Doris Brockmann hat sich mit ihrer Erzählung für den „Kindle Storyteller X 2020“-Wettbewerb beworben. © Doris Brockmann
Erzählung von Doris Brockmann

Neuer Lesestoff: Wenn Frauen Liebe suchen, aber Gewalt ernten

Sie hat selbst schon einen Krimi geschrieben und sich zuletzt von einem wahren Kriminalfall zu einer Erzählung inspirieren lassen, in der sie den Motiven der Opfer nachspürt.

2016 erschütterten die grausamen Verbrechen im „Horrorhaus von Höxter“ die Republik. Im Oktober 2018 wurden Wilfried W. zu 11 Jahren und seine Ex-Frau Angelika W. zu 13 Jahren Haft wegen zweifachen Mordes und Mordes durch Unterlassen verurteilt. Das Täterpaar hatte jahrelang Frauen, die es über Kontaktanzeigen kennengelernt hatte, im Bosseborner Wohnhaus psychisch gedemütigt, emotional manipuliert und körperlich schwerst misshandelt.

Die Dorstener Autorin Doris Brockmann hat den Fall mit großem Interesse verfolgt und sie hat seitdem die Frage beschäftigt, „warum Frauen sich auf diese extreme Situation mit dem Täterpaar eingelassen und Fluchtmöglichkeiten teilweise nicht genutzt haben.“

Wenn das Opfer ein Tagebuch geschrieben hätte …

Mit der kurzen Erzählung „Nur ein kleines bisschen Glück“ hat sie in diesem Jahr versucht, sich einer Antwort auf diese Frage zu nähern. Ihre fiktive Protagonistin schreibt in ihr Tagebuch aber keineswegs Erfundenes, sondern das, was Doris Brockmann in Aussagen des Täterpaares und von Zeuginnen an Material gesammelt hat.

Die Erzählung gibt‘s als E-Book und als Taschenbuch. © privat © privat

Das von ihr erfundene Opfer zieht zu ihrem zunächst zärtlich-charmanten Peiniger, den sie übers Internet kennengelernt hat, aufs Land, wo er mit seiner angeblichen Schwester wohnt, die in Wahrheit seine geschiedene Ehefrau ist.

Der Sex ist leidenschaftlich, die Schwester ein sadistisches Biest, der Geliebte ein unberechenbarer, sadistischer Brutalo. Sie wird gehalten wie eine Sklavin und ist dennoch überzeugt: „Ich bin nicht ohnmächtig. Ich liebe.“ Sie vertraut sich niemandem an. Sie bleibt. So erging es im Horrorhaus von Höxter gleich mehreren Frauen. Mindestens zwei bezahlten das mit ihrem Leben.

Liebe kann wohl doch nicht immer Berge versetzen

Doris Brockmann ist zu der Überzeugung gelangt, dass es offenbar um sehr eigene Formen der Liebessehnsucht, unbedingten Hingabe, Hoffnung auf Glück ging und darauf, dass Liebe alles zum Guten wenden, Berge versetzen kann.

Konnte sie nicht. Nicht in Höxter und nicht anderswo. Darauf wird in jedem Jahr am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, einem Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen, hingewiesen.

Die Erzählung „Nur ein kleines bisschen Glück“ ist bei Amazon erschienen und kostet 1,23 Euro als E-Book und 3,99 Euro als Taschenbuch mit 58 Seiten (ISBN 979-8550367964).

Zur Person

  • Dr. Doris Brockmann stammt aus Paderborn, arbeitete nach dem Studium von Germanistik und katholischer Theologie und der Promotion als wissenschaftliche Angestellter und Lehrbeauftragte in Forschung und Lehre.
  • Feministisch-theologische Themen waren das Fachgebiet der 61-Jährigen.
  • 2001 schlug sie einen neuen Weg ein, sie legte die Heilpraktikerprüfung ab und arbeitete bis 2014 in ihrer eigenen Praxis.
Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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