Seniorenzentrum St. Laurentius Lembeck © Guido Bludau
Coronavirus

Pfarrer und Diakon ließen sich in Dorstener Altenheimen impfen

In zwei Seniorenheimen in Dorsten haben sich Pfarrer und andere Geistliche impfen lassen. Den Vorwurf, sich vorgedrängelt zu haben, weisen sie zurück.

Mehrere Geistliche haben sich in Dorstener Senioreneinrichtungen gegen das Coronavirus impfen lassen. Das bestätigten die Personen auf Anfrage, nachdem die Dorstener Zeitung entsprechende Hinweise erhalten hatte. Den Vorwurf, sich vorgedrängelt zu haben, weisen sie zurück.

Geimpft wurden unter anderem Pfarrer Alfred Voss (63) und Diakon Burkhard Altrath in Senioreneinrichtungen der Caritas. Öffentlich dazu äußern möchten sich beide nicht. Andere Geistliche, die auch in den Heimen geimpft wurden, sind teilweise schon über 80 Jahre alt. Entgegen anderslautender Gerüchte wurde die Frau von Diakon Altrath nicht geimpft.

Pfarrer Alfred Voss und andere Geistliche haben sich in Lembecker Altenheimen impfen lassen. Als Seelsorger seien sie Teil des Personals, heißt es.
Pfarrer Alfred Voss und andere Geistliche haben sich in Altenheimen des Caritasverbands impfen lassen. © Anke Klapsing-Reich (Archiv) © Anke Klapsing-Reich (Archiv)

Personen über 80 Jahre haben laut Impfverordnung allerhöchste Priorität. In dieselbe Gruppe gehören demnach auch „Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind […].“

Seelsorger sehen sich als Teil des Personals

Die Geistlichen sind in den Altenheimen als Seelsorger tätig. Sie feiern dort Gottesdienste, bringen Bewohnern die Kommunion aufs Zimmer und nehmen Krankensalbungen vor. Pfarrer Voss ist auch ehrenamtlicher Vorsitzender des Dorstener Caritasverbands.

In ihrer Funktion als Seelsorger sehen sich die Geistlichen als Teil des Personals der Einrichtungen. Ähnlich begründet auch der Dorstener Caritasverband die Impfungen: „Seelsorger gehören bei uns zu den Menschen, die mitunter täglich in unseren Heimen ein- und ausgehen“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Patrick Domin. Deswegen habe man es als notwendig angesehen, auch diese Personen zu impfen.

Vor allem zu Beginn der Corona-Impfungen blieb öfter mal Impfstoff übrig. Das lag auch daran, dass die Biontech-Ampullen nach der Verdünnung mehr Impfstoff-Dosen enthielten als deklariert war. Einmal verdünnt, hält der Impfstoff etwa sechs Stunden. „Wir sind uns, denke ich, alle einig, dass es keinen Sinn macht, Impfstoff verfallen zu lassen“, sagt Patrick Domin.

So sieht es auch der Bürgermeister: „Dass überzählige Impfdosen unter Berücksichtigung von Ansteckungspotenzial und Risikogruppe verwendet und nicht weggeschmissen werden, ist meines Erachtens nicht zu kritisieren“, sagt Tobias Stockhoff. „Man mag im konkreten Einzelfall und je nach dem Verhältnis zur jeweiligen Person kritisieren, dass jemand eine Impfmöglichkeit in Anspruch genommen hat, der scheinbar nicht zur priorisierten Gruppe gehört.“

Seit 17. Februar sollen auch Seelsorger geimpft werden

Seit dem 17. Februar sollen dem NRW-Gesundheitsministerium zufolge auch einigen Personengruppen Impfungen angeboten werden, die regelmäßig in vollstationären Pflegeeinrichtungen tätig sind. Dazu zählen auch Seelsorger, Fußpfleger und Frisöre. Die Impfung der Dorstener Geistlichen liegt schon etwas länger zurück.

Das Bistum Münster teilte auf Anfrage mit, dass man generell der Auffassung sei, „dass Priester und Diakone sich dann impfen lassen sollten, wenn sie – entsprechend der staatlichen Vorgaben – an der Reihe sind.“

In den letzten Tagen häuften sich bundesweit Meldungen, dass Funktionsträger sich impfen ließen, obwohl sie eigentlich noch nicht dran waren, darunter Polizisten, Geistliche und auch Bürgermeister: „Hier haben Bürgermeisterkollegen aus meiner Sicht falsch gehandelt“, so Tobias Stockhoff. Er sei noch nicht geimpft und ein Vorziehen sei für ihn unangebracht.

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Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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