Die Justiz in Bochum: Schnee und Eis durchkreuzen Prozess-Pläne. © Jörn Hartwich
Landgericht Bochum

Nur noch gezuckt – Prozess um Würge-Angriff auf Mitpatienten

In der Psychiatrie in Herten wird ein Mann gewürgt. Der mutmaßliche Täter ist ein Mitpatient aus Dorsten. Eigentlich sollte ihm am Montag der Prozess gemacht werden. Doch es kam anders.

Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich im vergangenen Sommer in der LWL-Klinik in Herten abgespielt haben. Ein Patient wurde angeblich so lange gewürgt, bis er bewusstlos auf dem Boden lag und knapp zehn Sekunden lang nur noch gezuckt hat.

Der mutmaßliche Täter ist ein Mann aus Dorsten-Holsterhausen. Am Montag sollte ihm eigentlich der Prozess gemacht werden. Doch der Platz des Dorsteners auf der Anklagebank blieb leer.

Richter warteten vergeblich

Der 23-Jährige befindet sich zurzeit in der Psychiatrie in Lippstadt. Von dort sollte er pünktlich zu neun Uhr in das Bochumer Landgericht gebracht werden. Doch Richter, Staatsanwältin und Verteidiger warteten vergeblich. Der Fahrdienst für Gefangene hat sich aufgrund der extrem Winterwetterlage gar nicht erst auf den Weg gemacht.

Nach rund zwei Minuten war der Prozess daher schon wieder beendet. Der nächste Versuch soll am kommenden Freitag gestartet werden.

Dem Dorstener wird vorgeworfen, am 25. August 2019 im Gartenbereich der LWL-Klinik in Herten auf einen Mitpatienten losgegangen zu sein.

Gesicht blau verfärbt

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er dem anderen Mann morgens um kurz nach acht Uhr einen Arm um den Hals gelegt und ihn anschließend massiv gewürgt hat. Dabei soll sich das Gesicht des bereits bewusstlosen Opfers schon blau verfärbt haben. Außerdem habe er gezuckt. Erst nach einem großen Atemzug hat sich die Situation angeblich wieder entspannt. Zumindest für den Zeitraum der Bewusstlosigkeit soll laut Anklage allerdings akute Lebensgefahr bestanden haben. Die Hintergründe der Tat sind zurzeit noch völlig unklar.

Versuchter Totschlag

Der Fall hatte eigentlich am Amtsgericht in Recklinghausen verhandelt werden sollen. Wegen der Dramatik der gesamten Situation und der möglicherweise großen Gefährlichkeit des Angeklagten hielten es die Recklinghäuser Richter jedoch für möglich, dass auch eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags in Betracht kommen könnte. Deshalb haben sie die Akte zum Schwurgericht nach Bochum geschickt, das für derartige Fälle zuständig ist.

Gefährlich für die Allgemeinheit?

Wie bereits bekannt wurde, soll es im Prozess aber auch noch um weitere angebliche Übergriffe des Dorsteners gehen. Auch sie sollen näher beleuchtet werden. Im Hintergrund steht dabei die Frage, ob der 23-Jährige zum Schutz der Allgemeinheit möglicherweise sogar auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss.

Die Richter am Bochumer Schwurgericht haben für den Prozess zunächst noch drei Verhandlungstage eingeplant. Mit einem Urteil wäre danach Anfang März zu rechnen.

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