürgerlich im beschaulichen Einfamilienhaus auf der Hardt.

Im Keller hat er sich ein Aufnahmestudio eingerichtet, das er an andere Musiker vermietet, in dem er aber auch in seiner privaten Musikschule Instrumentalunterricht anbietet. Hin und wieder produziert er aber auch Songs, zuletzt die rockige Version der Steiger-Hymne mit der Dorstener Band „Vertikal“.

Profi-Musiker Karim Laiquddin ist mit „Killin´ Jane“ in der Erfolgsspur

Karim Laiquiddin wie er vor 25 Jahren aussah. © Privat

Zudem ist Karim Laiquddin, der privat immer noch gerne Hardrock- und Heavy-Metal-Idole aus seiner Jugendzeit wie Iron Maiden, Judas Priest oder Rainbow hört, auch dank anderer Projekte die „Rock-Instanz“ in seiner Heimatstadt Dorsten schlechthin geworden. Er leitet als Coach Band-Workshops in Jugendheimen, ist und war regelmäßig in Grund- und Förderschulen zu Gast, um im Rahmen des Landesprogramms „Schule und Kultur“ den Kindern dort rockmusikalische und rhythmische Grundlagenbildung angedeihen zu lassen.

Leiter des Dorstener Rockforums

Und als Chef des Dorstener Rockforums hat er nicht nur seinerzeit das Haldenfestival „Dorstival“ mitorganisiert und ist mitverantwortlich für das „Red Balloon Festival“ am Hervester Leo. Er will das Rockforum auch wieder auf breitere Beine stellen, Konzert-Orte wie das Amphitheater Maria Lindenhof für Dorstener Musiker neu entdecken.

„Früher haben sich die Musiker regelmäßig getroffen“, sagt er. Doch diese Zeiten seien leider vorbei. Deshalb will das Rockforum ein Internet-Portal entwickeln, in dem sich Musiker austauschen und zu Sessions verabreden können.

„Genügend gute Musiker“

„Denn gute Musiker gibt es noch genügend in der Stadt“, weiß Karim Laiquddin. „Man muss nur mal donnerstags die offene Bühne im Vinyl-Cafe besuchen, da gibt es viele Talente.“ Auch deshalb haben er und „Killin´Jane“ gerade diesen Ort für das Vinyl-LP-Release-Konzert ausgesucht.

Die Band Killin´ Jane auf Facebook , Instagram und im Internet

Wer die Band dort am Samstag verpasst: Die nächsten Auftritte stehen am 28. Februar beim Finale des Bermudadreick-Bandcontests in der Bochumer Rotunde und am 22. März bei der Night of Music im Landhotel Voshövel in Schermbeck an.

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