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Polizisten schildern Erlebnisse aus dem Berufsleben, die sie nie vergessen werden

dzUngewöhnliche Lesung

Polizisten haben Erlebnisse aufgeschrieben, die eigentlich nie öffentlich werden. Die Idee hatte ein Polizeihauptkommissar aus Dorsten, der als Streifenpolizist einen Fehler gemacht hat.

Dorsten

, 21.11.2018 / Lesedauer: 3 min

Es war im Jahr 1990 in einer Stadt im Ruhrgebiet. Andreas Wilming-Weber war nach zehn Jahren beim Bundesgrenzschutz noch nicht lange bei der Polizei NRW. Mit einem Kollegen hatte er Streifendienst, als ihm ein Fahrer wegen seiner merkwürdigen Fahrweise auffiel. Die beiden Polizisten stoppten den Wagen, und dann passierte es.

„Ich hatte mich gerade in unser Auto gesetzt, um die Personalien und Fahrzeugpapiere überprüfen zu lassen, als der Mann Gas gab“, erinnert sich der Dorstener noch sehr genau an die nächtliche Szene. „Wir hätten ihn vor der Überprüfung aus dem Wagen bitten müssen“, sagt er rückblickend. „Später haben wir einen mächtigen Anschiss bekommen. Und ja, das ist uns natürlich nie wieder passiert.“

Polizisten schildern Erlebnisse aus dem Berufsleben, die sie nie vergessen werden

Andreas Wilming-Weber hat eine Situation geschildert, in der er als Streifenpolizist einen beinahe verhängnisvollen Fehler gemacht hat. © Stefan Diebäcker

Es sind solche Geschichten, die der heute 57-Jährige und seine Kollegen aus der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Recklinghausen in den letzten Wochen gesammelt haben. Erlebnisse aus dem Berufsleben, die in keinem öffentlichen Bericht auftauchen. Andreas Wilming-Weber leitet die Pressestelle seit einigen Jahren und war der Meinung, dass „solche Geschichten bestimmt auch interessant für die Öffentlichkeit sind“. Denn sie zeigen eindrucksvoll: Polizisten sind auch nur Menschen. Mit Fehlern, mit Gefühlen.

Mal witzig, mal auch sehr emotional

Mehr als ein Dutzend seiner Kollegen haben mitgemacht und ungewöhnliche Erlebnisse aufgeschrieben, die ihnen in Erinnerung geblieben sind. „Das sind manchmal ganz witzige Dinge, manchmal auch sehr emotionale Erfahrungen“, sagt der Dorstener, nachdem er alle Berichte gelesen hat. Er selbst hat natürlich auch mitgemacht und eine Geschichte aus den Anfängen seiner Polizisten-Laufbahn geschildert.

Was also tun mit den unterhaltsamen, spannenden, traurigen, aber vor allem realen Schilderungen? Die Pressestelle der Kreispolizeibehörde entschied sich vorläufig gegen ein Buch und für eine öffentliche Lesung mit dem Titel „Aus dem Nähkästchen der Polizei“. Und schnell hatte Andreas Wilming-Weber die Idealbesetzung gefunden: das Schauspieler-Paar Christine Sommer und Martin Brambach aus Recklinghausen. „Martin Brambach hat uns vor einem Jahr bei der ,Riegel vor‘-Aktion unterstützt“, erklärt der Polizei-Pressechef. „Das war toll. Und ich bin froh, dass er und seine Partnerin mitspielen.“

Polizisten schildern Erlebnisse aus dem Berufsleben, die sie nie vergessen werden

Christine Sommer und Martin Brambach werden im Januar in einer Kirche in Herten die Geschichten der Polizisten vorlesen. © Niko S. Reich

In der Hertener Friedenskirche lesen die beiden Profis am 18. Januar 2019 ab 19 Uhr öffentlich die Polizeigeschichten. „Das Interesse ist schon jetzt riesig, nicht nur bei Kollegen und Angehörigen“, sagt Wilming-Weber, der zunächst daran gedacht hatte, Zuhörer ins Polizeipräsidium nach Recklinghausen einzuladen. „Da wäre aber nur Platz für 60 bis 70 Leute gewesen, in die Kirche passen über 300.“

Die Karten kosten 10 Euro. Es gibt sie ab sofort in der Pressestelle des Polizeipräsidiums Recklinghausen, Westerholter Weg 27, und im Gemeindebüro der Hertener Friedenskirche, Kaiserstraße 167. „Die Polizei ist oft der erste Ansprechpartner für Menschen, die in Not sind oder Hilfe brauchen“, sagt Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen. „Der Erlös der Lesung wird deshalb für karitative Projekte gespendet und kommt somit den Menschen zugute, die dringend Unterstützung brauchen.“

An dieser Stelle müsste eigentlich noch aufgeklärt werden, wie die Verkehrskontrolle anno 1990 ausgegangen ist. „Es gab eine Verfolgung“, sagt Andreas Wilming-Weber vielsagend. Erst mit dem Auto, dann zu Fuß. Und schließlich eine Begegnung im Schein einer Taschenlampe. Mehr wird aber jetzt wirklich nicht verraten...

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