Nummernschilder in Fenstern: So wappnen sich Schulen für Ernstfälle

dzPolizei- und Feuerwehreinsatz

Die Fenster des St.-Ursula-Gymnasiums sind gepflastert - mit bunten Nummernschildern. In Rot, Blau, Gelb und Grün pappen sie an den Scheiben. Passanten rätseln: Was das wohl soll?

Dorsten

, 30.07.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle sehen es, aber keiner weiß was Genaues: Seit einiger Zeit haben die St.-Ursula-Schulen in Dorsten in jedem Fenster farbige Nummernschilder. Blau, Rot, Gelb und Grün markieren unterschiedliche Etagen in den Schulgebäuden. Die Schilder kleben mit Zahlen versehen an jedem einzelnen Fenster der Fassade.

Die Hingucker haben einen Grund: „Sie sind Hinweise für Polizei und Feuerwehr in Ernstfällen“, sagt uns der bei der St.-Ursula-Stiftung zuständige Verwaltungsleiter Bernd Hemmer auf Anfrage. Denn die wisse ja im Brandfall oder Ernstfall nicht intuitiv, wo die Räume auf schnellstem Weg zu finden seien.

Farbige Kennzeichnung für den Erdgeschosseingang Nummer eins.

Farbige Kennzeichnung für den Erdgeschosseingang Nummer eins. © Claudia Engel

Tatsächlich gibt es wohl auf Anregung der Polizei einen Maßnahmenkatalog für Schulen, Kindergärten und öffentliche Gebäude. Auf Anhieb kann aber keine Behörde sagen, auf welche Verordnung und von wem die Schutzschilder zurückzuführen sind und wie lange die öffentlichen Gebäude schon mit diesen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet sind oder noch ausgestattet werden.

„Es gibt ein Arbeitspapier Einsatzort Schule der Polizei Gütersloh, in dem solche Maßnahmen aufgeführt sind“, hat Ulla Lütkehermölle, Sprecherin der Bezirksregierung Münster, auf unsere Bitte herausgefunden. Das Papier ist seit 2011/12 im Internet zu finden, zwei Jahre nach dem scheußlichen Amoklauf eines Schülers im baden-württembergischen Winnenden.

Verordnung gibt es wohl nicht

Auf eine entsprechende Verordnung sei sie im zuständigen Dezernat Gefahrenabwehr der Bezirksregierung aber nicht gestoßen, so Ulla Lütkehermölle weiter. Münster ist die obere Schulaufsichtsbehörde für Dorsten. Mutmaßlich seien Polizei oder Feuerwehr wohl die Urheber dieser Sicherheitsmaßnahmen.

Bernd Hemmer erzählt, dass die Ursula-Schulen sich auf Wunsch der Polizei schon seit einiger Zeit mit diesen zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen beschäftigen. „Wir haben die Fenster durchnummeriert, die Flure und Eingänge zur besseren Orientierung ausgeschildert.“ Alle Kennzeichnungen in den Plänen der Schulgebäude werden minutiös festgehalten und ausgezeichnet.

Fehlen nur noch die Drohnenbilder

Bei Feuer, Terrorwarnungen oder angedrohten Amokläufen zählt für die Helfer und Retter jede Sekunde. Das haben die Beteiligten bei den scheußlichen Blutbädern in Erfurt und Winnenden erfahren müssen. Um sich dagegen zu wappnen und einen schnell Zugriff zu gewährleisten, wird der Polizei nach der Vorarbeit der Schulen eine Mappe mit Plänen und Drohnenbildern der Schulgebäude ausgehändigt. „Wir sind fast fertig mit unserer Arbeit, uns fehlen nur noch die Luftbilder, dann bekommt die örtliche Polizeiwache die Unterlagen“, heißt es aus dem St.-Ursula-Gymnasium.

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