Bestreitet: der Ex-Profiboxer zum Prozessauftakt am Essener Landgericht. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Neue Vergewaltigungs-Vorwürfe: Ex-Boxweltmeister bestreitet

Anfang 2019 ist ein ehemaliger Boxweltmeister aus Dorsten wegen Vergewaltigung verurteilt worden. Jetzt steht er wieder vor Gericht. Die neuen Vorwürfe ähneln den alten.

Es war kurz nach halb zehn, als der 29-Jährige von zwei Wachtmeistern in den Gerichtssaal geführt wurde. Dass er mal Boxer war, ist immer noch zu sehen. Die Jahre, die er im Gefängnis bereits abgesessen hat, sind seinem Körper nicht anzusehen.

Im Februar 2019 war der ehemalige Profisportler zuletzt verurteilt worden. Vier Jahre und neun Monate Haft hatten die Richter damals verhängt – wegen Vergewaltigung. Das Opfer war eine Schülerin, 15 Jahre alt.

Jetzt geht es um weitere Vorwürfe. Schon damals war durchgesickert, dass sich auch andere junge Frauen bei der Polizei gemeldet hatten – mit ähnlichen Vorwürfen.

Erstes Treffen im Kinderzimmer

Seit Mittwoch steht der 29-Jährige nun wieder vor Gericht und zeigt sich weiter kämpferisch. „Er bestreitet die Taten“, sagte einer seiner beiden Verteidiger zum Prozessauftakt am Essener Landgericht. Sagen werde der Angeklagte jedoch nichts. „Er macht von seinem Schweigerecht Gebrauch.“

Die neuen Vorwürfe gehen zum Teil schon auf 2011 zurück. Laut Anklage hat der ehemalige Boxer, der viele Jahre in Dorsten gelebt und trainiert hat, schon damals eine Schülerin bedrängt. Auch sie soll erst 15 Jahre alt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte sie in einem Fitnessstudio kennengelernt hat. Das erste Treffen fand angeblich in ihrem Kinderzimmer statt. Laut Anklage wurde gekuschelt, es entstanden intime Fotos. Auch zum Geschlechtsverkehr soll es gekommen sein. Anfangs einvernehmlich, dann angeblich mit Gewalt.

„Er war ja auch superlieb“

„Du hast es nicht anders verdient“, soll der Angeklagte der Schülerin einmal gesagt haben, worauf sie sich angeblich sogar noch entschuldigt hat. Vier Jahre später wurde sie laut Anklage erneut vergewaltigt.

Zwischendurch soll der Ex-Boxer eine andere 15-Jährige auf einem Parkplatz massiv sexuell bedrängt haben. „Anfangs war ich nicht abgeneigt”, erzählte die heute 23-Jährige den Richtern am ersten Verhandlungstag. „Er war ja auch superlieb.“ Manchmal sei sie nachts sogar heimlich aus ihrem Fenster geklettert, um den Angeklagten zu treffen.

Angst vor BH-Foto

Warum sie nicht schon früher zur Polizei gegangen ist? „Ich habe die ganze Situation damals nicht richtig verstanden“, sagte sie den Richtern. „Außerdem hatte er ein BH-Foto von mir“. Das habe sie allerdings freiwillig machen lassen. „Ich wollte ja nicht prüde sein.“ Später habe sie jedoch Angst gehabt, dass er das Bild von ihr herumschicke.

Für den 29-Jährigen könnte es vor Gericht diesmal richtig ernst werden. Im Falle einer Verurteilung soll auch über die unbefristete Sicherungsverwahrung nachgedacht werden – zum Schutz der Allgemeinheit.

Über den Autor
Gerichtsreporter

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.