Die Einfahrt zum Firmengelände an der Baldurstraße führt geradewegs auf das imposante Speichergebäude zu. © Petra Berkenbusch
Betriebsschließung

Neues Leben für den Baldurspeicher nach dem Ende der Spedition Nagel

An der Baldurstraße schließt die Spedition Nagel. 16 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Für das Speichergebäude gibt es spannende Pläne - Arbeitsplätze eingeschlossen.

Ende März 2021 endet an der Baldurstraße in Holsterhausen eine Ära: Die Speditions- und Lagerumschlagsgesellschaft Wilhelm Nagel GmbH & Co. KG schließt ihre Pforten. 16 Mitarbeiter verlieren ihren Job – Lkw-Fahrer, Lagerarbeiter und Verwaltungsangestellte. „Der Lagerumschlag hat sich zuletzt nicht mehr gerechnet“, erklärt auf Anfrage Dirk Budde, seit dem Ausscheiden von Rolf Nagel im Sommer alleiniger Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens.

„Ich habe die Firma am 1. Juli übernommen, und es war einen Versuch wert, das Unternehmen wachzurütteln. Aber das hat nicht funktioniert.“ Unter anderem hätten es die Mitbewerber aus Osteuropa der Firma schwer gemacht, rentabel zu arbeiten. An der Baldurstraße wurden zum Beispiel Kunststoffgranulate für große Kunden angeliefert, abgeladen, gelagert und schließlich wieder aufgeladen, wenn der Kunde das Material anforderte.

Alle Lkw seien zum Jahresende abgemeldet, erklärt Budde. Die Hafenspedition der Firma Nagel sei von der Schließung nicht betroffen, dort laufe der Betrieb mit zwei Mitarbeitern weiter.

16 Mitarbeiter verlieren bis Ende März ihren Arbeitsplatz

Etliche der 16 Speditionsmitarbeiter haben offenbar Kündigungsschutzklagen beim zuständigen Arbeitsgericht Herne eingereicht, wo es nach einigen gescheiterten Güteterminen Anfang des Jahres 2021 zu weiteren Verhandlungen kommen wird.

Mit der Aufgabe des Speditions- und Lagergeschäfts sollen an der Baldurstraße auf gar keinen Fall die Lichter ausgehen. Ganz im Gegenteil. Dirk Budde hat große Pläne für den Standort. Im Mittelpunkt seiner Zukunftsvision steht der sogenannte Baldurspeicher, einst Kohlenwäsche, später von der Firma Nagel als Getreidesilo genutzt.

Baldurspeicher
Das ehemalige Zechengelände aus der Luft betrachtet: Blau eingekreist ist der Baldurspeicher. © Geonetzwerk metropole Ruhr/RVR © Geonetzwerk metropole Ruhr/RVR

Wo Tausende Tonnen Getreide gelagert wurden, sollen künftig Menschen arbeiten und Freizeit verbringen, vielleicht sogar wohnen. Dirk Budde: „Das Gebäude ist 42 Meter hoch und hat fünf Stockwerke mit jeweils rund 700 Quadratmetern Fläche. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dort Büros, Arzt- oder Physiotherapiepraxen entstehen. Auch ein Fitnessstudio könnte sich dort ansiedeln.“

Die überdimensionierte Statik des Speichers schränke die Nutzungsmöglichkeiten kaum ein. „Man muss natürlich sehen, aus welchen Branchen und mit welchen Vorstellungen mögliche Interessenten auf uns zukommen.“

Gespräche mit der Stadt über den Standort laufen

Mit der Stadt sei er auf jeden Fall bereits im Gespräch über die Entwicklung des Standortes Baldurstraße, auf dem seine Vermietungs- und Baugesellschaft schon jetzt Lagerhäuser an Dorstener und andere Unternehmen vermiete.

Mit der Entwicklung von außergewöhnlichen Standorten hat der gebürtige Kirchhellener, der seit vielen Jahren im Rhein-Main-Gebiet zu Hause ist, auf jeden Fall Erfahrung.

Wohl auch deshalb hat es ihm der Speicher der ehemaligen Zeche Baldur, auf der nur von 1911 und 1931 Kohle gefördert wurde, angetan. „Das ist ein spannendes Gebäude“, sagt Dirk Budde, der dort auf jeden Fall ein Café realisieren möchte. „Vielleicht sogar ganz oben, dann hätten die Besucher einen tollen Blick über ganz Holsterhausen.“

Für touristische Besucher in Holsterhausen könnte auch der Radweg sorgen, der auf der an das ehemalige Zechengelände angrenzenden Bahnstrecke der „Venloer Bahn“ Haltern-Venlo angelegt worden ist. Der Name der Zeche stand Pate für eine Rad- und Fußgängerfähre an der Lippe unweit des Geländes. Die kleine Fähre wird von den Passagieren selbst mit Muskelkraft bewegt. In dieser Saison war sie wegen Corona nicht in Betrieb.

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Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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