Die Erdkabelbaustelle dürfte den Raesfeldern noch in Erinnerung sein. Eine neue Stromtrasse könnte wieder durch Raesfeld führen, aber auch durch Schermbeck, Dorsten und Kirchhellen. © Amprion / Frank Peterschröder
Stromtrasse

Neue Stromtrasse könnte durch Dorsten, Schermbeck und Raesfeld führen

Eine neue Stromautobahn soll ab 2030 Windstrom aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein nach NRW bringen. Im Untersuchungsraum für die Trasse sind auch Dorsten, Schermbeck und Raesfeld.

Aufatmen war in Schermbeck und Raesfeld Anfang Juni angesagt, als bekannt wurde, dass die Stromtrasse A-Nord nicht durchs jeweilige Gemeindegebiet führen soll. Nun steht die nächste Stromtrasse aus Norddeutschland vor der Tür.

Genau genommen sind es sogar zwei Trassen, die zusammen als „Korridor B“ bezeichnet werden. Die Trasse Wilhelmshaven-Hamm dürften in dieser Region allerdings weniger interessieren als das von Amprion als „Vorhaben 48“ bezeichnete geplante Erdkabel, das von Heide in Schleswig-Holstein nach Marl-Polsum führen soll.

Höchstspannungsverbindungen sind überlastet

„Bereits heute sind die Höchstspannungsverbindungen zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen überlastet“, so die Firma Amprion. Im Norden wird immer mehr Windenergie eingespeist, im Westen Deutschlands werden konventionelle Kraftwerke hingegen abgeschaltet. Die geplanten Stromtrassen sollen das Wechselstromnetz entlasten und einen wichtigen Teil der Stromversorgung übernehmen nach dem Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Kohle in NRW.

Korridor B soll vorrangig als Erdkabel verlegt werden, etwa 1,30 bis 1,80 Meter tief. Die Elbe soll, so besagt es die Karte des Untersuchungsraums, etwa in Höhe Glücksstadt gekreuzt werden. Würde man von dort die Stromtrasse auf der geraden Luftlinie nach Marl-Polsum bauen, hätten die Kreise Borken und Wesel mit dem Vorhaben nichts zu tun – ihr Gebiet würde nicht berührt werden. Die Stromtrasse hätte dann insgesamt eine Länge von rund 440 Kilometer.

Luftlinie führt durch bebaute Stadtgebiete

Eine Stromtrasse mitten durch bebaute Stadtgebiete von Marl, Haltern, Dülmen oder Nottuln zu führen, ist aber natürlich kaum planbar. Deshalb gibt es wie seinerzeit auch bei A-Nord einen sogenannten Untersuchungsraum, der das gesamte Gebiet Dorstens, den östlichen Teil von Schermbeck und Raesfeld-Erle sowie Kirchhellen umfasst.

Die gepunktete Linie zeigt die Luftlinien-Verbindung für die geplante Stromtrasse, die in Marl-Polsum enden soll. Pink markiert ist der Untersuchungsraum, der auch Raesfeld, Schermbeck und Dorsten berührt.
Die gepunktete Linie zeigt die Luftlinien-Verbindung für die geplante Stromtrasse, die in Marl-Polsum enden soll. Pink markiert ist der Untersuchungsraum, der auch Raesfeld, Schermbeck und Dorsten berührt. © Amprion © Amprion

Ein solcher „Umweg“, der zwischen Dorsten und Schermbeck und dann im Süden Dorstens oder durch Kirchhellen von West nach Ost in Richtung Marl-Polsum geführt würde, erscheint auf den ersten Blick nicht sonderlich wahrscheinlich. Allerdings wird derzeit auch eine Trasse für eine Wasserstoffleitung von Dorsten nach Duisburg gesucht, wobei hier Open Grid Europe tätig ist. Ausgeschlossen ist derzeit nicht, dass diese Leitung über Schermbecker Gebiet führen könnte. Bündelungseffekte mit dem Korridor B wären dann theoretisch möglich.

Am Montag (19. Oktober) will Amprion ein Netz aus möglichen Trassenkorridoren vorstellen, das dann Grundlage für die weiteren Planungen des Projekts sein soll.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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