Die Gärnersiedlung im Rüster Feld an der Stadtgrenze Dorsten/Schermbeck. Stadt und Politik in Dorsten wollen, dass hier mit Schermbeck ein Gewerbegebiet entwickelt wird, Kreis und RVR favorisieren aber die Emmelkämper Brauck. © Helmut Scheffler (A)
Industrie-Ansiedlung

Politik in Dorsten sauer: Streit um Gewerbegebiet spitzt sich zu

In Dorsten sind alle gegen ein Gewerbegebiet, das der Regionalverband Ruhr (RVR) in Holsterhausen ausweisen möchte. Nun gibt es auch politischen Unmut über die Haltung der Kreisverwaltung.

Als Bernd Schwane diese Nachricht vernahm, war er entsetzt. Dass neben dem RVR auch die Kreisverwaltung den Standort „Emmelkämer Brauck“ in Holsterhausen als Gewerbefläche favorisiert, hatte dem Dorstener CDU-Fraktionschef die Stimmung verhagelt.

Denn nicht nur die Anwohner, sondern auch Stadt und Politik in Dorsten lehnen Firmenansiedlungen dort ab. Der Stadtrat hatte im Dezember mehrheitlich die Stellungnahme der Stadtverwaltung unterstützt, die lieber am „Rüster Feld“ eine grenzüberschreitende Gewerbegebiet-Kooperation mit Schermbeck eingehen möchte.

Bevor das Ruhrparlament die endgültige Entscheidung trifft, wird zunächst auch der Kreis-Wirtschaftsausschuss am Dienstag (19.1.) über die im neuen Regionalplan Ruhr vorgesehenen „Regionalen Kooperationsstandorte“ abstimmen. „Ich bin sicher, dass unsere Dorstener CDU-Fraktionsmitglieder dann gegen den Vorschlag der Kreisverwaltung stimmen werden“, so Bernd Schwane. „Wir stehen bei den Bürgern im Wort.“

„Ziehen an einem Strang“

Der Dorstener SPD-Fraktionsvorsitzende Friedhelm Fragemann erklärt dazu: „Wir ziehen da an einem Strang.“ Er habe die hiesige SPD-Kreistags-Vertreterin und stellvertretende Landrätin Nicole Wölke-Neuhaus gebeten, sich für die Dorstener Position einzusetzen. Und auch Michael Hübner in dessen Doppelfunktion in Kreis- und RVR-Gremien auf das Thema hingewiesen.

Für beide Fraktionschefs gilt das, was ein von der Stadt Dorsten und der Gemeinde Schermbeck beauftragtes Planungsbüro unlängst in einem Vergleichs-Gutachten herausgearbeitet habe: Der „Emmelkämper Brauck“ habe viele Nachteile gegenüber dem „Rüster Feld“.

Schlechte Verkehrsanbindung

Das Gutachten führt sowohl ökologische als auch planerische Gründe ins Feld. Insbesondere die schlechte Verkehrsanbindung wird genannt. Auch den Bürgern im anliegendem Wohngebiet drohen Immissions-Belastungen. Außerdem zeichne sich derzeit gar keine regionale Kooperation ab.

Im Kreishaus hat man übrigens Sorge, dass abgelehnte Standorte aus dem Kreis nicht automatisch durch neue im Vest ersetzt werden, sondern woanders im Ruhrgebiet entstehen könnten. In ihrer Beschlussvorlage erklärt die Kreisverwaltung deshalb, die vorgeschlagenen Flächen „regionalplanerisch sichern zu wollen“: Für die Standorte Emmelkamp in Dorsten und Dillenburg in Erkenschwick könne in einem nachfolgenden Verfahren dann ein Flächentausch erfolgen.

„Hanebüchen“

„Hanebüchen“ nennt Bernd Schwane das Ansinnen. „Ob das nachher vom RVR überhaupt akzeptiert wird, ist fraglich.“ Am Freitag (15.1.) haben sich übrigens auch die Grünen im Kreistag gegen die Emmelkamp-Pläne gewandt: „Wir haben kein Verständnis für die Stellungname der Kreisverwaltung, in der großflächige Versiegelungen befürwortet werden.“

Der Standort „Emmelkamp“ (53 Hektar) in Dorsten liegt zwischen der Autobahn 31 und dem Stadtteil Holsterhausen. Die Fläche wird aktuell landwirtschaftlich genutzt. Auch die Fläche „Südlich Schwatten Jans“ in Marl/Dorsten ist in der Liste der vom RVR gewünschten Standorte. Er bietet 26 Hektar für Unternehmensansiedlungen. Auch dieser Bereich wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Drei Viertel der Fläche liegen auf Marler Gebiet.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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