Ein Storchenpaar beim „Probe-Wohnen“ in einer erst vor ein paar Wochen errichteten Nisthilfe auf der Hardt nahe der Fährstraße. © Michael Klein
Storchennest

Probewohnen: Nächster Stadtteil von Dorsten hofft auf ein Storchenpaar

Die Stadt Dorsten ist die Storchen-Hochburg in der Region: Jetzt macht ein weiterer Storch Anstalten, ein Quartier zu beziehen. Es wäre in der Lippestadt das erste Nest südlich der Lippe.

Es sind in der Vergangenheit schon so einige Nisthilfen für Störche in Dorsten und Umgebung aufgestellt worden. Nicht alle wurden von den Vögeln mit den langen Beinen und dem schreitenden Gang angenommen. Und wenn doch, dann hatte es meist ein paar Jahre gedauert, bis wirklich ein Storchenpaar dort Quartier bezog. Auf der Hardt könnten die Uhren anders gehen.

„An einem Freitag haben wir die Nisthilfe vor fünf Wochen installiert, dienstags kam bereits der erste neugierige Storch vorbei und schaute sich die Sache an“, erzählt Martina Neumann. Inzwischen könnte ein Junggeselle dort sogar eine Partnerin ins Nest gelockt haben. „Anfang dieser Woche hat ein Storchenpaar erstmals gemeinsam in der Nisthilfe die Nacht verbracht“, freut sich Heike Bolle.

Martina Neumann und Heike Bolle wohnen auf der Hardt und wollen in einer nachbarschaftlichen Gemeinschaftsaktion dafür sorgen, dass sich ihr Stadtteil in die Riege der Storch-Quartiere in Dorsten einreihen darf – nach Hervest, Rhade und Deuten. „Wir wären glücklich, wenn wir damit der Natur etwas Gutes tun könnten“, so Heike Bolle.

Doch noch ist längst nicht klar, ob die Nisthilfe tatsächlich von den Störchen bezogen worden ist. „Heute war sie den ganzen Tage leer, die Vögel waren nicht zu sehen“, sagte Heike Bolle am Dienstag (30. März). Und vorher standen die Tiere auch nur auf dem Plateau, ohne es sich mit selbst gesammelten Nestmaterial gemütlich zu machen.

Martina Neumann und Heike Bolle haben vor zwei Jahren erstmals Störche, die auf der Feuchtwiese zwischen der Fährstraße und dem Grabenweg auf Futtersuche waren, gesehen. „Wir haben uns daraufhin zusammengesetzt und die Idee entwickelt, hier ein Storchenpaar anzusiedeln“, erzählen sie.

Bauanleitung von der Bio-Station

Beim Storch-Experten Nils Ribbrock von der Biologischen Station in Lembeck haben sie Informationen über einen sinnvollen Standort eingeholt und sich eine Bauanleitung besorgt. Schnell war klar, dass das Nest auf einem Telegrafenmast eingerichtet werden sollte, der auf einer vom Ehepaar Martina und Peter Neumann gepachteten Wiese steht.

Peter Neumann (links) und Ulrich Bolle (rechts) beim Transport der großen Storchen-Nisthilfe.
Peter Neumann (links) und Ulrich Bolle (rechts) beim Transport der großen Storchen-Nisthilfe. © Privat © Privat

Schließlich ging es an den Bau. Die Unterlage des Nests ist ein mit neuen Verstrebungen verschweißter Eisenring eines riesigen Wagenrades, in den Weidenzweige eingeflochten wurden. „Tierisch schwer, wir brauchten vier Mann, um das Teil im Hänger über die Wiese zu transportieren“, sagt Martina Neumann. Die Ehemänner Peter Neumann und Ulrich Bolle packten beim Aufbau ebenso kräftig mit an wie Firmen-Mitarbeiter von Thomas Baumann.

„Störche-Tourismus“ droht

„Es ist unglaublich, wie schnell ein Storch unser Angebot wahrgenommen hat“, sagt Martina Neumann. Die beiden Initiatorinnen machen sich inzwischen ein bisschen Sorgen, dass der sich langsam ausbreitenden „Störche-Tourismus“ überhand nehmen könnte.

„Immer mehr Fußgänger und Radfahrer kamen vorbei und machten Fotos“, erzählen sie. „Wir können auf diesem Wege nur bitten, auf keinen Fall die Wege zu verlassen und das Storchenpärchen zu stören, falls es wiederkommen sollte.“

Nils Ribbrock von der Biologischen Station in Lembeck betont, dass es in Dorsten wegen der inzwischen großen Storchenpopulation kaum noch ideale Standorte für weitere Ansiedlungen gibt und er bei der Nachfrage nach Unterstützung für Nisthilfen inzwischen sehr defensiv sei.

Nahrung in den Lippeauen

„Hier auf der Hardt wären die Voraussetzungen aber bestens“, sagt er. Der Standort liege außerhalb des Drei-Kilometer-Radius rund um die nächstgelegenen Storchen-Quartiere im Hervester Bruch und in Gahlen. „Und die Störche müssen nur über den Kanal fliegen und finden quasi vor der Haustür in den Lippeauen genügend Nahrung vor.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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