Frühestens am Freitag könnte Außengastronomie in Dorsten wieder erlaubt sein. Rami Matrud, Christiane Rex und Christin Hakenfort (v.l.) vom La Piazza freuen sich schon auf Gäste. © Bastian Becker
Coronavirus

Öffnung der Außengastronomie: Gemischte Gefühle bei Dorstens Gastronomen

In Dorsten könnte bald wieder Außengastronomie möglich sein. Die Gastronomen sind froh, dass es überhaupt mal wieder losgehen könnte - aber von Euphorie kann keine Rede sein.

Seit rund sieben Monaten sind die gastronomischen Betriebe in Dorsten dicht. Bleibt die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Recklinghausen bis Mittwoch (19.5.) durchgehend unter dem Schwellenwert 100, wäre frühestens ab Freitag (21.5.) unter anderem Außengastronomie wieder erlaubt.

„Ob wir es direkt zu Freitag schaffen, wissen wir nicht“, sagt Christiane Rex. Spätestens am Samstag will die Inhaberin des „La Piazza“ am Marktplatz dann aber wieder Gäste empfangen, sofern es erlaubt sein sollte. Vieles sei aber noch ungeklärt und man warte auf offizielle Informationen.

Nutzen könnten Außengastronomie dann vorerst nur Geimpfte, von einer Corona-Erkrankung Genesene und Personen mit einem negativen Schnelltest, der nicht älter als 48 Stunden ist. Kontrollieren müssen die Betriebe das selbst. Die Mitarbeiter im La Piazza bekommen extra eine Schulung, damit sie wissen, worauf sie zu achten haben.

„Die Leute wollen einfach raus“

Christiane Rex rechnet auf jeden Fall mit viel Kundschaft. „Die Leute wollen einfach raus. Da bin ich sehr zuversichtlich, auch wenn das Wetter nicht mitspielen sollte. Wir freuen uns auf jeden Fall.“

Anderswo ist die Freude eher verhalten. „Es gibt einfach noch zu viele Unwägbarkeiten“, sagt Lisa Wünsche-Papazissi, die mit ihrem Mann die Taverna Angelos betreibt. Das griechische Restaurant an der Gahlener Straße feiert kommenden Donnerstag Vierjähriges. „Ich denke nicht, dass wir nächste Woche aufmachen werden“, sagte Wünsche-Papazissi am Freitag.

Thomas Püttmann will die Außengastronomie öffnen, sobald es erlaubt ist, auch wenn alles derzeit schwer planbar sei.
Thomas Püttmann will die Außengastronomie öffnen, sobald es erlaubt ist, auch wenn alles derzeit schwer planbar sei. © Bianca Glöckner (A) © Bianca Glöckner (A)

Wie wird das Wetter? Wie entwickeln sich die Zahlen? Wie groß ist überhaupt die Bereitschaft der Gäste, sich für einen Besuch testen zu lassen? Das sind Fragen, die gerade viele Gastronomen umtreiben.

„Werden garantiert nicht bei Inzidenz von 99 öffnen“

Stavroula Potsi behält unter anderem die Infektionszahlen genau im Auge. „Wir werden garantiert nicht bei einer Inzidenz von 99 öffnen“, sagt die Chefin vom Brauhaus am Brauturm in Wulfen. Liegt die Wocheninzidenz an drei Tagen hintereinander über 100, tritt die Notbremse am übernächsten Tag wieder in Kraft und gastronomische Betriebe müssten wieder schließen. Auf dieses Auf und Ab habe sie keine Lust, sagt Potsi, deshalb hält sie sich auch noch mit Prognosen zurück, wann sie ihren Biergarten öffnet.

Bei Maas-Timpert ist ebenfalls nicht die große Hektik ausgebrochen, weil eine Öffnung der Außengastronomie nun zumindest in Sicht ist. „Ich denke nicht, dass wir nächste Woche sofort öffnen werden“, sagte Steffen Surray am Freitag. „Es wird erst mal seine Zeit brauchen, alles wieder hochzufahren und man muss ja auch sehen, ob sich das rentiert.“

Außengastronomie allein reicht nicht

Thomas Püttmann vom Restaurant Zum Blauen See hat die Zeit im Lockdown auch genutzt, um den Außenbereich seines Betriebs neu zu gestalten. Die überdachte Terrasse mit Windschutz sei derzeit sicherlich ein Vorteil. „Wenn wir öffnen dürfen, haben wir geöffnet“, sagt der Restaurant-Chef, ohne dabei euphorisch zu wirken. „Außen-Gastro allein wird nicht reichen und bei den Wettereskapaden der letzten 14 Tage ist das absolut nicht planbar.“

Man arbeite mit Frischeartikeln, so Püttmann weiter. „Ich muss alles wegwerfen, wenn ich es nicht verkaufe. Die Ware ersetzt der Staat uns nicht.“ Ein QR-Code-System zur digitalen Erfassung der Kontaktdaten hat Püttmann auch startklar, wenngleich es seiner Meinung nach gar nicht so schlecht lief mit den Zetteln im letzten Jahr. „Es hat nun mal nicht jeder ein Smartphone.“

Grundsätzlich hätte er sein Restaurant aktuell lieber noch ein wenig länger geschlossen gelassen, um in ein paar Wochen dafür richtig öffnen zu können: „Das wäre besser als der komische Hickhack jetzt, den die Regierung uns hinwirft, damit wir Gastronomen ruhig sind.“

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Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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