Nutrias breiten sich in Dorsten aus - die Nager werden als Delikatesse geschätzt

dzAbschussprämie für Nutrias

Sie sind am Barkenberger See heimisch und am Lippedeich in Dorsten: die Nutrias. Der Anblick der Wasserratten entzückt nicht jeden. Denn in größeren Gruppen sind sie gefährlich.

Dorsten

, 16.06.2019 / Lesedauer: 3 min

In Barkenberg löst eine Familie von Nutrias am Barkenberger See in jedem Frühjahr eine Welle des Entzückens aus: Bewohner des Ortsteils posten Familienbilder der aufgeweckt blickenden, putzigen Nager und erfreuen sich an ihrem Anblick.

Nutrias breiten sich in Dorsten aus - die Nager werden als Delikatesse geschätzt

Die Nutriafamilie am Barkenberger See entzückt die Spaziergänger. © Guido Bludau

Bei Jägern und beim Lippeverband wecken die Tiere keine Begeisterung: „Wir behalten sie sehr genau im Auge, weil sie an Deichen und Dämmen wegen ihrer Höhlenbauerqualitäten große Schäden anrichten können“, sagt Anne-Kathrin Lappe, die Sprecherin des Lippeverbandes. Ein untergrabener Lippedeich tauge nicht für den Hochwasserschutz, weil er einstürzen könne.

„Die Population breitet sich in Dorsten rasant aus“, weiß der Dorstener Berufsjäger und Wildmeister, Hermann Wolff. Das habe Folgen für den Hochwasserschutz. Wolff sagt, dass Wasser- und Bodenverbände professionelle Nutriafänger beschäftigen. Die gibt es in Dorsten noch nicht, aber der Lippeverband ist wegen seiner Dämme und Deiche entlang der Lippe sehr daran interessiert, dass sich die vorhandene Nutria-Population nicht weiter ausbreitet. „Bei wöchentlichen Inspektionen behalten unsere Mitarbeiter die Nutrias im Auge“, sagt Anne-Kathrin Lappe.

Ein ganzes Toastbrot an die Nutrias verfüttert

Leider gebe es Menschen, die die Tiere füttern, so Lappe. „Letztens hat ihnen jemand ein ganzes Toastbrot zum Fraß vorgeworfen.“ Die vom Menschen gefütterten Tiere vermehrten sich aber deutlich schneller als ihre Artgenossen, die sich mit der in der Natur wachsenden vegetarischen Kost begnügen. „Durch die Fütterung wird nicht nur die Ausbreitung der Nutrias gefördert, sondern auch die Qualität der Gewässer gefährdet“, so Lappe. Der Lippeverband bittet deshalb dringend darum, die Fütterungen zu unterlassen.

Die Nutrias stammen ursprünglich aus Südamerika und wurden mit der Gründung von Pelzfarmen in den 1930er-Jahren an deutschen Gewässern und Flussläufen heimisch, nachdem Tiere ausgebüxt waren.

Für die erlegten Tiere gibt es Abschussprämien

In einigen Teilen unseres Landes sind Abschussprämien auf die Nutrias ausgesetzt. Laut Information des Landesumweltamtes werden die Nutrias an Gewässern mit Nutzungen aus wirtschaftlichen Gründen bekämpft. Die Art unterliegt in Nordrhein-Westfalen nicht dem Jagdrecht, kann aber auch ohne polizeiliche Sondergenehmigung von Jagdscheininhabern geschossen werden.

„Bei uns werden sie aber nicht geschossen, sondern in Fallen gefangen“, so Hermann Wolff. Wolff verweist als Vorsitzender der Kreisjägerschaft Recklinghausen auf eine Sammelstelle für Fellwechsel. Die Felle erlegter Tiere werden hier gebündelt angenommen und dann an eine Tochtergesellschaft des Deutschen Jagdverbandes in Baden-Württemberg weitergeleitet. Sie verarbeitet die Pelze und verkauft sie dann. Das Fleisch der Nutrias gilt als delikat: „Sie sollen ähnlich wie Kaninchen schmecken, das Fleisch ist zart und fettarm“, so Wolff.

Nicolai Eversmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station in Lembeck, hat „den Eindruck, dass es mehr Nutrias als noch vor zehn Jahren in Dorsten gibt“: „Sie sind allerdings noch nie gezählt worden.“ Einstürzende Gewässerränder aufgrund von unterirdischen Nutria-Bauten hat er selbst schon beobachtet: „Sie können Schäden anrichten“, so Eversmann. Aus Naturschutzsicht seien die Nutrias aber nicht die Tiere, „die die meisten Probleme bereiten“.

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