„Niemand sollte alleine sterben müssen“ - Hospizdienst Dorsten braucht neue Ehrenamtliche

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Vor allem Männer sind Mangelware unter den Ehrenamtlichen des ambulanten Hospizdienstes Dorsten. Daher starten die Verantwortlichen jetzt einen dringenden Aufruf.

Dorsten

, 17.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Als vor vielen Jahren ein Freund von Ursula Frach im Sterben lag und sich nach und nach alle Freunde und Bekannten von ihm abwandten, wuchs in Ursula Frach ein Wunsch: „Niemand sollte alleine sterben müssen!“

Seit 2006 engagiert sich die 71-Jährige daher ehrenamtlich für den ambulanten Hospizdienst Dorsten. „Das ist eine Arbeit, die ich sehr gerne mache. Die Betreuten geben einem sehr viel für das eigene Leben zurück“, sagt sie.

65-Jähriger ist seit sieben Jahren beim Hospizdienst Dorsten

Das sieht Wilhelm Hardt ähnlich. Der 65-Jährige ist seit sieben Jahren als Ehrenamtlicher dabei. Auslöser für sein Engagement war seine Schwiegermutter, die von seiner Frau bis zum Tod gepflegt wurde. „Wenn ich merke, dass der Betreute mir vertraut und ich ihm gut tue, dann weiß ich, warum ich die Arbeit mache“, sagt Hardt.

Der Hervester ist unter den aktuell 30 Ehrenamtlichen des Dorstener Hospizdienstes eine Minderheit. „Daher würden wir uns vor allem über männliche Verstärkung sehr freuen“, sagt Koordinatorin Claudia Kiehl.

Ausbildungskurs für Ehrenamtliche startet im Oktober

Gemeinsam mit Trauerbegleiterin Ulla Kuhn und Margit Harlos macht sie Werbung für einen neuen Ausbildungskurs zum ehrenamtlichen Hospizhelfer, der im Oktober startet. Ein Info-Abend findet am 3. September (Dienstag) um 16 Uhr im Caritashaus am Westgraben 18 statt.

Obwohl es schon fast 13 Jahre her ist, kann sich Ursula Frach noch genau an den ersten, theoretischen Kursteil erinnern. „Der Kurs geht sehr in die Tiefe, man muss sich sehr öffnen, sich selbst sehr reflektieren. Erst war es komisch, aber dann war es richtig schön“, sagt sie.

Nach der Theorie folgt für die Teilnehmer die Praxis

Die eigenen Erfahrungen mit dem Thema Tod spielten im Kurs eine wichtige Rolle, bestätigt auch Ulla Kuhn. Hinzu kämen Rollenspiele, um den Umgang mit Sterbenden und deren Angehörigen zu üben und sicherer dabei zu werden. Nach acht Kurseinheiten folgt ein Praktikum - etwa in einem Altenheim, einem Hospiz oder auf der Palliativstation des Dorstener Krankenhauses.

„Da kann man dann gucken, ob das Ehrenamt auch in der Praxis wirklich das Richtige für einen ist“, so Kuhn. Ihr ist es wichtig, dass auch, wenn es um das Sterben geht, nicht alles „hyperernst“ genommen wird und beim Hospizdienst auch viel gelacht wird.

Zwei Stunden in der Woche sollte man für das Ehrenamt einplanen

Mitmachen kann jeder, der über 18 Jahre alt ist. In der Regel sollte man rund zwei Stunden in der Woche für das Ehrenamt einplanen. „Ganz wichtig ist, dass man sich diese individuell einteilen kann. Man wird nicht vom Ehrenamt aufgefressen und auch Berufstätige können das schaffen“, sagt Claudia Kiehl.

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Wer den Kurs absolviert hat, kann nicht nur als Begleiter tätig werden, sondern sich auch in anderen Bereichen des Hospizdienstes, wie etwa dem Trauercafé, engagieren.

Ehrenamtliche verschaffen oft auch Angehörigen Auszeiten

Eingesetzt werden die Ehrenamtlichen auf der Palliativstation des Krankenhauses, in Altenheimen, aber auch in Familien. Oft sind es auch die Angehörigen der Kranken, die vom Hospizdienst betreut werden. „Manche Menschen betreut man nur wenige Tage, andere über Monate. Und am Ende jeder Betreuung kann man auch erst einmal eine Pause machen“, erklärt Wilhelm Hardt.

Allein gelassen wird beim Hospizdienst sowieso niemand. Mehrmals im Jahr gibt es Supervisionen und Gesprächsabende. „Wer den Menschen mag, für den ist das genau die richtige Arbeit“, sagt Ursula Frach.

  • Der Kurs findet immer dienstags von 16 bis 19 Uhr im Cornelia-Funke-Baumhaus an der Halterner Straße statt. Los geht es am 8. Oktober. Insgesamt gibt es sieben Kurseinheiten plus einen kompletten Samstag (23. November). Der zweite Teil des Kurses startet am 14. Januar 2020.
  • Anmeldungen zum Info-Abend für den Ausbildungskurs werden unter Tel. (02362) 91 87 53 entgegengenommen.
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