Wieder zurück in den Schulen: Viele Lehrer sind wegen der aktuellen Lockerungen verärgert. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Lehrer-Kritik

„Ohne Schutz an die Front geschickt“: Dorstener Lehrer fassungslos

In dieser Woche kehren zahlreiche Schüler und die Lehrer trotz steigender Inzidenzen wieder an die Schulen zurück. Einige Lehrkräfte von Dorstener Schulen üben deutliche Kritik.

Viele Schüler der weiterführenden Schulen sind am Montag im Rahmen des Wechselunterrichts wieder in die Schulen zurückgekehrt. Das heißt auch für die Lehrer, dass sie wieder vor Ort unterrichten. Und das sorgt in weiten Teilen der Lehrerschaft für Kopfschütteln. Anders als ihre Kollegen an Grund- und Förderschulen oder Erzieher in Kitas werden sie derzeit noch nicht geimpft.

„Natürlich haben wir keinen so engen Kontakt zu den Schülern wie Erzieher. Aber wir sind mit ihnen in einem Raum festgetackert. Aktuell habe ich etwa 100 verschiedene Kontakte pro Woche“, erzählt eine am St.-Ursula-Gymnasium tätige Lehrkraft. Da komme beim Gang in die Schule schon ein mulmiges Gefühl auf. „Das ist eigentlich ein No-Go, was mit uns und den Schülern gemacht wird“, findet die Lehrkraft deutliche Worte.

Fehlende Impfung und Schnelltestkonzept sorgen für Unmut

Einer anderen Lehrkraft, ebenfalls an einer weiterführenden Schule in Dorsten aktiv, kritisiert die Verhältnismäßigkeit und das Konzept seitens der Politik. „Seit einem Jahr ist es das gleiche Theater. Wir werden in die Schulen gerufen, ohne dass irgendwas vorbereitet ist“, wirft diese Lehrkraft den Entscheidungsträgern vor. Die Schule dieser Lehrkraft habe sogar einen Impfarzt gefunden, der bereit war, die Lehrer zu impfen. Das scheiterte am Veto des Impfzentrums. „Da gab es null komma null Chance, das macht natürlich wütend“, meint die Lehrkraft.

„Mit 15 Schülern in einem Raum – das ist einfach zu viel. Die Schüler wollen sich sehen, sind eng beieinander und nicht so diszipliniert wie Erwachsene. Da fliegen viele Aerosole durch den Raum“, schildert eine andere Lehrkraft.

Trotz steigender Infektionszahlen kehren viele Schüler im Wechsel zum Präsenzunterricht zurück.
Trotz steigender Infektionszahlen kehren viele Schüler im Wechsel zum Präsenzunterricht zurück. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/KEYSTONE © picture alliance/dpa/KEYSTONE

Völlig undurchdacht seien aus Sicht einer Lehrkraft auch die geplanten wöchentlichen Schnelltests. „Das soll das Sicherheitskonzept sein? Das ist ein Witz!“, wird diese deutlich. „Da wird mal eben gesagt, wir sollen in Klassenzimmern Schnelltests durchführen. Wir sind Lehrer und haben eine Hemmschwelle, Schüler auf diese Weise zu testen“, macht die Lehrkraft klar.

Von Fünft- oder Sechstklässlern könne man auch weder erwarten, dass sie sich „von Lehrern in der Nase rumfuchteln“ lassen, noch, dass sie einen Selbsttest hundertprozentig korrekt durchführen. „Dass Lehrer medizinische Dienste in der kostbaren Unterrichtszeit machen sollen, ist ein absolutes Unding“, pflichtet eine andere Lehrkraft bei. Außerdem bestehe ein zusätzliches Risiko, weil Lehrer zur Kontrolle näher an die Schüler, die in diesem Moment keine Maske tragen, herangehen müssen. Diese Aufgabe sollte aus ihrer Sicht an die Eltern abgegeben werden.

Wechselunterricht scheitert an der Technik

„Es gibt überhaupt kein Konzept, was die Testung anbelangt. Das halte ich für völligen politischen Aktionismus“, kritisiert eine andere Lehrkraft. Statt die Kinder jetzt wieder in die Schulen zu lassen, hätte man aus ihrer Sicht die zwei Wochen bis zu den Osterferien nutzen sollen, um auf eine tägliche Testung wie in Österreich umzustellen. „Da würde ich mich auch sicher fühlen. So ist das, als wenn man ohne Schutz an die Front geschickt wird“, meint diese Lehrkraft.

„Nichts ist in einem Jahr passiert. Wir haben feste Seifenspender und Handtuchhalter bekommen, der Rest wird auf die Schule abgewälzt“, ärgert sich ein Kollege. Der Wechselunterricht kann wegen der technischen Voraussetzungen nicht wie geplant umgesetzt werden. „Die Schüler fallen eine Woche lang in die Steinzeit zurück. Die Leitungen geben es nicht her, die Schüler zu Hause parallel zu versorgen“, macht eine Lehrkraft klar. „An unserer Schule bricht das System zusammen, wir können den Kontakt zu den Schülern nicht aufrechterhalten“, schildert eine Lehrkraft an einer anderen Schule das gleiche Problem. „Das ist eine politische Entscheidung, um den Eltern Ruhe und Entlastung zu bringen, aber es wird nicht darauf geachtet, dass der Bildungsauftrag vernünftig weitergeht“, fasst eine Lehrkraft zusammen.

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Bastian Becker

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