Birke Henning und ihr Hunderudel im Wohnzimmer an der Ellerbruchstraße: Die Hunde suchen stets die Nähe ihrer Bezugsperson. „Genügend Auslauf haben sie draußen“, sagt ihre Besitzerin. © Petra Berkenbusch
Umstrittene Tierhaltung

Neun Hunde: Eine Dorstenerin ist die unangefochtene Chefin des Rudels

Vater, Mutter, Kind, neun Hunde und drei Katzen leben in einer Dreieinhalbzimmerwohnung. Das Veterinäramt hat an dem Rudel nichts auszusetzen. Manche Nachbarn schon.

Wer bei Familie Henning an der Ellerbruchstraße klingelt, muss sich auf was gefasst machen, denn er wird von einem ganzen Hunderudel freudig kläffend begrüßt – neugieriges Schnüffeln inklusive. Das dauert genau so lange, bis die zweibeinige Chefin den Gast ins Wohnzimmer geführt hat und neun feuchte Hundeschnauzen sich einmal ausgiebig davon überzeugt haben, dass der Gast keine Leckerchen zu bieten hat. Dann ist Ruhe.

Aber nur fast, denn Simba, der Mops, findet Besucher längst nicht so langweilig wie die anderen Mitglieder seines Rudels, in dem er zwar nicht der Jüngste, aber der Kleinste ist. Simba nimmt auch gern bei Frauchen auf dem Schoß Platz, von wo aus er einen guten Überblick hat.

Die ganze Familie ist hundenärrisch

Hunde sind Birke Hennings Leben, ihr größtes Hobby, für das sie auf viele andere Dinge verzichtet. „Wir fahren nicht in Urlaub“, berichtet die groß gewachsene Frau, „wir rauchen und trinken nicht. Deshalb können wir uns die Tiere leisten.“ Wir, das sind die Mittfünzigerin Birke, Mann und Sohn. Alle hundenärrisch, wofür andere Menschen nicht immer Verständnis haben. Schließlich leben die Hennings nicht auf einem Bauernhof, sondern in einer Dreieinhalb-Zimmer-Mietwohnung. Zusammen mit neun Hunden und drei Katzen – und es scheint so, als sei es nicht ausgeschlossen, dass das Rudel noch größer wird.

Hunde und Birke Henning
Fürs Foto führt Birke Henning ausnahmsweise alle neun Hunde. Nach dem Schnappschuss hat ihr Sohn wieder einige Leinen übernommen. © privat © privat

Schäferhund Rex war einst der erste eigene Hund der jungen Frau, die mit 34 Jahren zum ersten Mal Witwe wurde. Eine neue Beziehung führte sie ein paar Jahre später nach Dorsten, nach der Heirat zog das Paar zunächst nach Wulfen-Barkenberg. In die 110 Quadratmeter große Wohnung zog auch schon Schäferhündin Finja mit ein, sozusagen Nachfolgerin des inzwischen gestorbenen Rex. Finja bekam später Welpen, einer blieb bei den Hennings: Max Wuschel, noch heute mit seiner Mutter Teil des Rudels.

Der Golden Retriever Alf kam aus dem Tierschutz und sollte eigentlich nur ein Pflegehund bleiben. „Aber das war Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Birke Henning. „Also blieb er.“ Die Schäferhund-Boarder-Collie-Mischlingshündin Pia und die Collies Murphy und Falko lebten mit der Familie bis 2019 in Wulfen-Barkenberg. Bis ein aufgebrachter Nachbar eines Tages im Streit Menschen und Tiere mit Reizgas angriff.

Vermieter hat nichts gegen die Hundehaltung

„Als in einer Wohnungsanzeige ausdrücklich Hundeliebhaber angesprochen wurden“, berichtet Birke Henning, „war das für uns wie ein Sechser im Lotto“. In Hervest ist die Adresse inzwischen als „Hundehaus“ bekannt, denn die Hennings sind längst nicht die einzigen Hundebesitzer im Haus. Allerdings die einzigen mit neun Hunden, denn seit dem Umzug sind der Mops sowie mit Fanny und Sanja zwei weitere Collies hinzugekommen.

Wenn Birke Hennings ihre Tiere ausführt und nicht Verstärkung von Mann oder Sohn hat, muss sie in zwei Gruppen gehen. „Es ist nicht erlaubt, dass eine Person mehr als sechs Hunde führt“, erklärt die Halterin. Auf die Morgenrunde folgen mittags und abends weitere Spaziergänge, bei denen die Familie ihren Hunden Auslauf verschafft, den die Tiere weder in der Wohnung noch im gepachteten Schrebergarten haben.

Das Veterinäramt kontrolliert immer wieder

„Obwohl wir das tun und es den Tieren bei uns gut geht“, beklagt Birke Henning, „werden wir immer wieder beim Veterinäramt angeschwärzt. Bei jedem Besuch haben mir die Amtstierärzte dann bescheinigt, dass die Tiere gesund und gepflegt sind. Es gab nie etwas an der Haltung zu beanstanden. Wir zahlen auch Hundesteuer und stellen unsere Hunde regelmäßig beim Tierarzt vor.“ Ihre Wohnung sei trotz der Tiere sauber. „Ich will ja selbst nicht im Dreck leben!“

Dass Mitmenschen es nicht verstehen können, dass man neun Hunde in einer Dreizimmerwohnung hält, kann Birke Henning verstehen. „Aber weil wir das anders sehen und alles dafür tun, dass es unseren Tieren gut geht, sind wir doch noch lange nicht asozial.“

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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